Staatskrise in der Ukraine
Russisches Militär sperrt Flughafen in Sewastopol

Russische Soldaten haben auf der Krim den Flughafen von Sewastopol in Beschlag genommen. Zuvor hatten Bewaffnete kurzzeitig das Gelände besetzt. Der Ukraine droht die Spaltung – zumal der Ex-Präsident nicht aufgibt.
  • 32

KiewDas russische Militär hat nach Angaben des ukrainischen Innenministeriums den Flughafen der Stadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim gesperrt. Das gab der kommissarische Innenminister Arsen Awakow am Freitag bekannt. Dort ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert.

Widersprüchliche Berichte gibt es über einen angeblichen Einsatz russischer Soldaten an einem Militärflughafen von Sewastopol. Zuvor eine Gruppe von etwa 50 Bewaffneten am frühen Freitagmorgen den Flughafen besetzt. Wie die Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine berichtete, trugen die Männer Militäruniformen. Augenzeugen hätten erklärt, die Bewaffneten hätten dieselbe militärische Kleidung getragen wie die Männer, die am Donnerstagmorgen die Gebäude von Parlament und Regionalregierung auf der ukrainischen Halbinsel Krim besetzt hätten. Die Männer seien in Fahrzeugen ohne Kennzeichen am Flughafen vorgefahren. Welche Ziele die Bewaffneten verfolgen würden, sei unklar, hieß es bei Interfax-Ukraine.

Wie der Sender Russia Today unter Berufung auf den Pressedienst des Flughafens im Kurznachrichtendienst Twitter berichtete, verließen die Eindringlinge das Gelände wieder, nachdem sie keine ukrainischen Soldaten angetroffen hätten. Sie hätten sich sogar entschuldigt, hieß es bei Russia Today.

Die russische Schwarzmeerflotte hat eine Beteiligung an der Besetzung eines Militärflughafens auf der Krim-Halbinsel bestritten. Die Soldaten seien nicht in das Gebiet um den Flughafen nahe der Stadt Sewastopol vorgedrungen und hätten es auch nicht blockiert, zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax am Freitag einen Militärsprecher.

Das Streben nach Autonomie der russischsprachigen Krim-Bevölkerung stellt die Ukraine zunehmend vor die Zerreißprobe. Das prorussische Krim-Parlament sprach sich für eine Volksbefragung über die Autonomie der Region aus. „Durch die verfassungswidrige Machtübernahme in der Ukraine von radikalen Nationalisten und mit Unterstützung bewaffneter Banden sind Friede und Ruhe auf der Krim gefährdet“, sagte eine Parlamentssprecherin. Die Mehrheit der Krim-Bewohner sind ethnische Russen. Drohgebärden aus Moskau nährten zusätzliche Sorgen.

Die neue Übergangsregierung in Kiew warnte ihren Nachbarn Russland vor Truppenbewegungen auf der Krim, die vor 60 Jahren der Ukraine zugeschlagen worden war. Sollten sich Soldaten der Schwarzmeerflotte in Sewastopol unangemeldet außerhalb der in Abkommen festgelegten Zonen bewegen, werde dies als „militärische Aggression“ gewertet.

Heute will sich knapp eine Woche nach seiner Entmachtung als ukrainischer Präsident will Viktor Janukowitsch erstmals öffentlich zu Wort melden. Nach Berichten russischer Agenturen plant der 63-Jährige eine Pressekonferenz in der Stadt Rostow am Don (14 Uhr MESZ). Am Wochenende war er vom Parlament in Kiew abgesetzt worden und geflohen. Janukowitsch beharrt darauf, dass er weiter der rechtmäßige Präsident sei. Die Beschlüsse des Parlaments seien rechtswidrig.

In Kiew wählte das Parlament den 39 Jahre alten Arseni Jazenjuk zum neuen ukrainischen Regierungschef. Er erhielt 371 Stimmen unter anderem von der Partei Udar (Schlag) des Ex-Boxprofis Vitali Klitschko, die auf eigenen Wunsch nicht an der neuen Regierung beteiligt ist. Im Saal waren 417 Abgeordnete, von insgesamt 450. Jazenjuk führte zuletzt die Parlamentsfraktion von Timoschenkos Vaterlandspartei.

Jazenjuk beklagte die finanzielle Schlagseite der Ukraine. „Die Staatskasse ist leer. Es gibt Schulden von 75 Milliarden US-Dollar“, sagte er. Das Gesamtvolumen von Zahlungsverpflichtungen liege aktuell bei 130 Milliarden US-Dollar.

Kommentare zu " Staatskrise in der Ukraine: Russisches Militär sperrt Flughafen in Sewastopol"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ wachsamer
    Ach eine Sache noch. Wenn zum erwachsenwerden Schwulenhass, Undankbarkeit und die völlige Ignoranz gehören was man hat, dann lieber nicht.
    Ja HB ich weiß ist unsachlich, aber sowas muss doch nochmal gesagt werden dürfen.

  • @ wachsamer
    Ich drück Ihnen die Daumen für Ihr Outing. Sie brauchen keine Angst zu haben, das ist auch normal. Sie sollten es nur nicht rumerzählen wenn sIe mal in Russland sind. Aber da werden sie bestimmt nicht hinfahren.
    Meine Frage galt auch eher el-olvidado. Aber er überlegt wohl noch.

  • @ColorfulColorado
    Alles Gute für Sie und werden Sie erwachsen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%