Spitzengespräch in Berlin
Euro-Retter nehmen Merkels Griechenland-Kurs aufs Korn

Wie kann Griechenland noch vor der Pleite bewahrt werden? Die Europäer schnüren ein neues Rettungspaket, doch Deutschland zögert mit schnellen Hilfszusagen. Sarkozy will das ändern – im persönlichen Gespräch mit Merkel.
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BerlinEine Woche vor dem EU-Gipfel versuchen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy heute die Positionen beider Länder in einer Reihe von Themen anzunähern. Vorrangig dürfte es um die Frage gehen, wie und zu welchen Bedingungen dem angeschlagenen Euro-Partner Griechenland geholfen werden kann. Frankreich ist vorsichtiger als Deutschland bei der Frage, ob auch private Gläubiger bei einem Rettungspaket mit einbezogen werden sollen.

Die Bundesregierung versucht derweil den Eindruck zu zerstreuen, dass sie jegliche Hilfsbemühungen blockiert. Er sei sich sicher, dass Merkel und Sarkozy zu einem Kompromiss kommen könnten, sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (FDP), im ZDF-"Morgenmagazin". Dies gilt laut Hoyer auch für die Einbindung privater Gläubiger. Deutschland und Frankreich hätten gemeinsam ein großes Interesse daran, „den Euro wetterfest zu machen“, betonte der Staatsminister.

Die zögerliche Haltung Deutschlands sorgt für großen Unmut in Europa. Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sagte im Deutschlandfunk, das Zaudern über weitere Hilfen müsse ein Ende haben. Es sei weniger riskant, das Land zu retten als es in Scherben fallen zu lassen. Deshalb dürfe die Europäische Union nicht länger über Prinzipien diskutieren, sondern müsse sich auf die Aufgabe konzentrieren, Griechenland wieder in die Lage zu versetzen, selbst Kredite aufzunehmen. Dabei dürfe man das griechische Volk nicht vergessen, betonte Asselborn. Die Menschen brauchten Motivation und eine Perspektive.

Auch Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker drängt die Bundesregierung zur Eile. Eine Entscheidung sollte nicht in den September hinein verschoben werden, sagte der luxemburgische Regierungschef am Freitag. Zuvor war aus deutschen Verhandlungskreisen verlautet, dass sich die Bundesregierung angesichts der offenen Fragen bei der Beteiligung privater Gläubiger mit der endgültigen Zustimmung zu einem neuen Hilfspaket für Athen bis September Zeit lassen wolle.

Bei den Verhandlungen über ein zweites Hilfspaket für Griechenland streiten die EU-Länder über die Rolle der privaten Gläubiger. Deutschland dringt auf eine Beteiligung privater Kreditgeber, Frankreich ist skeptisch - auch weil französische Großbanken zu den größten Gläubigern Griechenlands gehören. „Es wird eine Beteiligung privater Gläubiger geben“, ist Juncker überzeugt. Allerdings dürfe es dabei nicht zu einem Kreditausfall und einer weiteren Absenkung der Bonität Griechenlands kommen. Zudem müsse die Beteiligung der Banken freiwillig sein.

In Athen wird erwartet, dass der griechische Ministerpräsident Papandreou in Kürze seine Kabinetts-Umbildung bekannt gibt. Wie ein Regierungssprecher in Athen mitteilte, sollen die Minister anschließend umgehend vereidigt werden. Mit der neuen Mannschaft will sich der wegen seines Sparkurses auch in den eigenen Reihen unter Druck stehende Premier in den kommenden Tagen einer Vertrauensabstimmung im Parlament stellen.

Kommentare zu " Spitzengespräch in Berlin: Euro-Retter nehmen Merkels Griechenland-Kurs aufs Korn"

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  • Versailles 2.0

  • Warum darf so eine Meinung nicht veröffentlicht werden? Zensur ist kein Mittel der Demokratie, der Freiheit. Ich habe volles Verständnis für alle die, die inwischen zur Aggressivität neigen, weil ihnen ihre Rechtlosigkeit immer mehr bewußt wird! Rechtsbrecher und Vertragsverletzer sind an der Macht und das Recht ist auf den Seite derer, die dem Einhalt gebieten wollen, die ihre Verzweifelung darüber auf ihre Weise zum Ausruck bringen. Eine brutale Wahrheit kann nicht brutaler sein, als eine offensichtliche Lüge! Das HB ist wenigsten so liberal, daß es nicht mehr in den Leserkommentaren zensiert, wie damals, als die Sarrazin-Debatte lief! Ausdrücklichen Dank!

  • Wie unschwer zu erkennen ist, spricht aus den meisten Kommentaren nicht nur zu diesem Thema wieder einmal der pure Sachverstand.

    Ich kann Ihnen nur beipflichten, 80 Prozent der Kommentare gehören sicher, auch der Wortwahl wegen, nicht hierher.

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