Sprengsätze im Kanzleramt
Linksextremisten bekennen sich zu Paketbombe

Eine militant-linksautonome Gruppe in Griechenland hat sich zu einer versuchten Anschlagsserie mit Paketbomben bekannt, von denen eine Sendung vor gut drei Wochen auch das Bundeskanzleramt in Berlin erreichte.
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HB ATHEN. In einer am Donnerstag in Athen veröffentlichten Erklärung der Gruppe mit dem Namen "Verschwörung der Feuerzellen" hieß es, dabei seien private Paketzusteller benutzt worden. Die Gruppe war schon früh verdächtigt worden, hinter den geplanten Anschlägen zu stecken.

Neben dem Bundeskanzleramt waren auch Sprengsätze an mehrere Botschaften in Athen geschickt worden sowie an den französischen Präsidenten Nicholas Sarkozy, den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, den Europäischen Gerichtshof und Europol. Die meisten der 14 Paketen wurden von der Polizei abgefangen und unschädlich gemacht. Bei einer kleinen Explosion wurde ein Zusteller allerdings leicht verletzt. Keine der abgefangenen Briefbomben enthielt nach Angaben der Ermittler eine tödliche Menge Sprengstoff.

Die militante "Verschwörung der Feuerzellen" (Synomosia Pyrinon tis Fotias - SPF) hat sich in den vergangenen zwei Jahren zu Dutzenden von Brand- und Bombenanschlägen bekannt. Der Gruppe wird eine Reihe von Anschlägen in Saloniki und in Athen zugeschrieben, die überwiegend Sachschaden anrichteten. So griffen bereits am 13. September 2008 maskierte Jugendliche auf Motorrädern ein Polizeirevier in Saloniki an und schleuderten Brandsätze auf Polizeifahrzeuge. Im Dezember 2008 ging ein kleiner Brandsatz vor dem Athener Büro der französischen Nachrichtenagentur AFP hoch. Im Februar folgte in Athen eine Reihe von Brandanschlägen unter anderem auf einen Ankläger in Terrorprozessen, einen Richter und einen Politiker, bei denen aber niemand verletzt wurde.

Die "Zellen" widmeten diese Anschläge einem führenden Mitglied der Terrororganisation "17. November", der zu lebenslanger Haftstrafen verurteilt worden war. Weitere Anschläge galten Ministerien, Baustellen für Polizeigebäude und Häusern prominenter Politiker, bei denen aber niemand verletzt wurde. Im Dezember 2009 trifft es ein Versicherungsgebäude in Athen, wie es heißt, als Protest gegen das "weihnachtliche Konsumverhalten".

Seit Anfang 2010 bekannten sich die "Zellen" unter anderem zur Detonation eines kleinen Sprengsatzes beim Grab des Unbekannten Soldaten vor dem Parlamentsgebäude in Athen am 9. Januar. Am 13. Mai ließ eine Bombenexplosion vor dem größten Gefängnis Griechenlands in Athen in der Nachbarschaft Fensterscheiben zerspringen; eine Frau wurde durch Glassplitter verletzt. Bei einem Bombenanschlag auf ein Gerichtsgebäude in Saloniki am 14. Mai entstand erheblicher Sachschaden.

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