Staatsgast in Berlin
Hollande pocht bei Merkel-Besuch auf Euro-Bonds

Der frisch gekürte französische Präsident war zu Besuch im Kanzleramt. Es war eine Visite mit Hindernissen. Zwischen Kanzlerin Merkel und Hollande muss erst noch Harmonie entstehen. Der Gast sprach auch heikle Themen an.
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BerlinDer Sonnenschein hat den siegreichen sozialistischen Präsidenten zumindest am ersten Tag seiner Amtszeit verlassen. Denn in Paris musste François Hollande am Dienstag gleich zweimal den Anzug wechseln, weil er in den Einführungs-Zeremonien durchnässt wurde. Und als sich er sich am späten Nachmittag auf den Weg zu seinem symbolbeladenen Antrittsbesuch bei der konservativen Kanzlerin nach Berlin machte, zwang ihn ein Blitzschlag zunächst zur Umkehr. Als er endlich mit einem anderen Flugzeug in der Bundeshauptstadt ankommt, empfängt ihn Bundeskanzlerin Angela Merkel mit militärischen Ehren - und einem aus Westen heraufziehenden Nieselregen.

„Vielleicht ist das ja ein gutes Omen für die Zusammenarbeit“, scherzt Merkel später mit Hinweis auf den Blitz in der gemeinsamen Pressekonferenz. Tatsächlich wirken die Rahmenbedingungen nicht nur wegen des Wetters alles andere als ideal für den Neuanfang der deutsch-französischen Beziehungen nach dem Präsidentenwechsel im Elysee-Palast. Denn Hollande kam mit der Nachricht der schweren politischen Hypothek nach Berlin, dass die französische Wirtschaft im ersten Quartal quasi nicht mehr gewachsen war - während die deutsche Konjunktur schon wieder anzieht. Deshalb versucht auch keiner der beiden bei ihrem ersten gemeinsamen Presseauftritt am Abend nach einem kurzen ersten Gespräch, die Differenzen und Probleme wegzulächeln. „Ich sehe der Arbeit mit Freude und Spannung entgegen“, meint Merkel eher doppeldeutig.

Und Hollande setzt zwar zu einem verbalen Bekenntnis zur Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft an. Aber dann wiederholt er etwa seine Forderung nach den in Deutschland verpönten Euro-Bonds. Und ob er den von Deutschland geforderten Fiskalpakt für eine straffere Haushaltsdisziplin wirklich ohne Änderungen ratifizieren wird, lässt er ausdrücklich offen. Merkel schaut bei der Antwort besorgt - und lächelt erst, als Hollande sich am Ende seiner Antwort das Hintertürchen offen lässt, den Fiskalpakt doch noch zu unterzeichnen, wenn denn nur genug für Wachstum in Europa getan werde.

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Hollande pocht bei Merkel-Besuch auf Euro-Bonds

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Öffentliches Bekenntnis zur Zusammenarbeit

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  • netshadow,

    "Von Lesern eines HB "

    bis vor ein paar Tagen hätte ich ja noch gesagt, die lesen das HB nicht - mittlerweile, nach dem Hollande Photo, der eindeutig unterirdischen Hetze gegen Bankenkritiker ("Banken-Hasser") und der Aufforderung an Banker, sich zu verkleiden, damit sie nicht von selbigen gelyncht werden ... naja, wahrscheinlich bekommt dieses Pack ja doch seine Ideen vom HB eingeträufelt - oder beim HB macht man sich schon mal bereit, demnächst diesen stotternden Hirni auf's Schild zu heben ...

    Mich wundert hier gar nichts mehr und ich empfinde das Stammtischgejohle der komplett Neurotischen als drchaus passend zum Blatt.

  • Der Blitzeinschlag in Hollandes Maschiene sei ein "gutes Zeichen" sagte Frau Merkel ohne Zynismus, den sie ohnehin nicht kennt.

    Nach diversen griechischen Sagen oder auch einigen germanischen Mythen war so etwas aber eher ein Zeichen des Zorns der Götter und ein Zeichen herannahenden Unheils.

    Da sieht man, zu welchen beliebigen Deutungen unsere moderne Parteiendemokratie doch in der Lage ist.

  • Alles richtig, nur eins haben Sie noch vergessen.

    Immer wenn die DM aufwertete, musste Frankreich in einem sehr engen Zeitfenster den Franc abwerten, denn die Exportmacht Deutschland war immer stärker als Frankreich.
    Die Bundesbank war soetwas wie die EZB, sie bestimmte im Grunde genommen die europäische Geldpolitik.
    Alle anderen Länder mussten sich dem Kurs anpassen.

    Die Masterminds und Euroerfinder wollten mit dem Eurokonstrukt erreichen, das Deutschland seine Führungsposition verliert und zu einen unbedeutenden "Geberland" wird.

    Alles ist aufgegangen, dank der Matsch-Birne aus Oggersheim.

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