Staatsanleihen

Heftiger Streit über Euro-Bonds neu entflammt

Angesichts der Euro-Krise ist die Diskussion über eine gemeinsame Staatsanleihe des Euro-Raums wieder neu entflammt. Für die einen sind sie die einzige Rettung aus dem Schuldenstrudel, für andere das Ende der Stabilität.
Update: 13.08.2011 - 16:53 Uhr 111 Kommentare
EZB-Zentrale in Frankfurt am Main. Über das Für und Wider gemeinsamer Euro-Bonds wird heftig gestritten. Quelle: Reuters

EZB-Zentrale in Frankfurt am Main. Über das Für und Wider gemeinsamer Euro-Bonds wird heftig gestritten.

(Foto: Reuters)

Berlin/RomDie Diskussion über gemeinsame europäische Staatsanleihen flammt angesichts der Wirtschaftsturbulenzen auf. Grünen-Chef Cem Özdemir forderte die Einführung sogenannter begrenzter Eurobonds: Diese seien „allemal günstiger als gigantische Rettungsschirme“, sagte Özdemir der „Rheinischen Post“. Dem zu erwartenden Zinsanstieg bei Staatsanleihen könne man entgegenwirken, „indem nur Anleihen bis 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts über Eurobonds laufen dürfen“, schlug er vor. Weitere Schulden müsse jeder Staat selbst verantworten.

Dagegen sprach FDP-Europapolitiker Alexander Graf Lambsdorff von einem „Instrument, um Verschuldung zu organisieren“. „Worauf es ankommt, ist: Sparen, Konsolidieren und glaubwürdige Programme der Regierungen in den Ländern, wo es darum geht, die Staatsfinanzen zu ordnen. Das muss jetzt kommen, und keine Eurobonds“, sagte er im RBB-Inforadio.

Bisher gibt es im Eurogebiet keine gemeinsame Schuldenpolitik - jeder Staat gibt eigene Anleihen heraus. Mit Eurobonds würde die Schuldenaufnahme - zumindest zum Teil - auf den ganzen Raum verteilt. Der Zinssatz wäre dann für alle Staaten gleich. Die Euro-Krisenländer kämen zu günstigeren Konditionen an Geld, für Euro-Länder mit starker Wirtschaftsleistung wie Deutschland würde die Kreditaufnahme deutlich teurer. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist deshalb entschieden gegen Eurobonds, EU-Währungskommissar Olli Rehn dafür.

DWS spricht sich für Euro-Bonds aus
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111 Kommentare zu "Staatsanleihen: Heftiger Streit über Euro-Bonds neu entflammt"

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  • Der Leser vertraut offenbar auf eine institutionelle Lösung: den Schuldnerländern wird auf die Finger geguckt. Von wem? Mit welchen Konsequenzen? Dass die Griechen betrügenl, wußte Brüssel von Anfang an, und hat sich köstlich amüsiert. In Deutschland führen wir die Schuldenbremse ein, und NRW versucht stattdessen, in Windeseile einen Riesenberg neuer Schulden aufzu-häufen, ohne dass irgendjemand etwas dagegen tun kann.

  • Ein Problem ist die Erpreßbarkeit: In dem Beispiel, wenn Italien die Aufhebung der 60%-Grenze fordert und damit droht, ansonsten einfach seinen Anteil an der Bedienung der Eurobonds auszusetzen. Genau das ist übrigens beim 2. dauerhaften Rettungsschirm ESM vorgesehen! Ich persönlich bin dafür, daß jedes Land seine eigene Währung hat und souverän ist, und notfalls für einen Nord- und einen Süd-Euro.

  • Verfassungsfeindliche Sabotage gem. § 88 StGB

    Sämtliche Tatbestandsmerkmale sind erfüllt. Wann beenden Gerichte und Staatsanwaltschaften den Ausverkauf Deutschlands und sperren diese Volksverräter endlich ein? Straftäter und Räuber werden bei uns doch noch verhaftet? Genießt eine Bundesregierung, welche ihr Volk verramscht Narrenfreiheit, sprich Immunitätsschutz?

    Bin ja mal gespannt, was unsere Bundesangela morgen zu ihrem Busenfreund Sarkozie sagt, weil der hat sie ja fürchterlich angelogen und hinters Licht geführt, was den jämmerlichen Istzustand der französichen Banken anbelangt. Das wäre dann Europleiteland Nummer sechs, nach Griechenland, Irland, Portugal, Belgien, Italien, Spanien nun auch Frankreich. Hinter vorgehaltener Hand wird im politischen Milieu schon davon gemunkelt, dass Deutschland bereits Dreiviertel, d.s. 75%, der Euroschulden berappen muss. Die Zukunft wird es weisen: Deutschland gleich Europa, doch nur was die Schulden anbelangt. Das Sagen haben andere!

    Auch wenn Schäuble jetzt noch gegen die Eurobonds ist, glaube ich ihm nicht. Er wird umfallen, so sicher wie das Amen in der Kirche! Wer einmal lügt dem glaubt man eben nicht mehr! Weiß der eigentlich morgen schon noch, was er heute gesagt hat, weil in Geldangelegenheiten ist er doch sehr vergesslich, und wenn dann noch der Herr Alzheimer zu Besuch kommt gehen die Lichter vollständig aus.

