Spott für Finanzminister
„Die hat Wolfgang Schäuble geschickt“

„Ich weiß, wie es ist, von 500 Euro im Monat zu leben“, so Griechenlands Finanzminister Stournaras. Ein Satz, den er jetzt bitter bereut. Die von Kürzungen gebeutelten Griechen reagierten mit Hohn und schwarzem Humor.
  • 4

AthenTomaten, Olivenöl, sogar ein ganzes Huhn - mit Körben voller Lebensmittel sind am Donnerstag zahlreiche Athener vor das Finanzministerium gezogen. Sie brachten Spenden für die Mutter des Hausherren. Denn Finanzminister Yannis Stournaras hat die Griechen in Harnisch gebracht, als er unlängst sagte, er könne sich gut vorstellen, wie es der Bevölkerung ergehe. „Ich weiß, wie es ist, von 500 Euro im Monat zu leben. In meiner Familie leben viele von sehr wenig Geld“, hat Stournaras gesagt und aufgezählt: „Meine Mutter, mein Schwiegervater, meine Schwiegermutter.“ Nun hagelt es Spott. Und Spenden. „Für Stournaras' Mami, verdammt!“, heißt es zornig auf einem Plakat.

Eine Frau trug einen vollgepackten Korb auf den zentralen Syntagma-Platz in der griechischen Hauptstadt. Jede Menge Würste hat sie gebracht. „Die hat Wolfgang Schäuble geschickt“, behauptete sie. Der deutsche Finanzminister steht für den größten der internationalen Geldgeber, die Griechenland mit Milliarden-Krediten vor der Pleite gerettet haben.

Die Kehrseite der Kredite bekommen vor allem die einfachen Griechen zu spüren: drastische Sparmaßnahmen, Stellenstreichung im öffentlichen Dienst, Steuererhöhungen, Lohn- und Pensionskürzungen. Mehr als jeder vierte Grieche hat keine Arbeit. Immer mehr Menschen werden obdachlos. Viele Griechen müssen sich gehörig einschränken, um irgendwie durchzukommen.

Der Mindestlohn beträgt in Griechenland 500 Euro pro Monat. Aber viele Rentner müssen mit nicht einmal 300 Euro auskommen. „Das ist die Realität, die Herr Stournaras nicht sehen kann“, sagt Themis Balasopoulos, Chef der Gewerkschaft, die den Protest organisiert hat. „Hunderte griechische Familien stehen am Rand der Verzweiflung.“

Und doch folgten so viele dem Aufruf der Gewerkschaft, für Stournaras' Familie zu spenden, dass die Organisatoren sich vor Lebensmitteln kaum retten konnten. „Das ist eine Geste des Mitgefühls für eine Familie, die versucht, sich durchzukämpfen“, sagte ein Gewerkschafter. „Wir hoffen, dass Herr Yannis Stournaras diese Geste zu schätzen weiß und nicht auch noch eine Quittung verlangt.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Spott für Finanzminister: „Die hat Wolfgang Schäuble geschickt“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Genau das ist das Problem! In Griechenland findet keine Wertschöpfung statt und das Wenige wird auch noch unzutreffend besteuert. Deshalb hätte Griechenland niemals in den Euro-Raum aufgenommen werden dürfen. Mein besonderer Dank diesbezüglich gilt Schröder und Fischer! Man muss sich vorstellen, dass Griechenland mit einer Bevölkerung von ca. 11 Millionen Menschen seit seinem Beitritt über schätzungsweise über 800 Milliarden Euro an Subventionen und Hilfen erhalten hat, die den Lebensstandard der Allgemeinheit allerdings nicht wirklich stützen konnte. Die Politik ist ständig bemüht, diese Fakten der Öffentlichkeit nicht bekannt zu geben. Es bleibt mir ein Rätsel, wie die Politik Unterstützungen diesen ungeheuren Ausmaßes, die Griechenland noch die nächsten 20 Jahre benötigt, der eigenen Bevölkerung, aber auch dem BVerfG verkaufen will...


  • Zitat : Die von Kürzungen gebeutelten Griechen reagierten mit Hohn und schwarzem Humor

    was bleibt denen auch übrig ? Worauf beruht der Wohlstand der Griechen ?

    die Reeder, die Kirche, die Banken, der aufgeblähte Staat........das ist doch die Wirtschaft der Griechen : mehr gibt es nicht !

    die größte Reederei der Welt, die Griechische, zahlt keine Steuern und wird nie welche zahlen: vorerst wandert diese nach Bermudas aus.

    die Kirche , als größter Grundbesitzer Griechenlands, zahlt keine Steuern, und wird nie eine zahlen

    die Banken, notorisch pleite, ist eine Subventionsbranche

    die Staatsdiener, fast eine Million an der Zahl, verlebt die aufgenommenen Kredite

    Woher soll der Wohlstand der Griechen kommen ?

    Griechenland war, ist und wird immer Pleite bleiben !

    Und damit sind sie laut "Sparschweinchen im Wägelchen" immer auf dem besten Weg und werden auf unsere Kosten ihr Dasein führen !

  • Bankenzocker hat er gerettet, gegen den Willen des deutschen Volkes! Deutschland braucht eine starke AfD! Die nächste Chance ist die Europawahl!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%