Staatsanleihenkäufe der EZB
Mitarbeiter werfen Trichet Mandatsüberdehnung vor

Noch-EZB-Chef Trichet schneidet in einer Mitarbeiterumfrage nicht in allen Punkten gut ab. So hätte seine Arbeit offenbar transparenter sein müssen. Außerdem habe Trichet das Mandat der EZB überdehnt.
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Frankfurt/BerlinTrotz seines hohen fachlichen Ansehens ist die Bilanz des scheidenden EZB-Chefs Jean-Claude Trichet im Urteil seiner Mitarbeiter getrübt. 55 Prozent der Befragten gaben in einer am Montag veröffentlichten Umfrage der Gewerkschaft Ipso an, Trichet habe mit dem Programm zum Ankauf von Staatsanleihen der Euro-Problemländer das Mandat der Europäischen Zentralbank (EZB) überdehnt, das stabile Preise sichern soll.

Allerdings erklärte mehr als die Hälfte der EZB-Mitarbeiter, die diese Sicht teilten, dass die Entscheidung angesichts der außergewöhnlichen Umstände richtig gewesen sei.

Nach Ispo-Angaben sind mehr als 40 Prozent des EZB-Personals bei der Gewerkschaft organisiert. An der Umfrage nahmen weniger als die Hälfte der 1200 Beschäftigten der Zentralbank teil. Die EZB hatte im Mai 2010 mit dem Ankauf von Staatsanleihen begonnen und das Programm im Sommer 2011 nach mehrmonatiger Pause forciert, nachdem die Euro-Schwergewichte Italien und Spanien ins Visier der Märkte geraten waren.

Die EZB begründet die Käufe mit einer Stabilisierung der für die Umsetzung ihrer Geldpolitik wichtigen Kapitalmärkte. De facto drückt sie damit aber die Zinslast der klammen Staaten. Die EZB bewegt sich somit nach Auffassung von Kritikern in einer Grauzone zwischen Fiskal- und Geldpolitik.

Anfang November übernimmt der Italiener Mario Draghi den EZB-Chefposten von Trichet, der nach acht Jahren aus dem Amt scheidet. Fachlich attestieren Trichet knapp drei Viertel des EZB-Personals hohe Kompetenz. 60 Prozent bescheinigen ihm hohe Effizienz und Integrität. Allerdings geben ihm mehr als die Hälfte der Befragten in Sachen Transparenz nur durchschnittliche oder gar schlechte Noten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Staatsanleihenkäufe der EZB: Mitarbeiter werfen Trichet Mandatsüberdehnung vor"

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  • Zitat:
    Die EZB begründet die Käufe mit einer Stabilisierung der für die Umsetzung ihrer Geldpolitik wichtigen Kapitalmärkte. De facto drückt sie damit aber die Zinslast der klammen Staaten. Die EZB bewegt sich somit nach Auffassung von Kritikern in einer Grauzone zwischen Fiskal- und Geldpolitik.
    Zitat Ende:

    Eine schöne Umschreibung für die Vernichtung von Steuergeldern.
    Aber das Ziel war und ist ja, den Club Med zu finanzieren, damit die ihr Dolce Vita auf unsere kosten weiterführen können.

    Zitat:
    Anfang November übernimmt der Italiener Mario Draghi den EZB-Chefposten von Trichet, der nach acht Jahren aus dem Amt scheidet.
    Zitat Ende:

    Der "Wahlgrieche" geht, der Mafioso von Goldman Sachchs kommt.
    So etwas nennt man einen "nahtlosen Übergang".

  • Trichet ist zwar Franzose, aber er könnte auch Grieche sein.
    Vielleicht erhält er ja die Ehrenbürgerschaft?

    Er hat sich um die EZB verdient gemacht! Er hat aus ihr Europas größte Bad-Bank gemacht!
    Hatte die EZB vorher nur für 15-17Mdr€ Schrottanleihen in den Büchern, so sind es jetzt ca. 360Mrd€. Das ist schon eine Leistung.

  • Liebe Kollegen bei der EZB, natürlich hat die Mafia in der EZB Recht und Gesetz verletzt. Sonst kann sie ja auch nix. Was wäre denn passiert wenn Italien 10% Zinsen hätte bezahlen müssen. Nix. Denn der Spardruck wäre dann wirklich umgesetzt worden und zwar anständig. So haben sich die Italiener ins Fäustchen gelacht über die dummen Deutschen in der EZB. Das ist Europa heute, aber es ist nicht mein Europa. Soviel kann man gar nicht arbeiten um die Asozialen und Schmarotzer auszuhalten. Und für die wirklich (anständigen) Bedürftigen ist kein Geld mehr da. Was für ein Hohn.

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