Stärkeres Engagement gefordert
EU schont Brasilien bei Klimaschutz

Knapp zwei Monate vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen haben Brasilien und die Europäische Union mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung gefordert. Die Gipfelerklärung verzichtete aber auf verbindliche CO2-Reduktionsziele und forderte ein stärkeres Engagement vor allem von den USA und China.

BRÜSSEL. Vor allem die USA müssten sich bewegen und verbindliche Ziele beim Abbau von Treibhausgasen akzeptieren, forderte Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bei einem Gipfeltreffen mit der EU in Stockholm. Auch China sei gefordert. Er werde persönlich nach Kopenhagen reisen, um das Klimaabkommen voranzubringen, kündigte Lula an.

Auch die EU gab sich kämpferisch: "Wir wollen den Druck noch erhöhen", sagte der amtierende EU-Ratspräsident und schwedische Regierungschef Fredrik Reinfeldt nach Gesprächen mit Lula. Deshalb werde es im November ein weiteres Treffen zur Vorbereitung des Klimagipfels geben. Neben Brasilien sollen daran auch andere Staaten teilnehmen, kündigte Kommissionspräsident José Manuel Barroso an: "Wir wollen sehen, ob wir nicht noch andere Länder mit ins Boot holen können."

In Kopenhagen soll ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Klimaschutzprotokoll von Kyoto beschlossen werden. Die EU hat sich verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Wenn andere Industrieländer mitziehen, will Europa das Ziel auf 30 Prozent erhöhen. Im Fall eines Scheiterns der Kopenhagener Konferenz drohen die Europäer Ländern ohne Umweltauflagen dagegen mit Klima-Strafzöllen. Die EU habe die Debatte über solche Grenzsteuern nur bis Kopenhagen zurückgestellt, sagte Reinfeldt.

Die Strafen könnten auch Brasilien treffen. Das südamerikanische Land ist weltweit der fünftgrößte Produzent von Treibhausgasen. Dies liegt vor allem an der Brandrodung im Amazonas-Gebiet. Brasiliens Umweltminister Carlos Minc hat zwar bereits zugesagt, die Rodungen von 2008 bis 2018 so weit zu verringern, dass 4,8 Mrd. Tonnen weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen. Unklar ist jedoch, ob sich Brasilien auch zur Verringerung seiner industriellen CO2-Emissionen verpflichten wird.

Lula erklärte, er erwarte Gegenleistungen für die eigenen Anstrengungen zur Bewahrung der Regenwälder. Auf die von der EU erhofften verbindlichen Zusagen ließ er sich dagegen nicht ein. In der Abschlusserklärung des Stockholmer Treffens ist denn auch nur von "rechtlich bindenden Verpflichtungen für entwickelte Länder" die Rede. Aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien sollen hingegen mit "angemessenen" nationalen Plänen zum Abbau der Treibhausgase davonkommen.

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