Staatliche Unterstützung
„Die USA brauchen ein soziales Netz“

Angesichts der großen Zahl von Langzeitarbeitslosen entdecken Ökonomen das deutsche Sozialsystem als Vorbild – zur Ankurbelung der Konjunktur fordern sie ein stärkeres soziales Netz.
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NEW YORK/WASHINGTON. Die Amerikaner lernen ein Phänomen kennen, das sie bislang nur in Europa verortet hatten: Langzeitarbeitslosigkeit. Weil traditionell stellenintensive Branchen wie der Automobilbau in der jüngste Rezession nahezu implodierten, sind Expertenschätzungen zufolge derzeit bis zu 30 Millionen Menschen auf der Suche nach einer Stelle. Aber im Gegensatz zu früher fast ohne Erfolgsaussichten. Die Arbeitslosigkeit frisst sich fest.

Und plötzlich wird auch in den USA der Ruf nach mehr staatlicher Unterstützung laut. "Schon aus ökonomischen Gründen brauchen die USA ein neues soziales Netz", sagte Mohamed El-Erian, Chef des weltgrößten Bondshändlers Pimco, dem Handelsblatt. Für ihn umfasst dies nicht nur Arbeitslosenhilfe, sondern auch staatlich unterstützte Umschulungsmaßnahmen. "Weil Deutschland so etwas schon lange besitzt und zuletzt Missstände in dem System beseitigt hat, ist die Wirtschaft im Moment so stark." Deutschland werde daher in nächster Zukunft noch positiv überraschen, fügte der frühere Vize-Direktor des Internationalen Währungsfonds hinzu, dessen Wort bei Politikern und Managern Gewicht hat.

Wenn das Büro für Arbeitsmarktstatistik in Washington heute die Daten für August vorlegt, wird Analystenprognosen zufolge das ganze Ausmaß des Problems erneut deutlich. Die Arbeitslosenquote dürfte erneut von 9,5 auf 9,6 Prozent gestiegen, die Zahl der Stellen um weitere 100 000 geschrumpft sein. Dabei benötigt das Land eigentlich monatlich rund 200 000 neue Arbeitsplätze, allein um das Bevölkerungswachstum zu kompensieren. Rund acht Millionen Stellen gingen durch die Finanzkrise bereits verloren.

"Bleibt das Wachstum so schwach wie im Moment, wird es wohl zehn Jahre dauern, bis wir diese Stellen wiedergewonnen haben", sagte Karla Walter vom Wirtschaftsforschungsinstitut Center for American Progress. Grund sind strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft. "Viele Firmen haben sich in der Krise verschlankt und merken nun, dass es so auch ganz gut geht", sagte Harm Bandholz, US-Chefvolkswirt der italienischen Großbank Unicredit.

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  • Dieser Artikel sollte unter unserer Regierung zwecks Kenntnisnahme zirkuliert werden.. !
    Uns dient ein Land zum Vorbild , das keinerlei sozialen SChutz fèr seine aktive bevéklkerung aufzuweisen hat, weil das als behinderung des Wirtschaftswachstums gewertet wird,und das stellt sich jetzt offensichtlich als falsch heraus. Der Gewinn wird maximiert, aber es werden keine neuen Stellen geschaffen ! Das neoliberale Wirtschaftsmodell stoesst an seine Grenzen und fèhrt sich selbst ad absurdum.

    Und was passiert hier ? Wir ruinieren unser Modell der "sozialen Martkwirtschaft", das Sparprogramm trifft nur die bedèrftigen und Schwachen, dabei wird unser Land gerade als Vorbild entdeckt, weil wir eben funktionierende Sozialversicherungssysteme haben ! DAs sollten wir uns nicht kaputt machen lassen sondern sollte sogar als humanistisches Kulturgut geférdert werden (bismarck war gar nicht so dumm..)

    Das ist nun wirklich verdrehte Welt..

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