Sprecher: PLO-Chef befindet sich nicht im Koma
Arafats Leber hat versagt

Der schwer kranke Palästinenser-Präsident Jassir Arafat leidet nach Angaben aus Palästinenser-Kreisen an Leberversagen. „Sein Zustand hat sich nicht verbessert“, sagte am Sonntag ein Berater Arafats im Westjordanland, der namentlich nicht genannt werden wollte. Es werde überlegt, Arafat nach Kairo auszufliegen, um ihn im Todesfall schneller nach Hause bringen zu können.

HB PARIS/RAMALLAH. Wo der Friedensnobelpreisträger und ehemalige Guerilla-Kämpfer seine letzte Ruhe finden soll, ist strittig. In Ramallah im Westjordanland verabschiedeten Vertreter der palästinensischen Führung am Sonntag die Umsetzung eines Planes, der Recht und Ordnung in den Palästinenser-Gebieten wieder herstellen soll. Extremisten sollen demnach entwaffnet und die Polizei gestärkt werden.

Arafat wird derzeit in einem französischen Militärhospital bei Paris behandelt. Er soll bereits seit Tagen im Koma liegen. Allerdings sind die Angaben über seinen Zustand widersprüchlich. Erst in der Nacht zum Sonntag hatte Nabil Abu Rdainah, ein enger Vertrauter Arafats, in Paris erklärt, der Palästinenser-Präsident läge nicht im Koma. „Er ist einem stabilen Zustand. Im Moment schläft er“, sagte er. Von den Ärzten wurde dies nicht bestätigt. Zuvor hatte es auch schon geheißen, Arafat sei hirntot.

Der 75-jährige Arafat wünscht, in Jerusalem beerdigt zu werden. Israel lehnt es jedoch vehement ab, Arafat in der Stadt zu begraben, die sowohl den Juden als auch den Moslems heilig ist. Stattdessen soll er nach israelischer Auffassung in den Palästinenser-Gebieten bestattet werden. „Verteidigungseinrichtungen haben Vorbereitungen für die Beerdigung Arafats in Gaza abgeschlossen“, wurde der israelische Verteidigungsminister Schaul Mofas in Regierungskreisen zitiert. „Wir warten noch auf eine offizielle Mitteilung zu Arafats Tod.“ Arafat wurde mit der Erlaubnis Israels nach Paris ausgeflogen. Um seinen Leichnam zurückzubringen, wäre eine ebensolche Erklärung notwendig.

Ein palästinensischer Minister sagte, der Plan, dem jetzt verschiedene Gruppen zugestimmt hätten, sei schon im März entworfen worden und solle den Zustand der Rechtlosigkeit in den Palästinenser-Gebieten beenden, der aus dem vier Jahre dauernden Aufstand resultiert. Demnach sollten die Sicherheitskräfte gestärkt werden. Militanten Palästinensern solle es nicht länger erlaubt sein, Waffen zu tragen - außer in Konflikten mit israelischen Streitkräften. Der palästinensische Kabinettsmitglied Saeb Erekat sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Plan solle sofort umgesetzt werden.

Israels Verteidigungsminister Schaul Mofas sagte, er sehe Anzeichen, dass die führenden Palästinenser-Vertreter versuchten, zusammenzurücken und den „Terrorismus der Hamas zu stoppen“. Allerdings sei es unmöglich zu beurteilen, ob sie damit Erfolg haben würden. In israelischen Kreisen hatte es zuvor geheißen, die Regierung könnte sich bereit erklären, die Abriegelung der Palästinenser-Gebiete zu lockern. Damit solle ermöglicht werden, einen moderaten Nachfolger für Arafat zu ernennen und einen Waffenstillstand mit den Extremisten zu erreichen.

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