Staatsbesuch
Saudis bleiben treue Kunden Pekings

Saudi Arabien baut sein Kooperation mit China aus. Inzwischen sind die Chinesen der zweitgrößte Handelspartner des Golfstaates - direkt nach der Europäischen Union. Jetzt konnte Hu Jintao ein neues, lukratives Geschäft an Land ziehen.

DUBAI. Trotz der Finanzkrise bauen die Export-Großmacht China und der Ölförderriese Saudi-Arabien ihre Wirtschaftsbeziehungen aus. Beim heute zu Ende gehenden Besuch von Chinas Präsident Hu Jintao in Riad wurde ein knapp zwei Mrd. Dollar umfassendes Eisenbahnprojekt unterzeichnet, das die heiligen Stätten rund um Mekka verbinden soll. Die China Railway Company erhielt den Auftrag, der eine Laufzeit von vier Jahren hat. Chinas Staatschef, der das Königreich zum zweiten Mal binnen drei Jahren besuchte, war mit einer hochkarätigen Delegation aus Ministern und Wirtschaftsführern angereist.

Hus Visite unterstreicht die zunehmende Bedeutung der rohstoffreichen Arabischen Halbinsel für Peking. "In einer Zeit, da viele Länder ihre Importe wegen der Finanzkrise zurückfahren, findet China in der Region Abnehmer für seine Produkte", sagte Abdelaziz Aluwaisheg, Chef der Abteilung Wirtschaftsintegration im Kooperationsrat der sechs Golfstaaten. Zwischen dem ostasiatischen Riesenreich und Arabien floriere das Geschäft fast ohne Einschränkungen.

In den vergangenen Jahren hatte der Handel zwischen der Volksrepublik und Saudi-Arabien deutlich zugelegt. 2008 betrug das Volumen 40 Mrd. Dollar - eine Steigerung von einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Die Chinesen lieferten Laptops, Computerteile, Mobiltelefone und Textilien im Wert von knapp elf Mrd. Dollar und stiegen damit zum zweitgrößten Handelspartner nach der Europäischen Union auf. Die Saudis exportierten Rohöl, Flüssiggas und Plastik im Volumen von 29 Mrd. Dollar. "Saudi-Arabien schaut zunehmend Richtung Osten, um Wachstumsmärkte für sein Öl und seine petrochemischen Produkte zu bedienen", betont John Sfakianakis, Chefökonom der Saudi British Bank in der Hauptstadt Riad.

Saudi-Arabien liefert 720 000 Barrel Öl pro Tag nach China. Laut einer 2008 besiegelten Vereinbarung soll die staatliche Ölgesellschaft Saudi Aramco die Exporte bis 2015 auf 1,5 Millionen Barrel pro Tag verdoppeln. Dabei kommt es zu einer wachsenden Verflechtung zwischen den Ölindustrien beider Länder. So laufen seit Monaten Gespräche über eine 25-Prozent-Beteiligung von Saudi Aramco an der Qingdao-Raffinerie, die eine Förderkapazität von 200 000 Barrel pro Tag aufweisen soll. Die Quanzhou-Raffinerie mit einer Kapazität von 240 000 Barrel pro Tag ist als Joint Venture zwischen Saudi Aramco, Exxon-Mobil und dem chinesischen Konzern Sinopec geplant.

Umgekehrt setzen die Saudis zunehmend auf Fachleute aus China. So sind derzeit 70 chinesische Unternehmen mit rund 16 000 Mitarbeitern im Königreich tätig. 62 Firmen arbeiten im Bau-Sektor, wo sich die Chinesen verstärkt an Ausschreibungen für Kraftwerks -, Straßen-, Eisenbahn- und Hafenprojekte beteiligen. "Wir schätzen die exzellente Qualität der deutschen Unternehmen, aber die Chinesen bestechen durch niedrigere Kosten bei pünktlicher Lieferung", meint ein saudischer Experte.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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