Staatsbesuch
Merkel und Wen wollen Angst vor China dämpfen

Eine steigende Zahl von Übernahmen in Europa weckt die Angst vor einem Ausverkauf nach Fernost – doch die Regierungschefs versichern: alles halb so wild. Das Selbstbewusstsein der deutschen Wirtschaft sei groß.
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GuangzhouVor nur einer Woche hatte der chinesische Baumaschinenkonzern Sany das deutsche Traditionsunternehmen Putzmeister geschluckt – für 250 Millionen Euro, wie Sany-Chef Sany Liang Wengen in Anwesenheit von Kanzlerin Angela Merkel in Guangzhou ausgeplaudert hat. Doch angesichts steigender Shopping-Lust der chinesischen Wirtschaft sahen sich nun sowohl Chinas Premier Wen Jiabao als auch Merkel in der Pflicht, die Angst der Deutschen vor China zu dämpfen.

Im Gespräch mit Wirtschaftsvertretern beider Länder sagte Wen am Freitagnachmittag: „China will und kann Europa nicht aufkaufen. Es beseht kein wie auch immer gearteter Grund zur Sorge.“ Statt dessen wolle sein Land mit Deutschland zusammenarbeiten, um die laufenden Krisen schnell zu überwinden.

Merkel gab ihrem chinesischen Kollegen Recht. Wer Angst vor chinesischen Firmen habe, sei nicht gut über die tatsächlichen Verhältnisse informiert, sagte die Kanzlerin sinngemäß.

Tatsächlich sind die Fallzahlen noch äußerst gering. China kauft sich weltweit eher in Rohstoffvorkommen oder in andere schnell wachsende Schwellenländer ein. Und wo die Übernahmen in Deutschland gescheitert sind, haben die Chinesen meist ohnehin einen Pleitekandidaten übernommen, der schwer zu sanieren gewesen wäre. Experten bewerten die Übernahme von Putzmeister durch Sany  im Kontrast dazu im Wesentlichen positiv.

Merkel  betonte, dass deutsche Firmen wettbwerbsfähig genug seien, um weitere Konkurrenten verkraften zu können. „Diejenigen Unternehmen in Europa, die selbstbewusst sind, haben keine Angst davor, dass andere dazu kommen“, sagte sie bei der Unterredung mit der Wirtschaft.

Zugleich hat der Standort Deutschland Lob von der chinesischen Industrie geernet. Die Chefs der Unternehmen Sany und Lenovo, die durch die Übernahmen von Putzmeister beziehungsweise Medion hervorgetreten sind, lobten die unbürokratische Abwicklung dieser Geschäfte. „Die deutsche Bundesregierung arbeitet hocheffektiv“, lobte Liang die Verwaltung unter der Kanzlerin. „Das gefällt mir, Frau Merkel!“, setzte er hinzu.

Lenovo-Chef Yang Yuanqing setzte hinzu, dass China umgekehrt ein wichtiger Absatzmarkt für deutsche Unternehmen sei. "Wir werden der größte Konsummarkt der Welt werden", kündigte er an.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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