Stabilität lockt arabische Investoren
Türkei profitiert von Nahost-Krise

Der Krieg im Libanon wird nach Einschätzung von Analysten dazu führen, dass künftig noch mehr Petro-Dollars in die Türkei fließen. Die türkische Wirtschaftsmetropole Istanbul profitiert davon, dass Beirut als Finanzplatz vorerst ausfällt.

ISTANBUL. In diesem Zusammenhang ist auch der Besuch des saudischen Königs Abdullah in der Türkei zu sehen. In seinem Gefolge bringt er eine 45-köpfige Wirtschaftsdelegation mit. Die Unternehmer wollen sich nach Investitionsmöglichkeiten umsehen. Nachdem der Libanon in den vergangenen Jahren einer der Lieblingsplätze der arabischen Anleger war, transferieren sie nun ihre Gelder in Märkte, die als stabiler gelten.

Die Türkei sei „die erste Station bei der Repatriierung von Geldern aus dem Nahen Osten“, sagt Simon Quijano-Evans, Volkswirt für Schwellenmärkte bei Bank Austria CA-IB. Welches Volumen die Transfers haben, ist noch schwer abzuschätzen. Ein Indiz für den Zustrom ist, dass die türkische Lira seit Mitte Juli um rund sechs Prozent aufwertete. Die Gelder würden in „erheblichem Umfang, aber zugleich sehr diskret“ aus Beirut abgezogen, berichtet ein türkischer Finanzexperte. Offenbar solle nicht der Eindruck entstehen, die arabischen Investoren ließen den Libanon gerade jetzt im Stich. Nicht zuletzt dank ausländischer Investitionen hatte sich der Libanon von den Folgen des Bürgerkrieges erholen können, der das Land zwischen 1975 und 1991 heimsuchte. Im vergangenen Jahr strömten ausländische Direktinvestitionen in Höhe von zwei Mrd. Dollar ins Land, was immerhin zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts entsprach. Der Großteil der Gelder kam aus der Golfregion.

Der Index der Beiruter Börse legte 2005 um fast 100 Prozent zu. Auch für dieses Jahr schienen die Aussichten glänzend, nicht zuletzt angesichts der stark steigenden Exporterlöse der nahöstlichen Öl-Staaten. Doch diese Hoffnungen haben sich zerschlagen. „Dieser Krieg lähmt uns, er ist eine Katastrophe für unsere Wirtschaft“, sagt Libanons Wirtschaftsminister Sami Haddad.

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