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05.05.2008 
Frankreich

Staatsmann im Gegenwind

von Holger Alich und Ruth Berschens

Den „Bruch“ hatte er den Bürgern vor seiner Wahl zum Staatspräsidenten versprochen. Nicolas Sarkozy hat Wort gehalten: Kein Staatspräsident Frankreichs hat nach nur einem Jahr im Amt so gründlich mit dem Volk gebrochen wie er. Doch nicht nur sein offen zur Schau getragenes Privatleben bringt die Franzosen gegen ihn auf – die Gründe für den Absturz.

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat die Franzosen in seiner einjährigen Amtszeit gegen sich aufgebracht. Foto: ArchivLupe

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat die Franzosen in seiner einjährigen Amtszeit gegen sich aufgebracht. Foto: Archiv

PARIS. Nur noch etwa ein Viertel der Wähler spricht Sarkozy das Vertrauen aus – das ist der schlechteste Wert aller Präsidenten der Fünften Republik. Auch das Verbrauchervertrauen hat mit minus 37 Punkten im Jahr eins nach Sarkozy historische Tiefststände erreicht.

Beobachter machen zwei Ursachen für diesen Absturz aus: Zum einen Sarkozys anfänglichen Stil, sein Privatleben zur Schau zu stellen: „Diese Diskrepanz aus Sarkozys medialer Überpräsenz und den realen Wirtschaftsproblemen der Franzosen war für ihn fatal“, urteilt Frédéric Dabi, vom Umfrageinstitut Ifop. Vor allem auf die Einlösung des Wahlversprechens, die verfügbaren Einkommen zu erhöhen, warten die Franzosen bislang vergeblich. Zum anderen vermissen selbst Wohlgesinnte eine klare Linie bei den Reformen: „Das ist alles Stückwerk“, schimpft Wirtschaftsprofessor Christian Saint-Etienne.

Dabei hatte alles so gut angefangen: Vor einem Jahr, am 6. Mai 2007, hatte Sarkozy mit deutlichem Vorsprung seine sozialistische Kontrahentin Ségolène Royal besiegt. Dem neuen starken Mann Frankreichs flog alles zu: die bedingungslose Gefolgschaft seiner Partei UMP, die Sympathie der großen Mehrheit der Franzosen und reihenweise Überläufer aus den Reihen der Opposition. So warb Sarkozy mit Bernard Kouchner einen der beliebtesten Sozialisten ab und machte ihn zum Außenminister.

Doch statt den Elan zu nutzen, vergrätze Sarkozy die Wähler mit seinem Auftreten: Gleich nach dem Wahlsieg rauschte er mit Privatjet samt Familie auf die Privatyacht des Milliardärs Vincent Bolloré zur Erholung. In diesem Stil ging es munter weiter: Statt sich als ernster Landesvater zu präsentieren, der sich um das Wohl des Volkes müht, benahm sich Sarkozy wie ein neureicher Lebemann.

Vor den Augen der Medien ließ er sich scheiden, verliebte sich neu und heiratete wieder – das alles mit Ray-Ban-Sonnenbrille auf der Nase und Rolex-Uhr am Handgelenk. Selbst bei der Papstaudienz konsultierte Sarkozy die SMS-Kurzmitteilungen auf seinem Handy. Die Franzosen sorgten sich um steigende Energie- und Nahrungsmittelpreise; ihr Präsident sauste mit einem Ex-Model zum Luxus-Urlaub nach Jordanien. Das Klatschblatt „Paris Match“ widmete zwischen Mai 2007 und Ende April allein 13 Titelgeschichten dem Präsidenten und seinem Liebesleben. Das wirkte auf das Volk wie pure Provokation. „Präsident bling-bling“ nannten ihn die Franzosen nur noch abfällig. Inzwischen hat sich Sarkozy zurück genommen: Die Rolex ist verschwunden, er gibt sich ruhig und seriös.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Fehlen der wirtschaftpolitischen Linie.

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