  • Na dann ist ja endlich die Mär vorbei, dass Bürgschaften noch keine Schulden bedeuten. Nun steigen endlich die Zinsen in Deutschland für Staats - ich meine Euroanleihen. Das Gute ist, dass vermutlich als Gegenleistung die EZB die Anleihen notfalls kaufen wird, um die Zinsen doch möglichst niedrig zu halten - USA lässt grüßen.

    Damit wird die Inflation weiterangeheizt- ein weiterer Schritt Richtung Hyperinlfation.

    Warum kauft eigentlich Griechenland von dem gebürgten Geld Gold zu angeblichz total überteuerten Preisen. Tja, was weiss Griechenland, was der Durchschnittbürger nicht weiß ;-)

    Bei diesen Preisen müssten gemäß Mainstreampropaganda alle Staaten die hohen Preise schnell zum Ausstieg aus Gold nutzen. Warum tun sie das Gegnteil...??

  • Dass aus dem Länderfinanzausgleich keiner lernt, finde ich erschreckend...
    "Die Geschicht lehrt täglich, gleichwohl findet sie keine Schüler."

  • @ KeepCool,

    Wieso das denn?

    In Deutschland klappt das schon seit Jahrzehnten über den sog. Länderfinanzausgleich, dass Bayern, Baden-Württemberg und Hessen die anderen Habenichtse alle mit durchfüttern.

    Persönlich wäre ich auch dafür, dass diese 3 Länder aus der Bundesrepublik Deutschland austreten, und sich mit der Schweiz zusammenschließen, um danach den Alpen-Euro einzuführen.

    Aber das sind eben nur Tagträumereien.

  • Herzlichen Gruß, Herr Pro_Eurobonds,

    nachdem Ihnen nun die sachlichen Diskussionsbeiträge ausgegangen sind, wenden Sie sich nun Beleidigungen zu. Damit ist die Diskussion für mich beendet.

    Ich habe gar keinen Grund ins Persönliche abzugleiten. Die Problematik um unsere Währung geht uns alle an. Dabei geht es weder um gute Deutsche, noch um arme Griechen. Es geht schlicht und einfach um Vernunft; und zwar unsere und die der Griechen.

    Wer glaubt, dass man den Griechen längerfristig mit dem Euro und Transferzahlungen einen Gefallen tut, irrt. Griechenland muss wirtschaftlich wieder konkurrenzfähig werden (möglicherweise mit Hilfe eines Marshall-Plans und mit einer ihnen angemessenen Geldpolitik). Griechenland muss dabei eigenverantwortlich handeln. Mit falschen Anreizen tut man ihnen nur kurzfristig einen Gefallen.

  • @ KeepCool

    VWL wohl in der DDR studiert?! In Deutschland gehört zum VWL-Studium Außenhandels/Wirtschaftstheorie, der Klassiker von “Rose“ ist hier Pflichtlektüre an jeder guten Uni.

    Wäre Ihnen das bekannt, würden Sie nicht einen solchen Unsinn schreiben. Jedenfalls sollte man als studierter Volkswirt erkennen, dass das gesamte Gerede um Eurobonds nur der Stammtischbefriedung und Stimmungsmache dient.

    Es kann auf Dauer nicht funktionieren, dass Deutschland Billionenüberschüsse im Außenhandel einfährt (insbesondere in den letzten 10 Jahren seit Einführung des Euro), auf Kosten anderer Länder.

    Genau hier liegt das Problem, nicht im angeblichen Missmanagement von Griechen, Portugiesen, etc. (das gibt es zwar unbestritten, ist aber nicht die Ursache des Übels).

    Wer als Wirtschaftswissenschaftler die Lächerlichkeit der Diskussion um Peanuts-Eurobond-Mehrkosten für Deutschland nicht erkennt, bei dem war das Studium leider umsonst.

  • "Wer reitet da durch Chaos, Krise und Wind?
    Das ist Robbying Merkel und Co
    Sie werden kommen, so oder so
    da sie die Euroretter sind!
    sie nehmen es den Armen und verteilen es unter den Reichen.
    "Alternativlos ohne jegliches Erbarmen
    werden sie dein letztes Geld einstreichen."

    Ein Hoch auf Robbying Merkel, die Retterin der Verderbten"

  • @Absolut_Pro_Eurobonds:

    Wünschen Sie eine Bestrafung Deutschlands dafür, dass es qualitativ hochwertige Produkte zu vernünftigen Preisen Auf dem Weltmarkt anbietet? Gerne sollen die Länder mit einer negativen Handelsbilanz nicht die deutschen Güter kaufen. (Nur wer will auf das gute deutsche Auto verzichten?)

    Zu Ihrer Relation 100 € Haben und die Frau macht 2 € Schulden, also ein Verhältnis 50:1. Ich habe mir eben die deutsche Handelsbilanz angeschaut. Es geht dabei um Größenordnungen des jährlichen Überschusses von 120-200 Mrd. Euro.

    Gerne bin ich bereit, jährlich 1/50 der 200 Milliarden € = 4 Milliarden € für die Stabilität des Euros zu opfern. Ich wäre sogar bereit, jährlich 20 Mrd. Euro zu geben. Leider ist das nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

    Nur wird das längerfristig nicht ausreichen. Schauen Sie nur die Größenordnungen der Rettungsschirme an. Und die will man ja gerade mal wieder vergrößern. Noch sind es Bürgschaften...

    Ceterum censeo: Deutschland raus aus dem Euro.

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