St. Petersburg: Kritik an Forum von Europas Rechtsextremen

St. Petersburg
Kritik an Forum von Europas Rechtsextremen

Wenige Wochen vor den russischen Feiern zum Sieg über den Hitlerfaschismus trifft sich Europas rechtsextreme Szene ausgerechnet in St. Petersburg. Die Heimatstadt von Putin litt im Weltkrieg sehr unter den Faschisten.
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MoskauZum Entsetzen russischer Juden haben Rechtsextreme und Ultranationalisten aus vielen Teilen Europas und den USA in der Metropole St. Petersburg einen politischen Kongress organisiert. Es sei „zynisch“, „frevelhaft“ und „absolut nicht hinnehmbar“, ein solches Forum in der einst von Faschisten belagerten Stadt abzuhalten, kritisierte die Föderation der jüdischen Gemeinschaften Russlands am Montag in einer Mitteilung. Bei der „Leningrader Blockade“ hatte die Wehrmacht die Stadt im Zweiten Weltkrieg systematisch ausgehungert.

Ein „Neonazi-Forum“ mit Leugnern des Massenmordes an den Juden lasse Russland vor dem 70. Jahrestag des Sieges über Hitlerdeutschland am 9. Mai in „äußerst ungünstigem Licht“ erscheinen, kritisierte der Präsident der Vereinigung, Alexander Boroda. Das Land, das im Kampf gegen den Faschismus einen großen Beitrag geleistet habe, stehe vor der Herausforderung, neonazistischen Tendenzen Einhalt zu gebieten.

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte Agenturen zufolge, dass Präsident Wladimir Putin über das Forum informiert worden sei. Es gebe aber keinen Grund, darauf zu reagieren. „Es ist nicht auf unserer Tagesordnung“, sagte Peskow der Agentur Interfax.

Die ultrakonservative Partei Rodina (Heimat) hatte das Treffen am Sonntag mitorganisiert. Die Partei war lange Zeit von Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin geführt worden, der als einer ihrer Ideologen gilt.

Die Föderation der jüdischen Gemeinschaften Russlands kritisierte in ihrer Mitteilung die Teilnahme von Rechtsextremen unter anderem aus Österreich, Frankreich und Italien. Medien zufolge hatten die französische Partei Front National und die österreichische FPÖ ihre Zusagen zu einer Teilnahme angesichts von Wahlen zurückgezogen. Laut Rednerliste, die das Forum veröffentlichte, trat bei dem Forum der deutsche EU-Parlamentarier Udo Voigt von der rechtsextremen NPD auf. Auch Referenten aus Griechenland, Belgien und Schweden wurden genannt.

Das Russische Internationale Konservative Forum sehe aus wie ein „Tanz auf den Knochen“ der Opfer des Nationalsozialismus, hieß es in der Mitteilung der jüdischen Vereinigung. Die Polizei hatte bei Protesten von Antifaschisten gegen das Forum am Sonntag vier Menschen festgenommen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Und warum läßt Russland das zu?

  • @Stichler: Sie sprechen mir aus der Seele. Ich habe mir gerade auch die Frage nach dem Unterschied zwischen den Faschisten aus Kiew und den Faschisten in St. Petersburg gestellt? Freilich, ich komme zu dem Schluss, die einen sind gute Faschisten, weil sie für Putin agieren, die anderen sind böse, weil sie gegen ihn sind! Aber auch darauf gibt es hier sicherlicht gute Antworten durch die "Erklärbären Queri und Co!". Wahrscheinlich ist Udo Voigt gar kein Faschist und Opfer westlicher Propaganda. Genauso wie Ramzan Kadyrow wahrscheinlich als Sohn eines Donauschwaben geboren wurde?!!!!! Gerade im Umgang mit den guten und bösen Faschisten zeigt Putin meines Erachtens nach, dass es ihm völlig egal ist mit Wem er da operiert, Hauptsache es geht nach dem Motto; "der Feind meines Feindes ist mein Freund!". Paranoid wird es, wenn man bedenkt, dass "Voigts Truppen" die Tschetschenen, die in Deutschland Asyl suchen, als Untermenschen bezeichnen. Ich bewundere die Russlandfreunde hier bei HB für ihre Begeisterung an einen russischen Autokraten den sie als lupenreinen Demokraten servieren wollen - und das alles ohne bewusstseinswerweiternde Drogen einzunehmen!

  • Es gibt in Europa immer wieder solche Fälle die-wenn sie nicht so einen schicksalsträchtigen Hintergrund hätten-als humoristische Einlage gelten könnten.
    Wenn es nicht so ernst wäre dann wäre es geradezu grotesk-lächerlich wenn ein Faschist dem anderen Faschisten " Faschismus " vorwirft.

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