Staatsbetriebe

Frankreich deckelt Chef-Gehälter

Um 30 Prozent kürzten sich die Abgeordneten in Frankreich die Diäten. Ähnliches erwarten sie nun auch von den Spitzenmanagern in Staatsbetrieben - und fangen mit der Abfindung des Ex-Air France-KLM-Chefs an.
Update: 31.05.2012 - 22:27 Uhr 14 Kommentare
Bei der Aktionärsversammlung von Air France-KLM verweigern die Anleger ihre Zustimmung zur Abfindung. Quelle: dapd

Bei der Aktionärsversammlung von Air France-KLM verweigern die Anleger ihre Zustimmung zur Abfindung.

(Foto: dapd)

ParisMit dem Machtwechsel im Élysée-Palast wächst der Druck auf französische Führungskräfte. Finanzminister Pierre Moscovici macht dem entlassenen Chef der französischen Fluggesellschaft Air France-KLM, Pierre-Henri Gourgeon, eine Abfindung von 400.000 Euro streitig.

Moral und Anstand würden eine Rückzahlung des Geldes erfordern, erklärte er am Donnerstag mit Blick auf die finanzielle Schieflage des teilstaatlichen Unternehmens. Am Abend verweigerten auch die Aktionäre ihre Zustimmung zu der Prämie. Die bei der Hauptversammlung mit knapp 79 Prozent der Stimmen getroffene Entscheidung kann allerdings keine Rückzahlung erzwingen.

Die Abfindung war Gourgeon bei seiner Entlassung im Oktober 2011 als Gegenleistung gezahlt worden. Er hatte sich dafür verpflichtet, drei Jahre lang nicht für Konkurrenz-Unternehmen zu arbeiten. Die Abfindungssumme betrug insgesamt rund eineinhalb Millionen Euro.

Der Staat ist mit etwa 16 Prozent an Air France-KLM beteiligt. Auch bei geplanten Sonderzahlungen für Chef-Manager des Luftfahrt- und Rüstungsunternehmens Safran widersetzte sich der Staat erfolgreich als 30-prozentiger Anteilseigner.

Die am Donnerstag bei der Hauptversammlung vorgeschlagenen Regelungen wurden mit Unterstützung anderer Aktionäre abgelehnt. Demnach sollte unter anderem der Vorstandschef bei einem vorgezogenen Ausscheiden eine Abfindung in Höhe von zwei Jahresgehältern erhalten.

Der neue sozialistische Präsident François Hollande hatte bereits im Wahlkampf versprochen, die Gehälter von Spitzenmanagern deutlich zu senken. Dazu soll es in Kürze auch ein Dekret geben, das vorschreibt, dass der Chef eines Staatskonzerns künftig höchstens das Zwanzigfache des niedrigsten Lohns im Unternehmen bekommen darf.

Die neue Regierung hatte gleich bei der ersten Sitzung des Kabinetts die eigenen Bezüge um 30 Prozent gesenkt.

  • dpa
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14 Kommentare zu "Staatsbetriebe: Frankreich deckelt Chef-Gehälter"

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  • Vor der Wahl in F gab es einen Bericht im TV, dass 2000 Unternehmer F verlassen wollen, falls Hollande gewinnt. Die Schweiz scheint bereits regen Zulauf aus F zu haben.

  • Der Ansatz ist gut, aber ich hätte eine andere Grenze gezogen.
    Es ist absolut nicht nachvollziehbar und nicht zu rechtfertigen warum der Manager eines staatlichen Betriebes ein höheres Gehalt bekommen soll als der verantwortliche Minister !
    Da sollte die Grenze gezogen werden !!

  • Es gibt mit Sicherheit in jeder Firma und in jedem Konzern gut ausgebildete fähige Leute, die diese Arbeit auch für ein angemessenes Gehalt machen würden.
    Man lässt sie nur nicht ! ; -)

  • Zitat:
    Welcher Chef eines Staatskonzernes mit vielleicht 50tausend oder mehr Mitarbeitern geht mit einem Jahresgehalt von einer Viertelmillion Euro nach Hause?

    Die jenigen, die noch Verantwortungsbewusstsein haben und ihren Arbeit ernst nehmen!
    Alleine diese Frage offenbart schon wie weit die sinn- und grenzenlose Gier unsere Gesellschaft gebracht hat!!

  • @Rene
    Ob jemand korrumpierbar ist oder nicht, ist primär keine Frage des Salärs sondern des Charakters. Warum sollen Politiker immer Zuckerbrot bekommen? Der kleinste Selbständige in Deutschland muss, wenn er bei einem Kunden Mist macht, mit allem was er hat dafür geradestehen. Warum gibt es bei Politikern keine Amtshaftung? Warum wird dieses Pack immer noch mit goldenem Handschlag verabschiedet, wenn es das Recht beugt, statt angeklagt und bestraft zu werden? Ich habe immer mehr den Eindruck, dass Deutschland in die Feudal- und Willkürherrschaft des Mittelalters
    zurückgefallen ist.

  • Dann werden wohl die staatsnahen Betriebe entweder die Praxisausbildung der künftigen Manager in der privaten Wirtschaft übernehmem oder durch weggelobte Partei-Karteileichen ruiniert um anschließend mit Steuergeld wieder saniert zu werden.

    Tolles Konzept.

  • Dieser Spruch stimmt für Deutschland nicht. Hier wurden trotz guter Bezahlung nur Affen in politische Spitzenpositionen und in Beamtenjobs gelockt, bzw. über Seilschaften positioniert. Normal sollte die Aufgabe locken und nicht die Bezüge, aber dies ist ein Wunschtraum.

  • 1) Wenn Politiker nicht genug verdienen, verleitet sie das zu Korruption.
    2) Sollte sich der farnzösische Staat in die Gehaltsdiskussion einmischen oder besser ganz seine Anteile an den Unternehmen veräußern.
    3) Anstatt zu reglementieren, sollte Holland seine Energie auf Innovation und Prouktivität/Effizienz setzen, v.a. aber sollte er seine Atomkraftwerke an der deutschen Grenze abschalten.

    Ich bin mal gespannt, wann die Unternehmen und wohlhabenderen Bürger Frankreich den Rücken kehren.

  • Dann soll er doch auch die Spitzenämter im öffentlichen Dienst in die Gehaltskürzungen einbeziehen.

    Untere Lohngruppen können ja deutl. Lohnzuwächse bekommen. Binnennachfrage könnte ja steigen. Wäre doch mal ein neuer PR-GAG aus dem Kabinett Hollande.

  • Ja, das wird ein schönes Experiment. Wir gehen aber konform darin dass das Ergebnis dann allgemeingültig sein wird, oder?

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