Staatsfonds
Schutz ja, Protektionismus nein

Die Internationalisierung hat stets auch starke Kritik hervorgerufen. Seit die Grenzen der Finanzbranchen geschmolzen sind, lauern auch dort Gefahren. Wir benötigen international vereinbarte Regeln für das Management grenzüberschreitender Staatsfonds – dies fordert Edwin Truman in einem Essay für das Handelsblatt.
  • 0

WASHINGTON. Die Globalisierung des Finanzwesens ist ein herausragendes Merkmal des frühen 21. Jahrhunderts. Vorangetrieben wird das Phänomen durch technologische Innovation, wegfallende Beschränkungen für den internationalen Kapitalverkehr und die Überzeugung, dass diese Geldflüsse individuelle Entscheidungen von privaten Investoren widerspiegeln, die auf die Marktkräfte reagieren.

Natürlich melden sich Kritiker dieser Globalisierung. Sie glauben, dass sie unnötig zur wirtschaftlichen und finanziellen Volatilität beiträgt, die Armen ärmer macht und die Reichen begünstigt. Jetzt haben diese Kritiker ein neues Ziel ausgemacht: die Staatsfonds.

Sind Staatsfonds tatsächlich eine ernst zu nehmende Herausforderung für die globale Wirtschaft? Sie sind nicht neu, aber an Zahl und Umfang nehmen sie schnell zu. Folglich sind sie eine neue Quelle für Unsicherheit und potenzielle Instabilität sowohl für Länder, die diese Fonds ausstatten als auch für das internationale Finanzsystem. Politiker können sie nicht länger übersehen.

In Staatsfonds bündeln Regierungen internationale Finanzanlagen, um bestimmte wirtschaftliche und finanzpolitische Ziele zu erreichen. Diese Ziele umfassen ökonomische Stabilisierung, Maximierung der Einkommen und Wohlfahrtstransfer zwischen den Generationen.

In meinen Untersuchungen habe ich 32 aktive Fonds in 29 Ländern identifiziert. Ihr kumuliertes Anlagevermögen beläuft sich auf rund zwei Billionen Dollar. Fünf Länder verfügen über Fonds, die mit mehr als 100 Milliarden Dollar ausgestattet sind. Der erste Fonds wurde von der Südsee-Insel Kiribati im Jahr 1956 ins Leben gerufen, um die Erträge ihrer Phosphatvorkommen zu verwalten. Eine Reihe von Staatsfonds wurde in den siebziger Jahren aufgelegt. Zehn sind seit dem Jahr 2000 entstanden.

Die große Mehrzahl beschäftigt sich mit der Anhäufung von Vermögen aus Rohstoffexporten, hauptsächlich im Energiesektor. Das schließt Norwegens staatlichen Pensionsfonds Global und die Fonds ein, die von der Kuwait Investment Authority gegründet worden sind. Mehrere große Staatsfonds werden nicht aus Rohstofferlösen gespeist. Dazu zählen Singapurs Government of Singapore Investment Corporation und die Temasek Holding sowie Chinas Central Huijin Investment Company und die neue chinesische staatliche Investmentgesellschaft.

Seite 1:

Schutz ja, Protektionismus nein

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Kommentare zu " Staatsfonds: Schutz ja, Protektionismus nein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%