Staatschefs ausspioniert

Brasilien und Mexiko bestellen US-Botschafter ein

Empörung in Lateinamerika: Der US-Geheimdienst NSA soll die Staatsoberhäupter von Mexiko und Brasilien ausgespäht haben. Die Beziehungen beider Länder zu den USA stehen vor einer harten Belastungsprobe.
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Die von der Spionage betroffene brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff soll im Oktober die USA besuchen. Quelle: Reuters

Die von der Spionage betroffene brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff soll im Oktober die USA besuchen.

(Foto: Reuters)

Brasília/Mexiko-StadtBrasilien und Mexiko haben empört auf die jüngsten Enthüllungen über US-Spionage in Lateinamerika reagiert. Die Regierungen in Brasília und Mexiko-Stadt bestellten am Montag (Ortszeit) die Botschafter der Vereinigten Staaten ein und verlangten eine Erklärung.

Am Sonntagabend hatte der brasilianische Fernsehsender TV Globo unter Berufung auf den „Guardian“-Journalisten Glenn Greenwald berichtet, der US-Geheimdienst NSA habe systematisch die Telefonverbindungen und E-Mails der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff ausgespäht. Der heutige mexikanische Staatschef Enrique Peña Nieto sei im vergangenen Jahr bereits vor seinem Wahlsieg ausspioniert worden. Insbesondere seien Gespräche Peña Nietos über die zukünftige Besetzung seines Kabinetts abgehört worden, berichtete der Sender unter Verweis auf vom Informanten Edward Snowden weitergeleitete NSA-Dokumente. Die Namen von zwei später ernannten Ministern seien sechs Monate vor ihrer öffentlichen Bekanntgabe in den Unterlagen erschienen.

Brasiliens Außenminister Luiz Figueiredo bezeichnete die mutmaßliche Ausspähung als „eine inakzeptable und nicht hinnehmbare Hoheitsverletzung“. Er habe US-Botschafter Thomas Shannon aufgefordert, innerhalb von einer Woche eine schriftliche Erklärung zu den Beschuldigungen abzugeben. „Praktiken dieser Art sind unvereinbar mit dem notwendigen Vertrauen für eine strategische Allianz beider Länder“, sagte Figueiredo.

Rousseff wird am 23. Oktober zu einem Staatsbesuch in den USA erwartet. Ob Brasilien an den Reiseplänen festhalte und auch die künftigen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten, würden von der Antwort von US-Botschafter Shannon abhängen, sagte Figueiredo.

Das mexikanische Außenministerium schickte eine Protestnote nach Washington. Die Regierung verurteile jede Spionage gegen mexikanische Staatsbürger, hieß es in einer Mitteilung. Sie verstoße gegen die UN-Charta und die Rechtsprechung des Internationalen Gerichtshofs.

  • dpa
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16 Kommentare zu "Staatschefs ausspioniert: Brasilien und Mexiko bestellen US-Botschafter ein"

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  • Brasilien+Mexiko bestellen den US-Botschafter ein wenn da von USA so ausspioniert wird jenseits von allen Vorstellungen+Gesetzen.Diese Laender werden gleiche Nebelantworten bekommen wie die EU und es ist abzuwarten wie die Laender weiter reagieren,aber bestimmt nicht so dumm wie Westerwelle der nur mit USA verhandeln will alsob nichts passiert ist.Eine klare Verletzung der Souveränität unseres Landes sagte Justizminister José Eduardo Cardozo von Brasilien. Die mexikanische Regierung verurteile jede Spionage gegen mexikanische Staatsbürger

  • Die Amis sollten einfach auch die Interessen der Anderen berücksichtigen und nicht nur ihre Interessen verfolgen. Weder die Amis, noch ein anderes Land hat das Recht die Weltpolizei zu spielen und den anderen ihre Lebensweise und ihre Regeln aufzuzwingen.

    Die Verallgemeinerung "Amis", ist natürlich nicht ganz richtig, weil die meisten Menschen in Amerika leiden genau so unter dem System, wie die Menschen irgendwo anderes auf der Welt.

