Sprengstoff kam über Deutschland
Paketbombe war auch in Passagierflugzeugen

Die auf dem Weg in die USA abgefangenen Paketbomben haben Deutschland in größere Gefahr gebracht als zunächst angenommen. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere bestätigte am Sonntag, dass das in England sichergestellte Paket am Flughafen Köln/Bonn umgeladen worden war - und zeigt sich alarmiert. Auch ist mittlerweile klar, dass der Sprengstoff nicht nur in Frachtflugzeugen unterwegs war.
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HB SANAA/DOHA/WASHINGTON/BERLIN. Einer der beiden jüngst in Frachtflügen entdeckten Paketbomben wurde zuvor auch von Passagiermaschinen in Nahen Osten befördert. Wie ein Sprecher der Fluglinie Qatar Airways in Doha erklärte, flog die Linie den Sprengstoff aus dem Jemen über Doha nach Dubai, wo sie am Freitag entdeckt wurde. US-Medien berichten, das Paket, das letztlich an eine jüdische Synagoge in Chicago gehen sollte, sei an Bord zweier Passagierflüge in Nahost unterwegs gewesen.

Qatar Airways sei allerdings nicht für die Gepäckkontrollen vor dem Start verantwortlich, sagte der Sprecher der Linie nach Angaben der katarischen Nachrichtenagentur. Die Kontrollen lägen vielmehr in der Verantwortung des jeweiligen Flughafens.

Die andere der beiden endeckten Luftpost-Bomben aus dem Jemen hätte möglicherweise auch in Deutschland explodieren können: Das in Großbritannien gefundene Sprengstoffpaket wurde über Köln transportiert, richtete sich nach Einschätzung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière aber nicht direkt gegen Deutschland. "Die Umstände deuten nicht darauf hin, dass Deutschland das Ziel des Anschlages sein sollte", sagte der CDU-Politiker, der wegen der Ereignisse eine Israel-Reise absagte. Nach Angaben des britischen Premierministers David Cameron hätte der Sprengsatz im Flugzeug gezündet werden können.

"Wir nehmen den Vorgang ernst, auch wenn Deutschland wohl nicht Anschlagsziel war", sagte der Minister. "Dass der Umschlagsort Deutschland war, kann uns nicht ruhig stellen." Der erste Hinweis auf die Bomben kam laut de Maiziere aus Saudi-Arabien. Obwohl das Bundeskriminalamt nach seinen Angaben die in Köln umgeladene Sendung aufspürte, konnte sie nicht mehr gestoppt werden. Das Paket hatte den Angaben zufolge bereits eine halbe Stunde zuvor Deutschland wieder in Richtung Großbritannien verlassen. Daraufhin seien die britischen Behörden unterrichtet worden. "Durch diese schnelle Ermittlungsarbeit konnte Großbritannien diese Pakete aufklären, ermitteln und sicherstellen", bevor sie auf den Weg in die USA gebracht wurden. "Nach den bisherigen Ermittlungen spricht alles dafür, dass es sich hierbei um vorbereiteten Sprengstoff handelte", sagte de Maiziere. Die genaue Zusammensetzung "und welcher Schaden hätte angerichtet werden können, wird noch untersucht".

Beide Pakete enthielten de Maiziere zufolge "einen Computer-Drucker, in dessen Tonerpatrone ein weißes Pulver" eingefüllt worden war. Neben technischen Bauteilen sei der Sprengstoff Nitropenta gefunden worden, auch bekannt als PETN. "Ob die konkrete bauliche Zusammensetzung (...) tatsächlich geeignet war, einen funktionsfähigen Sprengsatz herzustellen, wird derzeit noch geklärt", sagte der Minister. Hingegen hatte der britische Premierminister Cameron am Samstag erklärt, die Bombe sei funktionsfähig gewesen. "Wir glauben, dass der Sprengsatz darauf ausgelegt war, in dem Flugzeug zu explodieren", sagte er vor einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Als Konsequenz aus den Paketfunden wurde inzwischen die gesamte Luftfracht aus dem Jemen nach Deutschland gestoppt und die Behörden suchen nun nach Schwachstellen im System. Dies sei ein gemeinsames Vorgehen mit den USA, Großbritannien und Frankreich. Der Minister sprach in Dresden angesichts des ähnlichen Bombenfundes in Dubai von einem "größeren abgestimmten Vorgehen" der Hintermänner.

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  • Kurt M.
    statt zuhause oder im Straßenverkehr ????
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    bei einem Unfall zu Hause kommen vielleicht sie ums Leben ( Ob das ein Verlust ist vermag ich nicht zu beurteilen )wenn ein Flugzeug abstürzt kommen meist alle insassen um,zuzüglich der Toten der Aufschlagstelle,ist diese in einer größeren Deutschen Stadt ( München,Stuttgart,Nürnberg oder der Großraum Köln/bonn )kommen schnell mal 2--300 Tote dazu.Sie Leben sicher nicht in einem der Aufgeführten ballungsräume ! Keine Gefahr für sie !!!

  • Oh mein Gott - sollte es jetzt wirklich gefährlicher sein bei einem "Terrorattentat" zu sterben statt zuhause oder im Straßenverkehr ????
    Zum Glück ist das nur Propagande. Oder folgt wirklich sehr bald der nächste "inside Job " ??
    Die gehirngewaschenen werden es mal wieder glauben...

  • Aha, da soll eine Synagog in USA einen alten Drucker aus dem Jemen in Empfang nehmen, anschließen und laufen lassen. Eine Synagog nimmt also Post aus einem Terroristenstaat entgegen.. Eine jemenitische Handykarte,welche im Flugzeug aktiv geblieben sein sollund nach Tagen in den USA noch funktionieren soll... Die Fracht wurde nicht mal in Saudi Arabien aufgegeben... So viele geklärte Fragen kurz vor den Wahlen in den USA, alles klar, das war das Werk der ausgebufftesten Terrororganisation der Welt, welche einen "Testlauf" startet, damit nachher aber auch wirklich alles abgefangen wird. Wer es glaubt wird aber oberseelig. Fakten bitte, keine konstruierten Theorien. Das die Medien auch so brav darüber berichten, eine Farce und das mit unseren freiwilligen GEZ-Gebühren. Auf Widersehen.

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