Staatsbesuch
Obama besiegelt Partnerschaft mit Saudi-Arabien

Zum Auftakt seiner Nahostreise hat US-Präsident Barack Obama die umstrittene Partnerschaft mit dem autoritär regierten Öl-Lieferland Saudi-Arabien bekräftigt.

WASHINGTON. "Wir sind nicht nur wirtschaftliche, sondern auch strategische Partner", sagte Obama nach dem ersten Treffen mit dem saudischen König Abdullah. Er wolle in allen regionalen Fragen den Rat des Herrschers einholen, den er für seine "Weisheit und Zuvorkommenheit" lobte.

Damit erwies Obama einer Schlüsselfigur im Nahen und Mittleren Osten seine Referenz; er benötigt den Herrscher als Partner zur Lösung der vielen Konflikte in der Region. Den weltgrößten Öl-Verbraucher und den weltgrößten Öl-Produzenten verbindet seit fast 60 Jahren eine Politik, bei der das US-Militär das Königreich schützt, während Saudi-Arabien die Energieversorgung garantiert. Allerdings verfolgt die Regierung in Riad Obamas Pläne mit Sorge, stärker auf erneuerbare Energien zu setzen.

Politisch hat Abdullahs Haltung vor allem gegenüber Israel Signalwirkung. Eine positive Geste des Herrschers gegenüber Jerusalem steht deshalb ganz oben auf dem Wunschzettel des US-Präsidenten. Obama warnte aber vor zu hohen Erwartungen an seine Reise: "Eine Rede allein wird nicht alle Probleme im Mittleren Osten lösen", sagte er in einem Interview mit einem französischen Fernsehsender. Parallel strahlte der arabische Sender Al Dschasira eine Tonaufnahme aus, die El-Kaida-Chef Osama bin Laden zugeordnet wird. Darin kritisiert dieser Obama und dessen Politik in Pakistan, die "Hass und Rache" gegenüber den USA säe. Der gebürtige Saudi Bin Laden hatte sich seit September 2007 nicht mehr zu Wort gemeldet.

Obama und Abdullah tauschten sich auch über die Beurteilung des iranischen Atomprogramms aus. Riad beobachtet den Aufstieg Teherans mit gemischten Gefühlen. Bislang hatte das sunnitische Saudi-Arabien durch seinen Öl-Reichtum und als Standort der heiligen moslemischen Stätten Mekka und Medina eine Führungsrolle. Mit dem schiitischen Iran erwächst den Saudis inzwischen aber große Konkurrenz.

König Abdullah, der 2005 den Königsthron übernahm, hatte in der Vergangenheit erklärt, Israel anzuerkennen, wenn sich Jerusalem aus den 1967 besetzen Gebieten zurückzöge. Auch wenn ein solcher Schritt unter dem derzeitigen israelischen Premier Benjamin Netanjahu nicht zu erwarten ist, zeigt Abdullah doch viel mehr Flexibilität als zahlreiche andere arabische Staatschefs. Zudem bemüht sich der König, die verfeindeten palästinensischen Gruppen Fatah und Hamas an einen Tisch zu bringen.

Wie weit die Neigung in der arabischen Welt geht, Konzessionen gegenüber Israel zu machen, bleibt fraglich. Netanjahu lehnt einen Stopp des Siedlungsbaus ab, der wiederum aber ist eine Voraussetzung für die Palästinenser, sich einer Zwei-Staaten-Lösung zu nähern. Für Israel ist die Forderung inakzeptabel, dass alle Palästinenser, die 1967 aus ihren Siedlungsgebieten im heutigen Israel flüchten mussten, dorthin zurückkehren können.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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