Staatskonzerne im Visier
Deutsche Industrie keilt gegen China

In der deutschen Industrie herrscht Alarmstimmung wegen der immer schärferen staatlich geförderten Konkurrenz Chinas auf wichtigen osteuropäischen Wachstumsmärkten. Beunruhigend sei, dass China nicht nur in Russland, sondern gerade in den rohstoffreichen Ländern Zentralasiens wie Kasachstan oder Usbekistan äußert aktiv geworden sind, erklärte der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft.
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HB BERLIN. „Während westliche Firmen in China durch Protektionismus ausgebremst werden, arbeiten sich chinesische Staatskonzerne bei Infrastruktur-Ausschreibungen in Osteuropa mit nicht-marktkonformen Kreditkonditionen immer weiter vor - bis in die EU“, klagte am Mittwoch der scheidende Vorsitzende des Ost-Ausschusses, Klaus Mangold, in Berlin. Auch bei der Sicherung wichtiger Rohstoffe bremse China Deutschland und die Europäer dort oft aus. Daher müsse dringend eine deutsche Rohstoffstrategie für Zentralasien und Russland entwickelt werden.

Die deutschen Geschäfte in Ost- und Mittelosteuropa bis Zentralasien entwickeln sich nach Mangolds Worten aber wieder besser. Die Krise sei in den meisten dieser Länder überwunden. „Wir haben ein sehr ordentliches Wachstum auf all diesen Märkten“, sagte er. Allerdings habe man trotz wieder hoher Wachstumsraten bei den deutschen Exporten in diese Region noch nicht wieder das Vorkrisenniveau von 2008 erlangt. Die deutschen Exporte nach Mittel-Osteuropa dürften nach Mangolds Worten in diesem Jahr um rund 20 Prozent zulegen.

Beunruhigend sei, dass China nicht nur in Russland, sondern gerade in den rohstoffreichen Ländern Zentralasiens wie Kasachstan oder Usbekistan äußert aktiv geworden sind. „Ich glaube, dass die Chinesen einfach zeigen, dass sie als ein staatlich stark gelenktes System in Zeiten einer Krise antizyklisch handeln können mit vollen Taschen“, beschrieb er die Lage. China habe die Schwächephase Deutschlands und der Europäer mit der Krise zielstrebig genutzt, um seine Weltmarktposition auszubauen. Dabei operiere China mit günstigsten Finanzierungen, quasi einem „Null-Tarif“ und richte auch großes Augenmerk auf Privatisierungsvorhaben.

Die deutsche Wirtschaft müsse daher schnell eine Rohstoffstrategie gerade für diese Märkte entwickeln, um nicht langfristig in Probleme zu geraten. „Da muss etwas Entscheidendes passieren“, forderte Mangold. Eine politische Flankierung sei dafür unabdingbar.

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  • Gibt eben noch Weltgegenden, in denen strategisch gedacht wird. Mit Orientierung auf eine Zukunft, in der Rohstoffe knapper geworden sein werden. Erinnert Euch in zehn Jahren dran: China, das dann den Preis für einige Rohstoffe - wie div. seltene Erden - stark beeinflussen, wo nicht bestimmen kann, war das Land, in dem 2010 bereits Millionen E
    -bikes fuhren. Während in good old Germany am Design für den neuen Cayenne gefeilt wurde und Geld vor allem in Tunnel floss...

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