Staatsbesuch
Die Kunst, den Drachen zu reiten

Chinas Präsident Hu Jintao trifft am heutigen Donnerstag in Washington auf US-Präsident George W. Busch. Die Reihe der kontroversen Themen ist lang.

PEKING/NEW YORK. Symbole spielen in der chinesischen Kultur bekanntlich eine große Rolle. So ist es kein Zufall, dass Chinas Staatschef Hu Jintao bei seinem Besuch in den USA zunächst bei den beiden Großkonzernen Microsoft und Boeing Station gemacht hat. Damit signalisiert der Gast aus dem Reich der Mitte, dass die wirtschaftlichen Bande nach Amerika für ihn Priorität haben. Unterstrichen wird das noch dadurch, das China im Vorfeld des Besuchs Aufträge im Wert von rund 16 Mrd. Dollar an US-Firmen vergeben hat.

Hus ungewöhnliche Reisepläne werden allerdings nicht verhindern, dass sich der Chinese heute in Washington unbequemen Fragen stellen muss. Sind doch gerade die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder in der US-Hauptstadt zu einem heiklen Politikum geworden. Von Produktpiraterie über dunkle Energiegeschäfte bis hin zu Währungsmanipulationen reicht die lange Liste der Vorwürfe gegen China. Unfaire Handelspraktiken der Chinesen sind nach Meinung der Amerikaner Schuld an dem gigantischen Handelsdefizit zwischen beiden Ländern von zuletzt mehr als 200 Mrd. Dollar. Im Kongress kursieren bereits mehrere Gesetzentwürfe, die harte Sanktionen gegen China beinhalten.

US-Präsident George W. Bush wird deshalb seinen Gast drängen, die Regeln des Fair Play im Welthandel einzuhalten. Wenn China den Status einer kommenden wirtschaftlichen Supermacht beanspruche, so heißt es in Washington, müsse das Land seinem bisherigen Merkantilismus abschwören. China müsse ein „verantwortlicher Interessenvertreter“ (stakeholder) des internationalen Handelssystems werden, sagte Robert Zoellick, Staatssekretär im US-Außenministerium.

Bush hat allerdings nur begrenzten Spielraum, diesen Wunsch auch durchzusetzen. „Die Volkswirtschaften Amerikas und Chinas sind zu eng miteinander verknüpft“, sagt Jeffrey Bader, China-Experte beim Brookings Institut in Washington. Jede Strafmaßnahme gegen Peking würde unweigerlich auch Firmen, Arbeitsplätze und Konsumenten in den USA treffen.

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