Sprengsatz vor Moschee: Wahlergebnis in Bagdad von Bombenexplosion begleitet

Sprengsatz vor Moschee
Wahlergebnis in Bagdad von Bombenexplosion begleitet

Ein schwerer Bombenanschlag in Bagdad hat am Freitag erneut zahlreiche Menschen getötet. Die Tat sollte offenbar die Wut über die neuen politischen Machtverhältnisse im Land unterstreichen: Die Explosion ereignete sich genau in dem Moment, in dem die Wahlkommission bestätigte, dass die Schiiten als stärkste Gruppierung aus der Parlamentswahl vom Dezember hervorgingen.

HB BAGDAD. Der Sprengsatz ging in einem Auto vor einer schiitischen Moschee im berüchtigten Dura-Distrikt, einem der gefährlichsten Viertel der Stadt, in die Luft. Gläubige verließen das Gebäude gerade nach ihren Freitagsgebeten. „Es war eine riesige Explosion und ich habe überall Leichen von alten und jungen Menschen rumliegen sehen“, sagte eine Augenzeugin. Die Polizei zählte acht Tote und 28 Verletzte. Angestellte des nahe gelegenen Al-Jarmuk-Krankenhauses sprachen von neun Toten. „Kriminelle versuchen, das Sektierertum zwischen Sunniten und Schiiten zu nutzen. Aber Gott und sein Prophet werden das nicht erlauben“, klagte eine Augenzeugin. Die meisten Anschläge im Irak werden sunnitischen Aufständischen zur Last gelegt.

Die Explosion war auch noch zehn Kilometer weiter in der schwer bewachten Grünen Zone im Zentrum Bagdads zu spüren. Dort verkündete zu der Zeit des Anschlags die Wahlkommission die endgültigen Ergebnisse des Urnengangs von Mitte Dezember. Die von Schiiten dominierte Vereinigte Irakische Allianz kam demnach auf 128 von insgesamt 275 Sitzen. Der Kurdische Block erreichte 53 Sitze. Die verschiedenen sunnitischen Parteien errangen zusammen 58 Sitze. Offizielle Gespräche über die Bildung einer Regierung stehen zwei Monate nach dem Urnengang noch aus. Die USA hoffen, dass Schiiten und Kurden die Sunniten, die unter Saddam Hussein noch Politik und Verwaltung kontrollierten, mit in die Regierung einbeziehen werden und so für Ruhe unter den Aufständischen sorgen werden. Beobachter befürchten aber, dass das Wahlergebnis eher die Rebellen im Land anstacheln und so zu mehr Gewalt führen wird.

Die Aufständischen, die die am 7. Januar in Bagdad entführte US-Journalistin Jill Carroll festhalten, veröffentlichten derweil ein weiteres Video. Darin rief die 28-Jährige eindringlich dazu auf, die Forderungen ihrer Entführer zu erfüllen. Sie trug in dem am Donnerstag vom kuwaitischen Privatsender Al Rai TV ausgestrahlten Band ein Kopftuch und schien bei guter Gesundheit zu sein. „Bitte tut, was immer sie wollen. Gebt ihnen was immer sie wollen, und zwar so schnell wie möglich. Es bleibt nur noch wenig Zeit“, flehte sie. Die Entführer hatten zuvor dem arabischen Fernsehen Videos zugespielt, um ihrer Forderung nach Freilassung aller irakischen Frauen aus US-Militärhaft Nachdruck zu verleihen.

Mehr als 200 Ausländer und tausende Iraker wurden seit dem Sturz Saddams entführt. Die meisten Ausländer kamen wieder frei, aber 54 wurden umgebracht. Derzeit gehen Beobachter davon aus, dass sich mehrere Dutzend in der Hand von Entführern befinden. Über das Schicksal zwei verschleppter deutscher Ingenieure herrscht weiter Unklarheit.

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