Staatsfonds
Das Geheimrezept der Scheichs

Die hohen Ölpreise sichern den arabischen Staaten auch weiterhin hohe Devisenüberschüsse. Die Fonds der 30 Ölförder-Länder verwalteten derzeit ein Anlagevolumen von zwei bis drei Billionen Dollar. Das Geld wird längst nicht mehr nur im Ausland investiert.

DUBAI. Einem Spar-Akrobaten wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück wird bei diesen Zahlen vermutlich schwindelig. Selbst mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 50 Dollar pro Barrel, so errechnete die Denkfabrik McKinsey Global Institute, sacken die Golf-Staaten bis 2020 rund 4,7 Billionen Dollar durch ihre Petro-Exporte ein.

Bereits heute freuen sich die Kassenwarte der sechs Länder des Golf-Kooperationsrates (Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar, Bahrain und Oman) über Haushaltsüberschüsse von gut 340 Mrd. Dollar pro Jahr. Die Arabische Halbinsel, die auf 55 Prozent der weltweiten Ölreserven sitzt, wird zu einer der potentesten Schatzkammern der Weltwirtschaft.

Auf die Zentralbanken fällt dabei noch der kleinste Teil ab. So schätzt das Forschungs-Institut Deutsche Bank Research für 2008 die Devisenreserven der Vereinigten Arabischen Emirate auf 63 Mrd. Dollar – etwa doppelt soviel wie die Cash-Zufuhr der Saudis. Die wahren Könige des schwarzen Goldes sind jedoch die Staatsfonds. Vorbei die Zeiten, in denen die Scheichs ihr Geld massenweise in niedrig verzinste Dollar-Anleihen investierten.

Die Dickschiffe der „sovereign wealth funds“ beteiligen sich zunehmend an Unternehmen, kaufen Aktien und haben auch keine Berührungsängste gegenüber Private-Equity-Gesellschaften. Der Internationale Währungsfonds taxiert das in diversen Fonds verwaltete Anlagevolumen der 30 Ölförder-Länder des Mittleren Ostens und Zentralasiens auf derzeit zwei bis drei Billionen Dollar. In fünf bis zehn Jahren könnten die Petro-Überschüsse auf bis zu zehn Billionen Dollar anwachsen, so der IWF. Die Golf-Staaten kassierten dabei jeweils die Hälfte des Gesamtbetrages.

Das Washingtoner Institut registriert zwar die „wachsenden Sorgen mit Blick auf die mangelnde Transparenz“ der Staatsfonds. Kritiker in Berlin und anderswo erheben den Vorwurf, dass die meisten Häuser nach wie vor den Mantel des Schweigens über ihr Portfolio hüllen. Dennoch bescheinigt der IWF den Finanz-Vehikeln der Ölförder-Länder eine „stabilisierende Rolle in den Märkten“. Seit November 2007 haben Staatsfonds den durch die Subprime-Krise gebeutelten Banken in Amerika und in Europa Finanzspritzen über mehr als 40 Milliarden Dollar verabreicht. Nach dem Einstieg der Abu Dhabi Investment Authority bei der Citigroup gelten weitere Beteiligungen an den niedrig bewerteten US-Instituten als wahrscheinlich, heißt es in Dubaier Investmentkreisen.

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