Städte im Dunkeln
Stromabschaltungen gegen Privatisierung

Gegen den Plan, den staatlichen Stromkonzern EDF in eine normale Aktiengesellschaft zu verwandeln, haben die Französischen Gewerkschaften am Dienstag mit Stromabschaltungen und Kundgebungen protestiert.

HB PARIS. Ganze Provinzstädte wie Cahors und Figeac blieben stundenweise im Dunkeln. Das Kraftwerk Gardanne bei Marseille wurde abgeschaltet, eine Stromleitung nach Italien gekappt. In Paris und zahlreichen anderen Städten demonstrierten Zehntausende für die Erhaltung des EDF-Sonderstatus.

Der Unternehmerverband MEDEF und das Privathaus des MEDEF-Chefs Ernest-Antoine Seillère waren zeitweise ebenso ohne Stromversorgung wie Präfekturen, Rathäuser und Büros von Politikern wie dem UDF-Chef François Bayrou. Bei Bordeaux schweißten die Gewerkschafter die Türen der EDF-Filialen zu, anderswo konfiszierten sie die Computermäuse. Privatkunden, die ihre Rechnungen nicht bezahlt hatten, bekamen dafür kostenlos Strom geliefert. Eher symbolische Stromabschaltungen betrafen Konzerne wie Aventis, Michelin, Peugeot und Nesté.

Der Chef der KP-nahen Gewerkschaft CGT, Bernard Thibault, rief Staatspräsident Jacques Chirac auf, die Reform des EDF-Statuts zu stoppen. Ein Kompromiss sei „derzeit nicht möglich“, sagte er. Der Nationalversammlung liegt seit Dienstag ein Gesetzentwurf vor, der die Umwandlung der EDF in eine Aktiengesellschaft vorsieht. Die überschuldete EDF könnte dann für Privatkapital geöffnet werden. Bereits seit Wochen kämpfen die Gewerkschaften mit Stromabschaltungen dagegen an. Die Regierung hat zugesichert, dass der hoch verschuldete Konzern mehrheitlich in Staatsbesitz bleibt und die Beschäftigten ihre garantierten Vorrechte behalten.

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