Starker Franken

Schweiz droht mit Negativzinsen

Die Schweiz will gegen die Aufwertung ihrer Franke-Währung notfalls alle Register ziehen. Finanzministerin Widmer-Schlumpf prüft als Option unter anderem Kapitalkontrollen und Negativzinsen auf ausländische Konten.
12 Kommentare
Die Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf. Quelle: Reuters

Die Schweizer Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf.

(Foto: Reuters)

ChurIm Kampf gegen die Franken-Aufwertung will die Schweiz notfalls schwerere Geschütze auffahren. Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf machte am Wochenende deutlich, dass nach der Zentralbank auch die Regierung tätig werden könnte. Als Möglichkeiten nannte sie Kapitalkontrollen und Negativzinsen auf Kontoguthaben von Ausländern. Damit könnten im Bedarfsfall Investoren davon abgehalten werden, ihr Kapital massenweise in Franken-Anlagen in Sicherheit zu bringen.

Angeheizt wird dieser Trend vor allem durch die europäische Schuldenkrise und die schwachen Aussichten für die Weltwirtschaft. Dadurch wird der Kurs der Schweizer Währung hochgetrieben, was der stark auf Export orientierten Wirtschaft erheblich schadet.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) geht mit einer Nullzinspolitik und massiven Devisenmarktinterventionen gegen die Franken-Stärke vor. Anfang September legte sie zusätzlich einen Mindestkurs zum Euro fest. Die Währungshüter wollen mit unbeschränkten Euro-Käufen verhindern, dass die europäische Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,20 Franken fällt. Widmer-Schlumpf zeigte sich zufrieden mit dem bisherigen Erfolg. Sie sprach von eine sehr guten Maßnahme und bezeichnete die Wechselkursgrenze als derzeit angemessen. Zuletzt hatte es am Devisenmarkt Gerüchte gegeben, die SNB werde die Marke auf 1,25 Franken anheben. Händlern zufolge wurden sie allerdings von Investoren in die Welt gesetzt, die auf eine Schwächung des Franken wetteten.

Die Ministerin hielt sich bedeckt dazu, ob eine Erhöhung des Euro-Mindestziels auf 1,25 oder 1,30 Franken geboten sein könnte. „Es ist nicht an mir, das zu beurteilen“, sagte sie am Samstag in Chur. „Die SNB prüft das regelmäßig.“ Bislang habe die Notenbank den gewünschten Effekt erzielt.

Daher seien flankierende politische Schritte wie Kapitalkontrollen oder Negativzinsen momentan kein Thema, betonte Widmer-Schlumpf. Sie würden aber von einer Expertengruppe der Regierung ausgelotet, um gegebenenfalls eingesetzt werden zu können. SNB-Präsident Philipp Hildebrand hatte Negativzinsen auf Guthaben von Ausländern in der Schweiz am Donnerstag als ungeeignetes Mittel bezeichnet.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Starker Franken - Schweiz droht mit Negativzinsen für Ausländer

12 Kommentare zu "Starker Franken: Schweiz droht mit Negativzinsen für Ausländer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Pfffffffffffffffffft, da war die Luft raus!

  • ...n, es ...

  • Hehe, Sie meinen es wird wie bei denen kommen?

    http://www.wirtschaftsfacts.de/?page_id=4

  • Es lebe die freie Marktwirtschaft.

  • Ich kann das Schweizer Verhalten vollkommen nachvollziehen. Es darf nicht so weitergehen, dass einige Waehrungszocker ganze Volkswirtschaften in den Abgrund stuerzen koennen. Dazu kommt noch die ruecksichtslose Gelddruckpolitik der USA, welche die Flucht aus dem Dollar erzwingt.

    Wenn die Volkswirtschaft eines Landes erst am Boden ist, dauert es lange, den urspruenglichen Zustand nach solchen Waehrungsattacken wieder zu erreichen. Arbeitsplaetze wurden zerstoert, Betriebe vernichtet und Handelsbeziehungen verloren.

  • Die Schweiz degradiert sich gerade zum 17.Bundesland der BRD. Erst wenn es zu spaet ist, merken die Schweizer, dass sie einmal vom Geld der Auslaender gelebt haben.

  • Auch 'ne Möglichkeit die Zahlungen der Schweiz aufgrund des neuen Steuerabkommens mit Deutschland zu mindern.
    Das sind schon Füchse da in der Schweiz.
    Und die Anleger tragen dann immer noch das Geld in die Schweiz.
    In einem Artikel in der Zeit war eine andere Erklärung für dieses Verhalten die momentan nicht mehr abwegig erscheint:
    Die Leute die ihr Geld in der Schweiz bunkern tun das primär nicht um Steuern zu sparen sondern um es vor den Zugriff des Staates zu schützen, falls es zu Sonderabgaben, Enteignung oder dergleichen aufgrund von Krisen oder Ausnahmezuständen kommt.
    Irgendwann kommt es zum Reset des Geldsystems. Dieser verdammte Zinseszins und die Gier der Anleger führt zwangsläufig dazu. Die Frage ist nur wann.
    Und dann wird es auch in Europa einen "New Deal" geben.
    http://de.wikipedia.org/wiki/New_Deal

  • "Daher [...] Kapitalkontrollen oder Negativzinsen momentan kein Thema, betonte Widmer-Schlumpf."
    Jana, wie sagte schon der gute alte Herr Steinbrück: "Die Kavallerie in Fort Yuma muss nicht immer ausreiten, manchmal reicht es, wenn die Indianer wissen, dass sie da ist"

  • Guten Tag,... Vor langer langer Zeit als Bankiers noch Bankiers waren( Nicht Banker.. das ist etwas ganz anderes ) gab es schon mal Negativzinsen auf CHF ( SF ) mir ist aber niemand bekannt der sich deswegen von seinen Schweizer Franken getrennt haette. Im Gegenteil.... Hauptsache weg aus Deutschland... Kohl, Dregger, Kiep... CDU und aehnliche lichtscheuen Gestalten. Besten Dank

  • Die Schweiz handelt seit geraumer Zeit so irrwitzig, dass man glaubt schlecht getraeumt zu haben. Die Welt ist gross, niemand braucht die Schweiz. Wer sich der deutschen Kavallerie beugt, versinkt zu recht in der Bedeutungslosigkeit. Der schweizer neue Weg macht mich allerdings fassungslos ! Das ist schon Todessehnsucht.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%