Staatsbesuch
Obamas doppelter Drahtseilakt am Nil

US-Präsident Barack Obama ist zu einem Kurzbesuch in Ägypten eingetroffen. Hier will er eine Grundsatzrede zum Verhältnis des Westens zur islamischen Welt halten. Kein einfacher Auftritt. Kairo wertet Obamas Besuch als Meilenstein. Doch die Islamisten wollen nicht nur schönen Worte hören, sondern Taten sehen.

KAIRO. So viel Wasser und Seife hat der Campus der Cairo University lange nicht gesehen – Putzkräfte polieren Marmorstufen, fegen Straßen, reinigen Fenster und Lampen. Der für Kairo ungewöhnliche Eifer zur Kosmetik hat seinen Grund: US-Präsident Barack Obama soll heute, wenn er in der Aula der Cairo University zur arabischen und muslimischen Welt spricht, eine perfekte Kulisse vorfinden.

Ägypten wertet Obamas Auftritt als Meilenstein, erweist er Kairo mit seinem Kommen doch die Referenz als politisches und kulturelles Zentrum von Moslems und Arabern. In den vergangenen Jahren hat die Diplomatie des bevölkerungsreichsten arabischen Landes an Einfluss verloren. „Jetzt melden wir uns zurück“, bringt ein hoher Beamter im ägyptischen Außenministerium die Gefühle seiner Kollegen auf den Punkt. Doch kündigt die Tatsache, dass Obama Kairo und das saudische Riad besucht, ohne nach Jerusalem zu reisen, tatsächlich neue Prioritäten der US-Nahostpolitik an? In Jerusalem zumindest befürchten Diplomaten, künftig ins zweite Glied verwiesen zu werden.

Tatsächlich bricht Obama im Nahen Osten mit dem politischen Erbe seines Vorgängers George W. Bush. Dieser hatte zum Beispiel Islamisten gemieden, die einen Staat realisieren wollen, dessen Rechtssystem auf islamischen Prinzipien beruht. Die US-Botschaft in Kairo hat für Obamas Rede aber auch Einladungen an Politiker versandt, die mit Ägyptens größter Oppositionsbewegung, den islamischen Moslembrüdern, verbunden sind.

So ist Obamas Ansprache denn auch für Staatspräsident Hosni Mubarak eine innenpolitische Herausforderung, denn er betrachtet die Moslembrüder als die gefährlichsten Gegner seines Regimes und geht mit Gewalt gegen sie vor. Ein Zweig der Moslembrüder hatte 1981 die Verantwortung für den tödlichen Anschlag auf den damaligen Präsidenten Anwar El Sadat übernommen. Seither hat die Bewegung der Gewalt zwar abgeschworen, sie ist aber nach wie vor illegal.

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