Staatskrise
Muslimbrüder geben sich unversöhnlich

Zum Fastenmonat Ramadan sucht Ägyptens Führung den Ausgleich. Doch die Muslimbruderschaft weist das Angebot zur Regierungsbeteiligung zurück. Immerhin bleiben dem Land Wirtschaftshilfen in Milliardenhöhe.
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KairoDie Muslimbruderschaft hat das Angebot zur Beteiligung an einer neuen ägyptischen Regierung ausgeschlagen. „Wir machen keine gemeinsame Sache mit Putschisten“, sagte ein Sprecher der Muslimbrüder am Mittwoch, nachdem der neue Regierungschef Hazem el-Beblawi der Partei der Bewegung eine Mitarbeit angeboten hatte. Die Muslimbrüder wiesen „alles zurück“, was mit dem „Staatsstreich“ zu tun habe, zitiert die Nachrichtenagentur AFP einen Sprecher.

Dabei hatte das Amt des ägyptischen Übergangspräsidenten Adli Mansur kurz vor Beginn des Fastenmonats Ramadan eine Versöhnungsinitiative in der kommenden Woche angekündigt. In einer Erklärung vom Dienstagabend hieß es, Ziel des Vorstoßes sei es, die Spaltung in der ägyptischen Gesellschaft zu überbrücken und Blutvergießen zu vermeiden, schreibt die Zeitung „Al-Ahram“ online. Alle seien eingeladen, an dieser allumfassenden Initiative mit dem Namen „Eine Nation“ teilzunehmen. Es solle die humanitäre Basis für eine Koexistenz gelegt werden.

Auch der neue Chef der Übergangsregierung, Hazem el-Beblawi, will offensichtlich Brücken bauen. Er will Vertreter der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit an der Regierung beteiligen. Die Partei ist der politische Arm der Muslimbruderschaft, aus der der vor einer Woche gestürzte islamistische Präsident Mohammed Mursi stammt. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Mena weiter schrieb, sollen auch Mitglieder der ultra-konservativen Nur-Partei der Übergangsregierung angehören.

Zuvor hatte Mansur bereits einen Fahrplan für Verfassungsänderungen und Neuwahlen binnen sechs Monaten präsentiert. Die ehemals regierende Muslimbruderschaft verlangt, dass Mursi wieder in sein Amt eingesetzt wird.


An diesem Mittwoch beginnt in Ägypten – wie auch in vielen anderen islamischen Ländern – der Fastenmonat Ramadan. In dieser Zeit nehmen gläubige Muslime zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang keine Nahrung und Getränke zu sich. Muslime gehen vermehrt in die Moschee. Für die rivalisierenden Lager bieten sich damit auch mehr Möglichkeiten, die Gläubigen für ihren Kurs zu mobilisieren.

In Kairo und anderen Städten demonstrierten am Dienstag erneut Zehntausende Anhänger der Muslimbruderschaft gegen die Absetzung Mursis. Im Gegenzug warnte das Oberkommando der bewaffneten Streitkräfte die Islamisten vor einer Fortsetzung ihrer Verweigerungspolitik. „Das Schicksal der Nation ist zu wichtig und zu heilig, als dass es – unter welchem Vorwand auch immer – Gegenstand von Manövern und Blockaden werden kann“, hieß es in der Erklärung, die im staatlichen Fernsehen verlesen wurde. Die Armee werde dies nicht hinnehmen, fügte der General hinzu.

Neuer Chef der Übergangsregierung ist der Ökonom und Sozialdemokrat Hazem el-Beblawi. Von Juli bis Dezember 2011 arbeitete er bereits als Finanzminister. Nach dem Sturz von Langzeitherrscher Husni Mubarak war er Mitbegründer der Ägyptischen Sozialdemokratischen Partei. Der Friedensnobelpreisträger und liberale Politiker Mohamed el-Baradei wurde zum Vizepräsidenten an der Seite von Übergangspräsident Mansur ernannt.

Kommentare zu " Staatskrise: Muslimbrüder geben sich unversöhnlich"

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  • @ Deadterrorist

    "Sie benötigen Argumente dafür, daß Islamisten sich nicht vom Westen ( = USA ) lenken lassen ?? --> schauen Sie fern."

    Das kann doch wohl nicht wahr sein ! Sie empfehlen allen Ernstes das Fernsehen als Informationsquelle ???
    Wie geistig bescheiden ist das denn ? Als nächstes kommt noch: "Hat doch in der Zeitung gestanden ..."

    Wer naiv alles glaubt, was aus der Glotze quillt - ja dem ist nur schwer zu helfen.

    Ich versuch's trotzdem mal:

    Der "kalte Krieg" ist vorbei - o.k. ... aber der (verdeckte) Krieg um die Rohstoffe hat gerade erst begonnen. Schauen Sie sich mal die Größe der neu entdeckten Erdgasfelder im östlichen Mittelmeer an. Wer die beherrscht (und die Zugänge dazu wie den Suez-Kanal), hat für die nächsten 100 Jahre ausgesorgt. Beherrschen lässt sich eine Region am leichtesten, wenn sie politisch destabilisiert wird. Das geht am besten durch die Unterstützung radikaler Kräfte, die unfähig sind, ein Land zu regieren - vor allem, wenn diese noch gegeneinander aufgehetzt werden (in Syrien unterstützt die CIA NACHWEISLICH Salafisten und andere sunnitische Terroristen. Die Muslimbrüder in Ägypten sind auch Sunniten. USA-Verbündeter Erdogan unterstützte Mursi.)

    Während also die USA die "sunnitische Karte" spielen, stehen die Russen auf der Gegnerseite und unterstützen Schiiten und Alawiten.

    Lesen Sie doch bitte mehr im Internet und schauen sie weniger fern.

  • Hafnersp,
    glauben Sie, wenn die Muslimbrüder von USrael gewollt wären, hätten sie so eine vernichtende Presse? Und Militärputschisten so eine gute?

    Es stimmt daß die Sache von USrael CIA AUSGING. Weil sich Mubarak klar gegen einen Krieg gegen Iran aussprach - das war sein Todesurteil.
    Allerdings war der Facebookmob und die westlichen Grüppchen in Ägypten dermaßen schwach, daß die Muslimbrüder das Vakuum schnell füllten.
    Die Ägypter waren auch nicht so blöd, die zionistischen Köder zu fressen.
    Erinnern sie sich an die Hetze hierzulande gegen sie, obwohl klarster Mehrheitswillen.
    Die Wahlen waren aber so eindeutig gegen die westlichen Vasallengrüppchen, daß man Zeit brauchte.

    Mit den Muslimbrüdern wäre ein Krieg gegen Iran für die Zionisten unmöglich gewesen (Suezkanal!). Dieser "falsche" Volksentscheid wurde jetzt rückgängig gemacht.
    Und sofort gibt's in den Ziomedien die gute Presse für Putschisten und die im Wachkoma befindlichen Deutschen kapieren gar nicht, wie die Welt damit dem nächsten Angriffskrieg der Zionisten engegengeführt wird.
    Armes Deutschland, arme Welt.

  • "Zum Fastenmonat Ramadan sucht Ägyptens Führung den Ausgleich."

    Zuerst erschieße ich dich, putsche mich an die Macht und die Ziomedien machen dann das daraus...

    "Doch die Muslimbruderschaft weist das Angebot zur Regierungsbeteiligung zurück."

    Womit die Lügenpropaganda von den pösen Muslimbrüdern und den braven Zionsputschisten noch mehr verstärkt wird.

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