Staatsanleihen

EZB-Direktor mit neuem Vorschlag

Das Direktoriumsmitglied der EZB rät den Griechen, ihre eigenen Staatsanleihen zu kaufen – und sich dafür Geld zu leihen. Woher der Kredit kommen soll, gab Asmussen nicht an. Von der EZB aber offenbar nicht.
Update: 13.10.2012 - 04:28 Uhr 68 Kommentare
Jörg Asmussen, Chefvolkswirt im EZB-Direktorium, rät den Griechen, ihre eigenen Staatsanleihen mit geliehenem Geld zu kaufen. Quelle: dapd

Jörg Asmussen, Chefvolkswirt im EZB-Direktorium, rät den Griechen, ihre eigenen Staatsanleihen mit geliehenem Geld zu kaufen.

(Foto: dapd)

München/BerlinIm Ringen um eine Bewältigung der Schuldenkrise in Griechenland hat EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen einen Anleihenrückkauf vorgeschlagen. Er könne sich vorstellen, dass die Regierung in Athen mit geliehenem Geld eigene Staatsanleihen auf den Finanzmärkten zurückkauft, um so die hohe Schuldenquote des Landes zu drücken, sagte Asmussen der „Süddeutschen Zeitung“.

Eine Senkung dieser Quote gilt als eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass sich Griechenland in einigen Jahren wieder über private Kapitalgeber finanzieren und ohne Hilfe der Euro-Partner auskommen kann. Auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete darüber. Demnach stieß der Vorstoß in Kreisen der Bundesregierung auf Ablehnung.

„Im Moment zeichnet sich ab, dass die griechische Staatsverschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 deutlich über jenen 120 Prozent liegen wird, die bisher angepeilt sind“, sagte Asmussen am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Tokio laut „SZ“ und ergänzte: „Daher muss man sich Elemente überlegen, um sich diesem Zielwert zu nähern. Dazu könnte ein Schuldenrückkauf gehören.“

Darüber hinaus gebe es eine Reihe weiterer Instrumente, über die man nachdenken könne. Details seines Vorschlags wollte der EZB-Direktor laut „SZ“ nicht nennen. Er verwies aber darauf, dass griechische Schuldtitel derzeit auf den Finanzmärkten weit unter ihrem Nominalwert gehandelt werden.

Würde die griechische Regierung diese Titel nun zurückkaufen, müsste sie dem Blatt zufolge - vereinfacht gesagt - für Anleihen im Nominalwert von 100 Euro nur einen Kurswert von beispielsweise 50 oder 70 Euro bezahlen. Die Schuldenquote würde spürbar sinken. Verkäufer der Anleihen könnten vor allem private Gläubiger wie Banken und Hedgefonds sein.

Asmussen sagte dem Blatt: „Ganz klar: Die EZB kann einen solchen Schuldenrückkauf nicht durchführen, das wäre Sache des griechischen Staates.“ Er betonte, dass ein Schuldenrückkauf nicht gleichbedeutend mit einem Schuldenschnitt sei.

Die privaten Gläubiger Griechenlands haben bereits auf die Rückzahlung von etwa 100 Milliarden Euro verzichtet. Weil jedoch die Wirtschaft stärker einbricht als erwartet, steigt die Schuldenquote trotzdem massiv an.

Wie Bundesregierung und Bankenverband reagierten
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68 Kommentare zu "Staatsanleihen: Asmussen schlägt Athen Schuldenrückkauf per Kredit vor"

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  • Der Wirtschaftstraftatbestand würde sich Konkursverschleppung nennen.

  • Schuldenrückkauf per Kredit ... spitze!

    Wirtschaftsstraftat (Konkursverschleppung)!

  • @wdvChr
    "Aber der Marktwert der Schulden wird sich doch erhöhen wenn...?"

    Du hast es verstanden.

  • Nein, die Idee hört sich gut. Aber der Marktwert der Schulden wird sich doch erhöhen wenn der Griechische Staat ein Angebot macht? Was passiert denn dann damit? Ich verstehe dass nicht.


  • Griechische Staatsschulden - Rückkaufprogramm der EZB stößt auf Kritik

    hier: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/griechische-staatsschulden-rueckkaufprogramm-der-ezb-stoesst-auf-kritik-11923993.html

  • Asmussen hat Recht! Was viele Skeptiker nicht wissen: Griechische Neubonds aus der Umschuldung 2012 notieren bei 20-30% des Nennwertes. Für 40%, 50% oder gar 70% würde man einen sehr großen Teil der 66 Mrd.€ Neubonds rückkaufen können mit entsprechend erheblichen positiven Effekten auf die vom IWF zu Recht geforderte Schuldentragfähigkeit. Meine GR-Anleihen wäre ich bereit zu diesem Zweck unter Pari zu verkaufen, was einen erneuten, diesmal aber freiwilligen Schuldenschnitt darstellen würde.

