Sprengstoff verschwunden
Videoaufnahme widerspricht Aussagen der US-Regierung zum Sprengstoff-Klau im Irak

Ein Video eines US-Senders hat die Diskussion um im Irak verschwundenen Sprengstoff neu entfacht. Das Band zeigt US-Soldaten, die Sprengstofffässer begutachten - zu einer Zeit, zu der sie laut Regierung gar nicht vor Ort waren.

HB BERLIN.

Im Fall der 380 Tonnen Sprengstoff aus einem Waffenlager im Irak, die als verschwunden gelten, hat ein Video des US-Senders ABC neue Fragen aufgeworfen. In der Aufnahme sind US-Soldaten zu sehen - Mitglieder der amerikanischen 101. Airborne Division -, die in einem Bunker im Militärlager Al Kakaa Fässer kontrollieren.

Ob es sich dabei um den verschwundenen Sprengstoff handelt, sei nicht gewiss, berichtete der Sender. Wichtiger sei jedoch das Datum, an dem das Video aufgenommen wurde: Es soll der 18. April 2003 sein - neun Tage nach dem Sturz von Saddam Hussein. Die US-Regierung hatte bisher ausgesagt, der Sprengstoff habe sich nicht mehr in dem Lager südlich von Bagdad befunden, als die US-Soldaten dort im Mai eingetroffen seien. Saddam Hussein habe nach dem Beginn des Krieges genug Zeit gehabt, das Material herauszuschaffen.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte am Freitag, tatsächlich hätten sich Mitglieder der 101. Airborne Division und der 3. Infanteriedivision von 10. April an «zwei bis drei Wochen» in der Nähe von Al Kakaa aufgehalten. Danach seien die Soldaten in nördlicher Richtung nach Bagdad aufgebrochen, so dass das Lager unbewacht gewesen sei. Als die Truppen im Mai nach Al Kakaa zurückkehrten, sei der Sprengstoff verschwunden gewesen.

Der nun vermisste Sprengstoff war in Al Kakaa bis zum 9. März regelmäßig von Mitarbeitern der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) inspiziert und versiegelt worden. Das am Freitag ausgestrahlte ABC-Video zeigt, wie US-Soldaten Container mit der Aufschrift «Explosiv» begutachten.

IAEA-Experten bestätigten, die Aufnahmen aus dem Lager seien Fotos sehr ähnlich, die sie von den versiegelten Fässern gemacht hätten. In einer Aufnahme ist zu sehen, dass ein Siegel aufgebrochen ist.

Der Befehlshaber der Division, Austin Pearson, sagte, sein Team habe 250 Tonnen TNT, Plastiksprengstoff, Zündschnüre und weißen Phosphor am 13. April aus dem Lager entfernt. «Ich habe keine Versiegelungen der IAEA auf den Fässern gesehen, als wir ins Lager kamen», sagte er. «Ich habe nicht danach gesucht.»

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