Sprung aus dem Elend
Wachstum verringert Armut in Südamerika

Die Armut in Lateinamerika ist dank des anhaltend hohen Wachstums der Volkswirtschaften in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Erstmals seit 1990 liege die Zahl der Menschen, die mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen müssen, wieder unter 200 Millionen.

MEXIKO-STADT. Dies teilte die Uno für Lateinamerika -Wirtschaftskommission Cepal vergangene Woche mit. Allein im vergangenen Jahr schafften 14 Millionen Menschen den Sprung über die Armutsschwelle. "Die Armut ging deutlicher zurück, als wir das erwartet hätten“, betonte Cepal-Generalsekretär José Luis Machinea bei der Vorstellung des Berichts.

In der Region einschließlich der Karibik lebten im vergangenen Jahr 194 Millionen Menschen oder 36,5 Prozent der Bevölkerung in Armut, 13,4 Prozent von ihnen in extremer Armut. Diesen Menschen fehlt es am Nötigsten. Dabei sind die Volkswirtschaften Lateinamerikas in den vier Jahren zwischen 2003 und 2007 im Jahresschnitt um 4,5 Prozent gewachsen und damit so stark wie zuletzt in den siebziger Jahren.

Hauptgrund für den Konjunkturaufschwung sind eine positive Weltkonjunktur und die hohen Preise für Rohstoffe wie Erdöl, Silber, Kupfer und Soja. Dadurch fließt viel Geld in die nationalen Märkte, was wiederum Konsum und Investitionen ankurbelt. So seien neue Arbeitsplätze entstanden, und der Staat habe mehr Geld für Investitionen in Sozialprogramme zur Verfügung gehabt, betonte Machinea. Zusätzlich trugen vor allem in den Ländern Zentralamerikas und in Mexiko die hohen Auslandsüberweisungen erheblich zur Milderung der sozialen Not bei. Der Cepal-Chef forderte die Regierungen trotz der positiven Entwicklung auf, die Armut weiter zu reduzieren. "Angesichts der noch immer außerordentlich vielen Menschen in Not dürfen wir nicht nachlassen“.

Ohne anhaltendes Wachstum sei das Problem nicht in den Griff zu bekommen, betonte Machinea. Für dieses Jahr sagt die Cepal einen Anstieg der Wirtschaftskraft in Lateinamerika um rund fünf Prozent voraus. Für die kommenden Jahre sehen die Cepal-Ökonomen gute Chancen auf eine weitere Reduzierung der Armut. "Lateinamerika wird weiter um rund 4,5 Prozent wachsen pro Jahr, und so werden mehr Menschen in Lohn und Brot kommen“, heißt es in dem Bericht.

Nach wie vor klafft nirgends auf der Welt die Schere zwischen Arm und Reich so weit auseinander wie in Lateinamerika. In Mexiko, der größten Volkswirtschaft der Region, ist mit dem Telekommunikationsunternehmer Carlos Slim der reichste Mensch der Welt beheimatet. Er verfügt über ein Vermögen von rund 60 Mrd. Dollar. Slims persönlicher Reichtum vermehrt sich pro Minute um rund 45 000 Dollar, während 40 Millionen seiner Landsleute nicht mehr als zwei Dollar pro Tag zur Verfügung haben. Slims Vermögen entspricht rund sieben Prozent des mexikanischen Bruttoinlandsprodukts.

Die größten Fortschritte bei der Armutsbekämpfung machte in den vergangenen vier Jahren Argentinien. Seit der Krise von 2001/2002 wächst die Wirtschaft Argentiniens durchschnittlich um neun Prozent, so dass die die Arbeitslosigkeit sank von 17 auf zehn Prozent, und die Armut fiel von 50 auf 24,4 Prozent. Der Ölstaat Venezuela reduzierte die Zahl der Menschen in Armut um 18,4 Prozentpunkte, was vor allem durch die hohen Erdöleinnahmen und die staatlichen Armutsprogramme der Regierung von Präsident Hugo Chávez zu erklären ist. Dennoch hat in Venezuela noch immer jeder Dritte nicht genügend zu Essen oder kein würdiges Dach über dem Kopf.

Peru, Chile, Ecuador, Honduras und Mexiko konnten die Armut im gleichen Zeitraum um mehr als fünf Prozentpunkte senken. Brasilien, mit rund 180 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Region, drückte die Zahl der Bedürftigen um 4,2 Prozentpunkte.

Mit den Erfolgen der vergangenen Jahre sei Lateinamerika auf bestem Weg, eines der wichtigsten Millenniumsziele zu erreichen und die im Jahr 1990 bestehende extreme Armut bis 2015 zu halbieren, schreibt die Cepal in ihrem Bericht. Länder wie Ecuador, Mexiko, Brasilien und Chile haben dieses Ziel dem Bericht zufolge bereits erreicht. Nach Ansicht der Ökonomen der Uno -Organisation müssen einige Länder jedoch noch "große Anstrengungen“ unternehmen, um die Millenniumsziele zu erreichen. Dies sei vor allem durch eine bessere Verteilung der Einkommen zu erreichen. "So kann der Effekt des Wirtschaftswachstums auf die Armutsredzuzierung potenziert werden.“

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