Staatssekretär kritisiert EU wegen Informationspolitik zur Tierseuche – Nachfrage nach Medikamenten steigt
Berlin und Brüssel streiten über Grippe

Die Bundesregierung hat die Kommission wegen ihrer widersprüchlichen Angaben zum Ausbruch der Vogelgrippe in Rumänien kritisiert. Verbraucherstaatssekretär Alexander Müller warf der Brüsseler Behörde vor, mit den Sorgen der Geflügelhalter und Bürger nicht verantwortungsbewusst umzugehen. Nachdem sie am Mittwoch im Fall der rumänischen Verdachtsfälle öffentlich Entwarnung gegeben habe, sei diese Entwarnung nur einen Tag später teilweise revidiert worden.

huh/pt BRÜSSEL/BERLIN.EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou hatte gestern mitgeteilt, dass sich entgegen erster Meldungen der Vogelgrippe-Verdacht in Rumänien bestätigt habe. Anders als in der Türkei sei aber noch unklar, ob es sich um das für Menschen lebensgefährliche Virus H5N1 handele. Die Testergebnisse sollen heute vorliegen. Kyprianou begründete die widersprüchlichen Angaben der Brüsseler Behörde damit, dass erst bei einem zweiten Test das Virus gefunden worden sei. Beide Untersuchungen seien von den rumänischen Behörden vorgenommen worden.

Ebenfalls gestern wurde bestätigt, dass die in einem Dorf im Nordwesten der Türkei verendeten Puten mit dem für Menschen tödlichen Grippevirus infiziert waren. Müller forderte eine Sondersitzung der zuständigen EU-Gremium, um die Situation neu zu bewerten. Die Bundesregierung will über die am Mittwoch beschlossenen schärferen Kontrollen für Reisende aus Asien, Rumänien und der Türkei zunächst aber keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. „Wir haben in Deutschland keinen Virusfall“, betonte Verbraucherschutzminister Jürgen Trittin (Grüne). Auch gebe es noch keine Beweise, dass Zugvögel von der Türkei nach Deutschland fliegen und damit eine Übertragung möglich sei. Deshalb sei zunächst kein Freilaufverbot für Geflügel geplant. Ein Risiko geht nach Ansicht der Bundesregierung vor allem von illegalen Tiertransporten aus.

Gestern verhängten dennoch weitere Bundesländer wie Baden-Württemberg und Niedersachsen freiwillig ein Freilaufverbot. Dies fordert auch die deutsche Geflügelwirtschaft, um ihre Tierbestände zu schützen. Das Bundesinstitut für Tiergesundheit dagegen hält ein Freilaufverbot für nicht erforderlich.

Aus Angst vor der Vogelgrippe decken sich die Deutschen verstärkt mit Grippemedikamenten ein. Die Nachfrage sei in den vergangenen Wochen extrem gestiegen, teilte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) mit. Nach Angaben des Hamburger Tropeninstituts besteht aber aktuell keine Gesundheitsgefahr für die Bürger in Deutschland. Daran habe auch das Auftauchen des lebensbedrohlichen Vogelgrippe-Subtyps H5N1 in der Türkei nichts geändert. „Die Vogelgrippe ist eher eine Art Berufskrankheit“, sagte eine Institutssprecherin. Bisher hätten alle Infizierten engen Kontakt zu befallenem Geflügel gehabt. Zudem werde der Erreger nicht von Mensch zu Mensch übertragen. In Asien sind seit 2003 an der Vogelgrippe 60 Menschen gestorben.

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