
MünchenDer europäische Sachverständigenrat EEAG befürchtet eine drohende Pleite Griechenlands. Das hoch verschuldete Land könnte spätestens 2013 neue Rettungshilfen brauchen, warne die Gruppe von Ökonomen um den Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn in ihrem Bericht, der der "Süddeutschen Zeitung" vorliegt.
Der eingeschlagene Sparkurs in Griechenland reiche nicht aus, heiße es. Die Krise des Landes werde noch immer unterschätzt, so die Forscher. Griechenland werde nach Auslaufen des Rettungspakts wohl nicht in der Lage sein, sich über den Markt zu refinanzieren. Die griechische Regierung hatte bislang stets betont, sie werde "jeden Cent zurückzahlen" und spätestens 2014 damit beginnen, den Schuldenberg abzutragen.
Doch laut Sachverständigenrat reichten die Einschnitte noch immer nicht aus. Das Gremium empfehle als Option gar den Ausschluss des Landes aus der Euro-Zone. Wolle die EU ihr Rettungspaket nicht mit jahrelangen Transfers ausdehnen, blieben neben einem Schulden-Moratorium nur zwei Lösungen: Die Rückkehr des Landes zur alten Währung Drachme oder eine beispiellose Radikalkur, die auch niedrigere Löhne auf breiter Front einschließe.
Das ist doch keine überraschende Erkenntnis. Dass Griechenland ökonomisch nicht in der Lage sein wird, die über lange Jahre aufgehäuften Schulden vollständig und ohne Abschläge zurückzuzahlen, dürfte eigentlich klar sein. Aber dabei dürfte es nicht bleiben: Irland ist in einer ähnlich schwierigen Lage und dürfte nun nach den Wahlen sein Rettungsprogramm nachverhandeln. Die Euro-Schuldenkrise ist nicht gelöst; bislang ist nur Zeit gewonnen.
Guter knapper Beitrag des HB im Gegensatz zu einigen anderen, von dem man meinen könnte, der Verfasser würde nach Anzahl der Wörter vergütet (zB „ein rotes Trikot für Axel Weber“). Es ist lobenswert dass EEAG diese Erkenntnisse veröffentlicht – gottseidank gibt es noch Ökomomen mit dem Format von Herrn Prof Sinn -- sie waren aber den beteiligten Kreisen vermutlich bereits längst vorm ersten GR-Bailout im Mai 2010 bekannt. Unerwähnt bleibt das Ausmass der inflationären Aufkäufe von PIIGs-Anleihen durch von M. Tricheur an der EZB- woher haben sich Portugal und Irland seit Januar sonst weiter finanzieren können? – und dass dieses Weimarer Rezept zu unterlassen sei. Die einlullenden Bemerkungen „Portugal erklärte indessen, seine Staatsschulden am Kapitalmarkt refinanzieren zu wollen“ klingen allzu bekannt – das waren die Sprüche von Griechenland und Irland in den paar Tagen unmittelbar vor der Insolvenz. Woher soll Japan EU-Anleihen aufkaufen ausser durch Drucken von Yen?
Den Sparkurs weiter verschärfen oder Ausschluss aus der Euro-Zone - das also schlägt der Rat EEAG also vor. Soll das die Lösung für Europa sein?
Noch unverblümter kann man nicht klar machen, dass man gar keine Lösung für die Euro-Zone als Ganzes im Sinn hat oder schlicht keine weiß! Letzteres wäre ein wirtschaftswissenschaftliches Armutszeugnis.
Zudem zeigt die Empfehlung des Sachverständigenrats EEAG einmal mehr, dass liberale Ökonomen ihr Gedankengut bis heute, knapp 80 Jahre nach dem Scheitern der Austeritätspolitik Heinrich Brünings in der Weimarer Republik, nicht weiter entwickelt haben.
Da wird Austeritätspolitik oder alternativ Währungsausstieg so lange als Lösung angepriesen, bis die EU der Geschichte angehört, weil es keine Lösungen entwickelt wurden, die ihren Fortbestand hätten sichern können.
Großartige Leistung, liebe Sachverständige!
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