Staatsanleihen
Peking bangt um US-Anlagen

China befürchtet offenbar, dass seine US-Staatsanleihen an Wert verlieren könnten. Jetzt spricht Regierungschef Wen Jiabao ungewohnt offen über chinesische Investitionen in den Staaten - und verlangt Sicherheit für sein Geld. Obama reagiert mit verbalen Garantien.

PEKING/WASHINGTON. Zwei Drittel seiner Devisenreserven hat China in Staatsschulden der USA investiert - und das muss auch so bleiben, wenn die US-Wirtschaft nicht kollabieren soll. Daher reagiert Washington auf jeden Zweifel am Kreditstanding der größten Volkswirtschaft der Welt höchst sensibel. "Nicht nur China, sondern jeder Investor kann absolutes Vertrauen in die Stabilität der Kapitalanlagen in den USA haben", sagte Präsident Barack Obama am Wochenende. Die Tatsache, dass das Kapital nach wie vor in die USA fließe, belege, das Amerikas wirtschaftliches und politisches System nach wie vor als gesund eingeschätzt werde.

Obama reagierte auf ungewohnt offenen Worte aus Peking. Zwar hatte es wiederholt Spekulationen gegeben, Peking könne einen Teil seiner Gelder aus den USA abziehen. Doch am Freitag sprach Premier Wen Jiabao das Thema selbst an: "Ich fordere die USA auf, ihre Kreditwürdigkeit zu bewahren und die Sicherheit der chinesischen Anlagen zu garantieren", sagte er. "Um ehrlich zu sein, ich bin etwas beunruhigt." China wolle Risiken abwehren, wenn es seine Devisenreserven in Höhe von 1,95 Bill. Dollar diversifiziere, und werde seine Interessen wahren, sagte Wen bei einer Pressekonferenz zum Abschluss des Volkskongresses.

Zwar rechnet auch Peking nicht mit einem Staatsbankrott der USA - doch die hohe US-Verschuldung und die niedrigen Zinssätze ließen nun den Wert der chinesischen Anlagen sinken, beklagte Wen. Laut US-Finanzministerium hatte Peking 2008 seinen Bestand an US-Staatsanleihen um 46 Prozent auf 696 Mrd. Dollar aufgestockt (siehe Grafik). In den ersten Monaten dieses Jahres machten Investoren in US-Treasuries jedoch Verluste. Rechnet man in Yuan, verloren sie seit Jahresbeginn 2,7 Prozent, geht aus dem U.S. Treasury Master Index von Merrill Lynch & Co. hervor.

"China macht sich Sorgen, dass die USA versuchen könnten, ihre Probleme lösen, indem sie die Notenpresse anwerfen, was die Inflation anheizen würde", zitiert Bloomberg Zhao Qingming, Analyst der China Construction Bank Corp. "Wenn die USA sicherstellen können, dass das nicht passiert, wird China weiterhin investieren." Offen ist allerdings, ob Peking in Zukunft für frische Anlagen Geld haben wird. Bislang hatte China im Handel mit den USA einen gewaltigen Überschuss erwirtschaftet - und dieses Geld vor allem in Staatsanleihen angelegt. Doch auch Chinas Einfuhren leiden massiv unter der globalen Rezession.

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