Spitzentreffen
Juncker und Draghi beraten über Wirtschaft

„Konstruktiver Meinungsaustausch“: Der künftige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EZB-Chef Mario Draghi reflektieren über die wirtschaftliche Situation der EU. Draghi hatte zu mehr Zusammenarbeit aufgerufen.
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Frankfurt/BerlinKurz vor der Zinssitzung der Europäischen Zentralbank hat EZB-Chef Mario Draghi mit dem künftigen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker über die Lage der europäischen Wirtschaft gesprochen. Bei dem Treffen in Luxemburg sei es zu einem „konstruktiven Meinungsaustausch“ gekommen, sagte ein EZB-Sprecher am Mittwoch. Draghi hatte die Regierungen in Europa jüngst zu mehr Zusammenarbeit in der Wirtschaftspolitik aufgerufen. Es sei wünschenswert, dass sich die Staaten in ihren Wirtschaftsstrukturen einander anglichen.

Die EZB entscheidet am Donnerstag über den Leitzins, den sie erst im Juni auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt hatte. Experten rechnen nicht mit einer weiteren geldpolitischen Lockerung. Der französische Präsident Francois Hollande hat die EZB mehrfach aufgefordert, die Wirtschaft stärker zu stützen und deflationäre Gefahren zu bekämpfen. Die Preise in der Euro-Zone steigen kaum noch: Mit nur noch 0,4 Prozent ist die Teuerung so niedrig wie seit Oktober 2009 nicht mehr. Die EZB ist damit weit von ihrem Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent entfernt.

Sie will auf jeden Fall verhindern, dass es zu einer gefährlichen Deflationsspirale aus fallenden Preisen und sinkenden Löhnen kommt. Dagegen hält die EZB als letzte Option ein Programm zum Ankauf von Wertpapieren in großem Stil bereit. Dafür ist die Zeit laut Experten jedoch noch nicht reif. Die EZB hatte Anfang Juni erstmals einen Strafzins für Banken eingeführt, die Geld bei ihr parken statt es zu verleihen. Um den stockenden Kreditfluss an die Wirtschaft in Gang zu bringen, will Draghi in den kommenden zwei Jahren zudem bis zu eine Billion Euro in das Finanzsystem schleusen.

Draghis Gesprächspartner Juncker will sein Kommissionsteam bis zum EU-Sondergipfel am 30. August zusammenstellen. In Medienberichten wurde darüber spekuliert, dass der Luxemburger ein eigenes Ressort für die Finanzmärkte schaffen könnte. Bisher war der Franzose Michel Barnier als Binnenmarktkommissar für das Thema zuständig.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Spitzentreffen: Juncker und Draghi beraten über Wirtschaft"

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  • Herr Draghi hat es wieder ausgesprochen, Deutschland soll sich den EU-Südländern anpassen und seinen erarbeiteten Überschuss an die überweisen!
    Herrr Juncker hat von dem was Herr Draghi veranstaltete sowieso keine Ahnung und gibt selber zu das er das EU-Volk bescheißt, solange bis es einer merkt.
    Es langt, D raus aus dem €, raus aus der EU und rein in die EFTA-Zone mit der Schweiz.
    Alles andere ist der Totalverlust der Souveränität Deutschlands auf Kosten des deutschen Bürgers.
    Frau Merkel hat es ja auch gesagt, sei will eine "marktkonforme Demokratie das ist das Ende des Daseins Deutschlaands!!
    Sie ist der Totengräberin der Demokratie in Deutschland.
    Adenauer würde sich im Grabe umdrehen zu dieser ihrer Aussage!

  • Die Preise steigen also kaum noch? Okay, der Flachbildfernseher wurde deutlich billiger. Aber was ist mit Waren, die man zum täglichen Leben braucht? Hätte man zu DM-Zeiten knapp 5 Mark für ein Kilo einheimischer Äpfel bezahlt? Und warum wurden einheitliche Packungsgrößen abgeschafft? 'Weil eine Packung eben eine Packung ist, egal ob 100 oder 80 g´Wurst drin sind.

  • Deutschland darf fleißig zahlen, aber die EZB ist seit Jahren in fremder Hand. Toll

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