Staatsanleihen
EZB sagt Ratingagenturen den Kampf an

Bislang stützt sich die EZB bei der Bewertung von Staatsanleihen als Sicherheiten auf das Urteil der Ratingagenturen. Das soll sich ändern. Dies könnte den Einfluss der Agenturen mindern, aber die Standards aufweichen.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will den Einfluss der großen amerikanischen Ratingagenturen auf ihre Entscheidungen massiv beschneiden. Wie mehrere mit den Beratungen der Notenbanker vertraute Personen bestätigten, sollen demnach die Einschätzungen der Agenturen keine Rolle mehr bei der Bewertung von Staatsanleihen spielen, die Banken bei der Zentralbank als Sicherheiten für frische Liquidität einreichen. Hier folgt die EZB bislang weitgehend dem Urteil der Bonitätswächter, etwa wenn es um so wichtige Fragen geht, ob ein Bond überhaupt akzeptiert wird und welcher Abschlag dann als Sicherheitspuffer genommen wird.

"Falls der EZB-Rat das so entscheidet, würde zum einen der vielfach kritisierte Einfluss von Standard & Poor's, Moodys und Fitch sinken", sagte eine Person aus dem Umfeld der Notenbank, die nicht namentlich genannt werden wollte. "Zum anderen könnte der kleiner werdende Pool von Sicherheiten, den Banken aus den Schuldenländern zur Verfügung haben, so wieder um einiges größer werden."

Mit einer Entscheidung sei aber erst mittelfristig zu rechnen, bestätigten darüber hinaus mehrere andere Insider am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters in Frankfurt und europäischen Hauptstädten. Die EZB wollte sich nicht äußern. In der aktuellen Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag werde lediglich debattiert, wie seitens der Notenbank Erleichterungen für die angeschlagenen spanischen Banken auf den Weg gebracht werden könnten, sagte eine mit den Beratungen vertraute Person. Ob es zu einer Entscheidung über Erleichterungen für die iberischen Institute kommen werde, sei aber noch völlig offen, sagte ein Notenbanker. Spaniens Banken müssen nach dem Platzen der heimischen Immobilienblase mit bis zu 100 Milliarden Euro rekapitalisiert werden. Das Geld will sich der spanische Staat beim europäischen Rettungsfonds EFSF beziehungsweise seinem Nachfolger ESM besorgen.

Der Schritt ist auf den ersten Blick recht technisch, aber angesichts der Probleme in Spanien und einer in der Zukunft denkbaren Ratingherabstufung Frankreichs zugleich ein politisch höchst brisantes Thema. Grundsätzlich müssen Banken bei der EZB Wertpapiere als Sicherheiten einreichen, wenn sie von ihr Liquidität haben wollen. Im Laufe der Krise wurden die Anforderungen an diese Sicherheiten immer weiter gesenkt, da sonst die Gefahr bestanden hätte, dass immer weniger Banken in der Lage gewesen wären, sich bei der Zentralbank zu refinanzieren. Vor allem die Bundesbank hatte die Aufweichung der Regeln wiederholt kritisiert und argumentiert, dass dadurch die Risiken gestiegen sind, die die Notenbanken sich in der Krise aufgeladen hätten.

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Vorgehen wäre politisch heikel

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  • "Alles klar, Italien lässt sich zwar nicht mit den USA vergleichen, aber dann vergleichen Sie's trotzdem."
    Es wurden nicht die Länder, sondern die Verschuldung gemessen am BIP, verglichen. Zumindest habe ich es so gelesen.
    Aber genau das zeigt ja die Krux, und darum gehts.
    Die Bonitätsbeurteilungen sind undurchsichtig, und mit der EU eben nicht zu vergleichen. Denn die EU steht gerade insgesamt besser da als die USA, also müßten die USA jetzt mal eine Stufe runter.
    Es wird Zeit das ein Europa sich in die Lage versetzt, seine Bonitäten so festzulegen, wie es die USA für sich selbst auch tun können. Was nicht bedeuten soll, das die Kriterien weicher werden. Das wäre aber auch nicht der Sinn der Übung, hoffentlich. Wenn schon transparenter und strenger. Struktur (die Fähigkeit Steuern einzuziehen und andere wichtige Dinge) wäre meiner Meinung nach, auch ein Kriterium für Bonitäten.
    Die Verschuldung muß trotzdem runter gefahren werden, aber zu Bedingungen, die nicht andere bestimmen, sondern Europa selbst.

  • Immer die selben linken Parolen ... Das was wir im Moment erleben, ist keine Krise, die durch Derivate oder "Großindustrie" ausgelöst wurde.
    Es haben schlicht und ergreifend nahezu alle Länder dieser Welt - Deutschland eingeschlossen - über ihre Verhältnisse gelebt. Und dafür wird jetzt halt die Rechnung gezahlt.
    Es immer auf den Kapitalismus zu schieben ist schön einfach ...
    Nicht dass Banken und Co. nicht eine gewisse Mitschuld tragen - aber viele Menschen machen es sich zu leicht.
    Mal über den Tellerrand hinausschauen wäre angebracht, anstatt die Argumente, die die Politik vorschiebt nachzuplappern.

  • Alles klar, Italien lässt sich zwar nicht mit den USA vergleichen, aber dann vergleichen Sie's trotzdem. Und da alles in Italien so klasse ist, kann's ja endlich alle die Zahlungsverpflichtungen Deutschlands übernehmen, nachdem das hochverschuldete Deutschland die ganze Zeit geblecht hat, und aufhören rumzujammern und nach dem Rettungsschirm zu schulen, um unter ihm allen Zahlungsverpflichtungen zu entkommen.
    Europa muss und wird nicht zusammenstehen, und Deutschland kann aus diesem Irrenhaus auch austreten. Vielleicht führen wir dann endlich wieder saubere Bilanzierungsregeln ein und kehren zurück zum Einhalten von Verträgen.

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