    Und es wäre sehr schön, wenn wir endlich unsere Souverenität von den Amis zurückbekommen könnten, dann hätten wir nämlich auch das Recht, die ganze Spionagengeschichte zu beenden. Solange wir nicht souverän sind, müssen unsere Politiker solche Themen, gleich für "beendet" erklären und schweigen:

    http://www.youtube.com/watch?v=A6F-EpeXoc4&list=TLTdTJViV4F_E

  • Obama zeigt deutlich, dass er ein Despot ist und Demokratie nicht will.

  • Realist
    so konnte bei uns auch das Dritte Reich entstehen.
    Also Sie haben schon eine mehr als merkwürdige Einstellung

  • ...............noch ein paar Takte......
    was sollen die ganzen oppositionellen Kommentare hier. Es ist ja verständlich, wenn sich einige aufregen und Widerstand leisten möchten und sich überhaupt nicht damit einverstanden erklären wollen, was die USA da weltweit installiert haben. Fakt ist, wenn man die amerikanische Psychologie betrachtet, die eine Besondere ist, daß sie sich für unbesiegbar halten, ist dieser Schlag in New-York 9/11 ein Besonderer. Sie haben auf diese Katastrophe hysterisch ängstlich reagiert. Und diese Hysterie ist heute noch Stand der Dinge. Man kann es aus Sicht der USA und ihrer Gefühlsebene verstehen, wie sie es sehen und was sie für Konsequenzen daraus gezogen haben. Das Land mit den unbegrenzten Möglichkeiten ist verletzt worden. Ihre Unverletztlichkeit ist auf dem Papier ausradiert worden und das wiegt schwer. Die USA denken, fühlen und empfinden anders z. B. wie wir. Und so ist die einzige Siegermacht und der mächtigste Staat dauerhaft verwundet. Und die Konsequenzen daraus bleiben so, wie es gemacht wurde. Und darum ist alles Lamentieren hier und woanders umsonst.....................

  • @Realist:

    Die USA machen durch ihr unkontrolliert-paranoides Verhalten just das wahr, was sie befürchten: das alles und jeder den USA feindselig gesonnen ist, inklusive derer, die sich Allierte nennen oder dazu gezwungen werden.

  • Wenn man so denkt wie Sie, wird in der Tat alles so bleiben wie es ist.

    Eine ziemlich bequeme und schwache Einstellung.

  • @Alles was 'ist' trägt Wachstum in sich.

    Der vermeintlich beabsichtigte 'Schutz' wird sich immer weiter ausweiten zur flächendeckenden Dominanz, würde immer größer und sichtbarer - und das 'konforme' Leben der Menschen überwachen.

    Was, wenn den US-Bundies einfällt, dass fortan nur Fundamental-Christliche-Tugenden lebenswert sind, alternative Welt- und Glaubensbilder plötzlich als 'böse' definiert werden?

    Die abbildbare Willkür dahinter ist eine hochgradige Gefährdung unserer Zivilisation.

    Ein solches System ist unmenschlich und potentiell grausam!

    Hier braucht es Widestand.

  • Die Brasilianer und Mexikaner sind diesbezüglich nicht dööfer als die BUndesdeutschen, - auch sie machen es nur symbolisch gegenüber dem Volk um den Schein zu wahren.

    Selbstverstälich wissen das die Oberen in der Politik auch das tagtäglich "mitgelesen" wird, genauso wie in Deutschlad und Europa.

  • ............nur ein paar Sätze zu diesem Thema....Ausspähung durch die USA.

    Nach dem Attentat auf die beiden Twin-Towers und dem Verlust von mehreren tausend Menschen in New-York haben die Vereinigten Staaten das Netz der Ausspähung aufgebaut. Dieser Verlust hat einen Schock ausgelöst, der ganz tief bei den Amerikanern verhaftet ist. Das Unmögliche ist möglich geworden. Und deshalb ist dieses Netz weltweit aufgebaut nicht mehr rückgängig zu machen. Und da kann die Politik weltweit noch so wettern. Amerika denkt überhaupt nicht daran Hand an die
    Ausspähung zu legen. Darum sollten wir uns alle damit abfinden, daß so ist wie es ist. Es wird alles so bleiben, wie es installiert ist. Finden wir uns damit ab. Geht der Mensch seinen geraden Weg, kann ihm nix (nichts) passieren. Es ist so...............

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