    Eine Kritik an der EZB: Wenn die Zentralbank am Sekundärmarkt griechische Anleihen kaufen durfte im Rahmen ihres SMP, dann kann sie diese Bestände doch auch am Sekundärmarkt wieder verkaufen. Z.B. Zum Einstandskurs an den ESM oder Griechenland. Sich hier hinter dem Verbot der Staatsfinanzierung zu verstecken, und dadurch hohe Sondergewinne einstreichen zu wollen ist scheinheilig. Die Bevorrechtigung der SMP-Anleihen der EZB beim ersten Haircut war ein Kardinalfehler, der die Kapitalmärkte sehr verunsichert hat und dringend korrigiert werden muss.

  • @Felix_Steiner & conforma
    Der Witz an der Sache ist doch, dass Griechenland die Anleihen letztlich von dem Geld kauft, dass es sich per vorausgegangenen Schuldenschnitt bei den Gläubigern erst geholt hat. Die Zinsersparnis durch den letzten Schuldenschnitt macht es GR doch erst möglich, neue Kredite für den Kauf seiner Anleihen aufzunehmen. Solche Machenschaften nennt man woanders Kreditbetrug!

  • @ G. N.
    Eine halbe Billion € ist zwar irgendwie viel Geld, aber noch lange kein Grund, einen Gläubiger einen Schuldenschnitt aufzuzwingen.

  • conforma schreibt:

    "Den Rückkauf der Anleihen bei den stark abgesackten Kursen halte ich für einen üblen Schulden-Schnitt und als eine regelrecht kriminelle Enteignung der Besitzer diese Papiere. Diese Enteignungs-Methode wird dazu führen, dass immer weniger private Leute solche Papiere Kaufen, da sie von vornherein mit Betrug rechnen müssen."

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    Der Kauf von Anleihen an den Börsen ist eine legale und legitime Maßnahme, unabhängig vom Kursniveau. Zu kritisieren ist, dass Griechenland Schulden einging, die es zum Zeitpunkt des Eingehens nicht seriös eingehen konnte, Schulden, deren ordnungsgemäße Rückzahlung zum Zeitpunkt des Eingehens nicht garantiert werden konnte. Damit steht Griechenland nicht allein - siehe u.a. USA und Japan, die ruck-zuck zahlungsunfähig wären, könnten sie fällige Verbindlichkeiten nicht durch Aufnahme neuer Schulden bezahlen.

    Es baut alles nur noch auf Luft, und was wir derzeit erleben, ist der Bau stets neuer Luftschlösser, man nennt sie Target2, EFSM, ESN und Anleihenkäufe durch die EZB.

    Bald wird es eine Welt-IWF-Bank geben, die unbegrenzt Anleihen von der FED, der EZB usw. kaufen können wird, und darüber wird dann nur noch das Weltall sein.

    In letzter Konsequenz steht stets eines dahinter: Es "bürgen" um eine oder mehrere Ecken Staatengemeinschaften, die aus Staaten bestehen, die allesamt sofort zahlungsunfähig wären, könnten sie fällige Verbindlichkeiten nicht durch Aufnahme neuer Schulden zahlen.

    Das ist Wahnsinn, Wahnsinn auf die Spitze getrieben.

  • Vorschlag: Die EU-Kommission kauft mit ihrem Haushalt von immerhin 100 Mrd. Euro jährlich die Anleihen der PIIGS zum Kurswert auf und zahlt damit die EU-Subventionen an die jeweiligen PIIGS aus - zum Nennwert. Schließlich versprechen die PIIGS-Regierungen ja regelmäßig, dass ihre stolzen Nationen jeden geliehenen Cent zurückzahlen werden - dann können sich die jeweiligen Subventionsempfänger sich ja schlecht dagegen wehren, Anleihen ihres stolzen Landes zum Nennwert zurückzubekommen.

    Die Auslandsschulden der PIIGS würden so schlagartig in Inlandsschulden verwandelt. Es muss dann nur verhindert werden, dass diese Papiere wieder auf dem Markt oder im Target-System landen.

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