Staatsbetriebe
Wie Griechenland Milliarden versenkt

Eine Zulage fürs Händewaschen, eine Prämie, wenn man pünktlich zur Arbeit kommt, freie Tage, die 28 Stunden dauern - bei den griechischen Staatsbetrieben herrschen bizarre Zustände. Die staatlichen Unternehmen rutschen seit Jahren immer tiefer in die roten Zahlen. Jetzt will Athen handeln.
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ATHEN. Die von Jahr zu Jahr wachsenden Verluste dieser Unternehmen haben wesentlich zur Schuldenkatastrophe des Landes beigetragen. Jetzt muss die Athener Regierung unter dem Druck der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Notbremse ziehen: Gehälter sollen gekürzt, Zulagen gestrichen und die Betriebskosten drastisch gesenkt werden.

Sondervergütung fürs Kopieren

Inspektoren der EU-Statistikbehörde Eurostat prüfen seit vergangener Woche in Athen die Haushaltsbeschlüsse 2006 bis 2009. Die Überprüfung ist offenbar komplizierter als gedacht. Nachdem Eurostat die Ergebnisse zunächst am Freitag präsentieren wollte, hieß es gestern in Brüssel, die neuen Defizitzahlen würden möglicherweise erst Mitte November vorliegen. Fest steht aber jetzt schon: Griechenland muss voraussichtlich die Defizitquoten der betroffenen Jahre erneut nach oben korrigieren. So dürfte der Fehlbetrag 2009 statt der bisher genannten 13,6 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) 15,4 Prozent erreicht haben. Experten fürchten sogar ein noch höheres Minus. Die erneute Revision ergibt sich unter anderem aus den Verlusten der Staatsbetriebe, die jetzt erstmals in die Staatsschulden eingerechnet werden.

Vor allem unter der abgewählten Regierung des konservativen Premiers Kostas Karamanlis sind die staatlichen Unternehmen immer tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Ihre Schulden wuchsen von 5,6 Mrd. Euro bei Karamanlis? Amtsantritt 2004 auf 13,1 Mrd. Euro Ende 2009. Bei fünf großen Staatsunternehmen reichen die laufenden Einnahmen nicht einmal, um die Personalkosten zu bestreiten. Denn die sind immens. Die Beschäftigten der elf defizitärsten griechischen Staatsunternehmen verdienen im Schnitt pro Jahr 40 772 Euro. Das Durchschnittsgehalt in der Privatwirtschaft beträgt dagegen nur 19 147 Euro.

Über die Jahrzehnte haben die Gewerkschaften den griechischen Staatsbediensteten Dutzende von Zulagen und Prämien erstritten, mit denen sie ihr Grundgehalt nicht selten um 50 Prozent aufbessern. Die Bedienung eines Fotokopiergeräts wird ebenso gesondert vergütet wie die Arbeit am Computer. Für die Busfahrer der Athener Verkehrsbetriebe beginnt die Arbeitszeit nicht etwa, wenn sie im Depot erscheinen, sondern sobald sie ihre Wohnung verlassen. Außerdem bekommen die Fahrer eine Zulage von rund 80 Euro im Monat für das Warmlaufenlassen der Motoren. Für die Techniker der Stadtbahngesellschaft ISAP gibt es einen Bonus in Höhe von vier Prozent des Grundgehalts - fürs Händewaschen. Jobs bei dem Unternehmen sind heiß begehrt: Das Durchschnittsgehalt beträgt satte 56 554 Euro pro Jahr. Aktenkundig ist der Fall eines ISAP-Bediensteten, der sein Grundgehalt von 3 908,81 Euro mit Zulagen und Überstunden auf 8 675,30 Euro zu steigern verstand.

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  • bereicherung auf Kosten der bürger der EU-Staaten ist nicht nur auf Athen beschränkt. Die sogenannten EU-Politiker machen es doch vor. Sitzungsgelder werden nicht für Anwesenheit bezahlt, sondern für Unterschriften in Listen vor den Sitzungssälen, egal wer abzeichnet. Und jetzt noch eine eigene Steuer, die den korrupten und total überfinanzierten EU-blödsinn noch weiter aufbläht. Wir haben ja sonst keine Probleme, außer diesen weltfremden Trottel in brüssel und berlin.

  • Es paßt noch viel mehr Mist und Korruption unter den "Rettungsschirm", den die Deutschen wohl am Schluß überwiegen alleine bezahlen werden, magels leerer Kassen der andren - die griechische Göttin zeigt uns immer noch den Stinkefinger und wird damit sicher nicht aufhören, vielen Dank Frau Kanzlerin, vielen Dank Europa. Wann wehren wir uns endlich gegen diese dummdreisten Ausplünderungsmechanismen der EU-"Partner"? Ein Staatsbankrott Griechenlands wäre ehrlicher und gerechter.

  • @Micha: Die Griechen sind 1981 ohne betrug in die EU beigetreten. Wahrscheinlich waren Sie damals noch nicht geboren, deshalb wissen Sie nicht die richtigen Fakten. Dankbarkeit an die Helfer, Ja Danke für die Hilfe, damit können die Griechen auch die nächsten Waffenlieferungen bezahlen. Eigenes Versagen kann man an die Griechen nicht zuweisen, ein Land das auf Grund einer riesigen Spekulationsorgie gegen den Euro so leiden muss. Schließlich haben die griechischen banken nicht mit US-Hypotheken spekuliert. bitte nicht andauernd oberlehrerisch die anderen belehren, die Griechen waren schließlich nicht die einzigen die bilanzen mit Hilfe von "Schattenhaushalten" frisiert haben.
    Die Menschen versuchen gerade die Fehler der Vergangenheit zu bewältigen, Nachtretter und besserwisser braucht man dabei nicht. Wen man sich aber so weit erinnern soll (vor 29 Jahre) sollte man auch noch weitere 36 Jahre zurück denken. Die Griechen versuchen weiterhin zu vergessen, wie es vor 65 Jahre dort aussah!

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