SPÖ
Österreichs Kanzler verliert Parteivorsitz

Rückzug im schatten der EM: Als alle dem Fussball-Showdown gegen Deutschland entgegen fieberten, verlor der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer seinen Parteivorsitz bei der SPÖ. Grund sind die Umfragewerte: Noch nie war ein Bundeskanzler so unbeleibt wie Gusenbauer.

WIEN. Nach einem massiven Popularitätsverlust hat Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer einen Teil seiner Macht verloren. Der 48-Jährige musste am Montag in Wien sein Amt als SPÖ-Vorsitzender praktisch abgeben - wenige Stunden vor der Fußball-EM-Partie Deutschland-Österreich, das Gusenbauer an der Seite der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolgen wollte. Das sozialdemokratische Parteipräsidium stellte Gusenbauer den Verkehrsminister Werner Faymann zunächst als "geschäftsführenden Vorsitzenden" zur Seite. Auf einem Parteitag im Oktober soll Faymann dann das Amt offiziell von Gusenbauer übernehmen. Gusenbauer werde aber weiter Kanzler bleiben, sagte Faymann nach der Sitzung.

Gusenbauer hat mit der SPÖ am 1. Oktober 2006 bei den österreichischen Parlamentswahlen überraschend die konservative Volkspartei als stärkste Fraktion abgelöst. Seither hat er jedoch ständig an Beliebtheit verloren. Nach einer am Sonntag von der Zeitung "Österreich" veröffentlichten Umfrage liegt die Zustimmung zu seiner Person bei nur noch 16 Prozent. Das ist der niedrigste Beliebtheitswert, der jemals für einen österreichischen Regierungschef gemessen wurde. In den vergangenen Tagen waren auch Rufe nach einer Ablösung Gusenbauers im Kanzleramt immer lauter geworden.

Gusenbauer sagte nach der Sitzung: "Ich bleibe der Bundeskanzler und werde der Spitzenkandidat bei der nächsten Wahl sein." Er selbst habe diese Lösung vorgeschlagen. Angesichts der Situation der Partei habe er seine Bedenken gegen eine Ämtertrennung beiseite gestellt. Die SPÖ hatte ihren Kanzler in den vergangenen Monaten zunehmend wegen völliger Passivität innerhalb der SPÖ - geführten großen Koalition kritisiert. Neben Gusenbauer verlor auch der bisherige Bundesgeschäftsführer Josef Kalina seinen Parteijob. Kalina wurde durch die amtierende Familienministerin Doris Bures ersetzt.

dpa

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