Staatsbankrott
Österreich schießt scharf gegen Krugman

Der amerikanischer Star-Ökonomen Paul Krugman hat vor einem Staatsbankrott der Alpenrepublik gewarnt - und damit in Österreich einen gewaltigen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Die Äußerungen des Nobelpreisträgers seien absolut absurd, so die einhellige Meinung aus Wirtschaft und Politik.

WIEN. Paul Krugman, bekannter US-Wirtschaftsnobelpreisträger, hat sich den Zorn der Österreicher zugezogen. "Island und Irland geht es ziemlich schlecht, Österreich könnte sich dieser Liga als drittes Land anschließen", hatte der Wissen-schaftler zu Wochenbeginn in New York vor Journalisten gesagt. Auslöser dafür sei das starke Engagement der österreichischen Banken in Osteuropa. Und wenn es ganz schlecht komme, drohe am Ende vielleicht sogar der Staatsbankrott.

In Relation zu seiner Wirtschaftskraft ist Österreich das Land in Europa, das die meisten Kredite in der Region Osteuropa vergeben hat. Mehr als 200 Mrd. Euro an ausgegebenen Krediten stehen für mehr als 50 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Wegen der sich verschärfenden Wirtschaftskrise in Osteuropa droht den österreichischen Banken ein massiver Kreditausfall. Krugman hatte die Besorgnis geäußert, dass auch der österreichische Staat an die Grenzen seiner Belastbarkeit geraten würde, müsste er seinen Banken in der Not helfen.

In Österreich lösten die Äußerungen des Nobelpreisträgers einen Sturm der Entrüstung aus. "Absolut absurd", nannte Österreichs Finanzminister und Vizekanzler Josef Pröll die Behauptungen des amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers. Auch der österreichische Notenbank-Chef Ewald Nowotny reagierte sofort auf die umstrittenen Äußerungen aus den USA. "Die Bonität des Staates und der österreichischen Banken stehen außer Zweifel", sagte Nowotny, der auch Mitglied des Europäischen Zentralbankrates ist.

Erst kürzlich hätten die Rating-Agenturen Fitch und Moody´s das Triple-A-Rating für Österreich bestätigt. Nowotny wies darauf hin, dass Osteuropa differenzierter betrachtet werden müsse als dies in den USA zuweilen der Fall sei. Zwei Drittel des Engagements österreichischer Banken in der Region sei in Staaten der Europäischen Union. "Es existiert kein Risiko, das nicht mit den bereits getroffenen Maßnahmen verkraftbar wäre", sagte der Wiener Notenbank-Chef. Krugman hat am Donnerstag ein Einsehen mit den gebeutelten Österreichern gehabt und seine Äußerungen vom Wochenbeginn entschärft. Er habe in Beantwortung einer Frage zum Ost-Engagement der österreichischen Banken doch nur das gesagt, was ohnehin jeder wisse, meinte der Star-Ökonom in seinem Blog für die "New York Times". Österreichs Kreditvergabe in Osteuropa sei deutlich höher als das anderer Staaten und deshalb seien auch die Risken höher.

Das heiße aber nicht, dass Österreich deshalb dem Untergang geweiht sei, meinte Krugman. Die Alpenrepublik sei bei Weitem nicht so hoch verschuldet wie Island oder Irland. Allerdings könnte ein Bankenrettungspaket von Nöten sein, das die Ressourcen des Landes in hohem Maß beanspruche. Deshalb habe er bei seinem Auftritt am Montag gemeint, dass Österreich, nach den beiden Staaten Island und Irland, unter den entwickelten Staaten möglicherweise jenes Land sei, dem aus der Finanzkrise die höchsten Risiken erwachsen könnten. Und das sei keinesfalls kontrovers gemeint gewesen, schloss Krugman in seiner Reaktion auf die Aufregung in Österreich.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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