Stadt für sicher erklärt
Angst vor dem ganz großen Grauen

Mehr als eine Woche nach der Hurrikankatastrophe wird das verdreckte Flutwasser in den Straßen von New Orleans langsam abgepumpt - und damit werden möglicherweise zahlreiche Leichen freigelegt. „Es wird furchtbar werden und die Nation erneut wachrütteln“, prophezeite Bürgermeister Ray Nagin am Dienstag. Er schloss nicht aus, dass bis zu 10 000 Menschen ihr Leben verloren. Experten warnten zugleich, das aus der überfluteten Stadt abgepumpte Wasser sei so von Giftstoffen belastet, dass es eine Umweltkatastrophe auslösen könnte.

HB NEW ORLEANS. Nach andauernder Kritik an der langsamen Washingtoner Reaktion auf die Katastrophe sprach sich US-Präsident George W. Bush am Dienstag erstmals selbst für eine Untersuchung zur Aufdeckung möglicher Pannen und Versäumnisse aus. Eine unmittelbare Untersuchung der nur schleppend angelaufenen Hilfe lehnte er aber ab.

Nach Tagen andauernder Gewalt in New Orleans wurde die Stadt am Dienstag für sicher erklärt. Der größte Hoffnungsschimmer aber war das Absinken des Wassers. Nachdem die Reparatur von zwei gebrochenen Deichen gelungen war, begannen Heerespioniere damit, die verdreckte Brühe mit Pumpen aus New Orleans abzupumpen und in den Pontchartrain-See zurückzuleiten. In manchen Straßen sank der Wasserspiegel binnen weniger Stunden um fast 25 Zentimeter, und an einigen Stellen konnten die Rettungs- und Bergungsmannschaften erstmals trockenen Fußes ihre Suche nach Lebenden und Toten fortsetzen.

Bürgermeister Nagin sagte im US-Fernsehen, nach Wut und Verzweiflung sehe er nun Zeichen für eine Wende. Zugleich fürchte er aber das, was sich unter dem verseuchten Wasser verberge. Nach Angaben des Bürgermeisters wird es rund drei Wochen dauern, die Stadt auszutrocknen, und mehrere weitere Wochen, Schutt und Trümmer wegzuräumen. Bis die Elektrizitätsversorgung wiederhergestellt sei, würden bis zu zwei Monate vergehen. Nagin warnte auch vor Epidemien.

Unterdessen geht die Bergung der Opfer in den Katastrophengebieten weiter. In der Lagerhalle der Kleinstadt Saint Gabriel in Louisiana wurde eine riesige Leichenhalle eingerichtet, die bis zu 5000 Tote aufnehmen kann. Ein Team aus 100 Mitarbeitern soll in Schichten rund um die Uhr die Toten identifizieren. Offiziell liegen die Totenzahlen noch bei wenigen hundert, aber auch die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, äußerte am Dienstag erneut die Befürchtung, dass sie in die Tausende gehen wird.

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