Staatsbesuch: Bundespräsident Köhler umwirbt Indien

Staatsbesuch
Bundespräsident Köhler umwirbt Indien

Seit heute ist Bundespräsident Horst Köhler auf Staatsbesuch in Indien um das Land zu einer Zusammenarbeit mit Deutschland zu animieren. Hintergrund ist der zunehmende Einfluss Asiens auf die Weltpolitik.
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NEU-DELHI. Indiens wachsende Bedeutung als globale Führungsmacht und die Zusammenarbeit mit Deutschland bei Themen von Klimaschutz bis Finanzmarktregulierung stehen im Mittelpunkt des heute Abend beginnenden Staatsbesuchs von Bundespräsident Horst Köhler. In seinen Gesprächen mit der politischen Spitze in Neu Delhi wolle Köhler ausloten, welche Rolle Indien in einer sich neu formierenden Weltordnung einzunehmen gedenke, hieß es aus der Umgebung des Bundespräsidenten.

Köhler trifft auf seinem sechstägigen Indien-Besuch unter anderem Premierminister Manmohan Singh und die Vorsitzende der regierenden Kongresspartei und mächtigste Politikerin des Landes Sonia Gandhi. Danach reist er weiter nach Südkorea, das dieses Jahr den G20-Vorsitz einnimmt.

Das Leitthema von Köhlers Reise zeigt das zunehmende Gewicht Asiens in der Weltpolitik und die Sorge in Deutschland und der EU vor einem Einflussverlust. Sichtbar wurde die neue Balance zuletzt auf dem Klimagipfel in Kopenhagen, als die USA und China ohne die Europäer den rettenden Kompromiss aushandelten. Indien, Brasilien und Südafrika dagegen waren auf Drängen Chinas an den entscheidenden Gesprächen beteiligt.

Köhler wolle Indien für das Konzept einer kooperativen Weltordnung und eine engere Partnerschaft mit Deutschland gewinnen, hieß es aus dessen Umgebung. Bisher hat Indien in globalen Führungsgremien wie G20, dem Forum Finanzmarktstabilität oder den Welthandelsgesprächen kaum eigene Ideen eingebracht. Gleichzeitig pocht Neu Delhi aber auf einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat und mehr Mitsprache in IWF und Weltbank.

Indien und die anderen Wirtschaftsmächte Asiens dürften sich nicht länger wie Trittbrettfahrer verhalten, mahnt Kishore Mahbubani, Politikwissenschaftler an der Nationaluniversität Singapurs. Sie müssten mehr Verantwortung übernehmen und klar machen, für welche politischen Konzepte sie stehen.

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