Spitzenpersonalie
Luxemburger Mersch wird neuer EZB-Direktor

Im dritten Anlauf schafft der luxemburgische Zentralbank-Chef Yves Mersch den Sprung ins EZB-Direktorium. Er gilt als „Falke“, also ein entschlossener Bekämpfer der Inflation.
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BrüsselNach monatelangem Ringen löst sich der Streit um die Spitzenposten der Währungsunion: In einem ersten Schritt einigte sich die Eurogruppe am Montagabend, den Luxemburger Notenbankchef Yves Mersch in das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) zu schicken. Das hatte Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker zur Bedingung gemacht, um sein eigenes Amt fortzuführen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist damit aus dem Spiel für den Topjob der Euroretter.

Madrid hatte sich lange gegen Merschs Berufung in das sechsköpfige EZB-Direktorium gewehrt. Schließlich war mit José Manuel González-Páramo im Mai ein Spanier aus dem Amt geschieden und die Regierung wollte einen neuen Posten dafür ergattern. In Diplomatenkreisen hieß es, womöglich könne nun ein Spanier Vizechef des künftigen Rettungsschirms ESM werden. Im Chefsessel könnte der Deutsche Klaus Regling landen, der schon den befristeten Schirm EFSF leitet. Das wäre ein Triumph für Berlin.

Mersch muss am Dienstag noch von den 27 EU-Finanzministern bestätigt werden, bevor er von den EU-Staats- und Regierungschefs offiziell nominiert wird. Mit dem Luxemburger Yves Mersch (62) zieht einer der Geburtshelfer der Euro-Währung in das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) ein. Mersch gehört zu den engsten Weggefährten des früheren Finanzministers, jetzigen Regierungschefs und bisherigen Eurogruppen-Vorsitzenden Jean-Claude Juncker. Dass Juncker fast schon im Hinausgehen aus dem Eurogruppenamt Mersch noch im EZB-Direktorium durchsetzte, zeigt das enge Verhältnis der beiden.

Der Notenbankchef gilt als geldpolitischer Falke, und warnte schon vor einem Jahr, ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone könne ins „Chaos“ führen. Er schafft den Sprung in das EZB-Führungsgremium im dritten Anlauf. Ebenso wie Juncker ist auch Mersch ein in Frankreich ausgebildeter Jurist, seit langem jedoch Finanzpolitiker aus Leidenschaft. Seit er 1975 im luxemburgischen Finanzministerium als Assistent begann, ist er über Zwischenstationen beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und in der Vertretung seines Landes bei den Vereinten Nationen zu einem der wichtigsten Währungsexperten in der EU geworden. Mersch war einer der Unterhändler für den Maastricht-Vertrag, mit dem 1992 der Grundstein für den Euro gelegt wurde. Seit den 1980er-Jahren ist er bei fast allen einschlägigen EU-Gipfeln und bei den meisten Treffen der EU-Finanzminister dabei.

Der Luxemburger Zentralbank steht Mersch seit deren Gründung 1998 vor. Seither ist er auch in den Gremien der EZB präsent und gilt als einer der erfahrensten Geldpolitiker im dafür zuständigen EZB-Gremium. Mersch sei, sagen Wegbegleiter, ein Mensch von großem diplomatischen Geschick: Er sei nicht nur sehr kompetent, sondern auch in der Lage, Gesprächsfäden wieder aufzunehmen und Kompromisse zu erarbeiten.

Agentur
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  • Und wieder mal ein schwarzer Tag für Europa, neben der erpressung und Vetterwirtschaft hat ein Zwergstaat wie Luxenburg mehr Stimmrecht (einen Direktor und einen Zentralbankchef) als die 80 Millionen Deutschen mit 27% Haftungsanteil. Kritische deutsche Stimmen wie A. Weber oder J. Stark haben frustriert wegen den zwielichtigen/regelbrechenden EZB Aktionen wie Target_2, Schrottanleihenkauf, Flutung der Banken (Dicke Bertha 1&2 ohne Sicherheiten) usw. schon die Brocken hingeworfen.

    Luxenburg hat dank massiver Schulden ihrer Steuerflucht-Beihilfe/Anlagebanken 1,9 Mio Euro Schulden pro Kopf der Bevölkerung. Eine Rettung ist also nur mit Hilfe des dumen Steuer-Michels via EFSF,ESM oder via regelbrechender EZB Aktionen möglich.

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