Start der Beitrittsgespräche
EU öffnet der Türkei die Türen

Die Anspannung der vergangenen zwei Tage fiel am Dienstagmorgen von allen Beteiligten ab. Zu der Zeit traf der türkische Außenminister bei seinen EU-Amtskollegen in Luxemburg ein.

HB LUXEMBURG. Um 23.45 Uhr am Montag wurden die Türen weit für die Türkei geöffnet - und es wehte ein kühler Wind vom Luxemburger Kirchberg in das Konferenzgebäude. Um 0.25 Uhr dann kam er endlich, der Langerwartete. Abdullah Gül, Außenminister der Türkei, erschien zur ersten Verhandlung über den Beitritt seines Landes zur Europäischen Union.

Nur Stunden zuvor hatte die Europäische Union ihren internen Streit über den Beitritt als Ziel der Verhandlungen beigelegt. Gül war von Ankara nach Luxemburg geflogen, nachdem die türkische Regierung den Änderungen des Rahmentexts für die Beitrittsgespräche zugestimmt hatte.

Der Versuch des britischen Kollegen und EU-Ratsvorsitzenden Jack Straw, ihn zu umarmen, traf Gül unvorbereitet: Etwas verkrampft wich er dem Kussmund des Engländer aus, bevor ihn unabwendbar die Umarmung des finnischen Erweiterungskommissars Olli Rehn ereilte.

Überhaupt konnte der direkt aus Ankara eingeflogene Gül nicht nur etwas über die ungestümen Begrüßungsrituale in der EU dazulernen, sondern auch über den lockeren Umgang mit Raum und Zeit. Am Montag, dem 3. Oktober, hatten die Erweiterungsverhandlungen laut Beschluss des EU-Gipfels vom Dezember 2004 beginnen sollen. Und weil es wegen des rund 30-stündigen internen Streits der EU nun doch schon Dienstagmorgen gewesen war, enthüllte Straw kurz nach der Geisterstunde, es sei eigentlich doch noch Montag: „Ich habe kurz vor Mitternacht britischer Zeit zu reden begonnen. Und es gilt natürlich die Zeit der Ratspräsidentschaft.“

Die überbordende gute Laune spiegelte die Erleichterung Straws und Güls darüber wider, dass ihnen ein politisches Desaster erspart blieb. Straw, derzeit EU-Ratsvorsitzender, hatte es geschafft, Österreich zum Einlenken in der Frage des Verhandlungsziels zu bewegen. Dabei hatte er Wien - etwa bei der Berücksichtigung der „Aufnahmefähigkeit“ der EU für neue Mitglieder - nur so viel zugestanden, wie auch die Türken verkraften konnten. Und deswegen war auch Gül froh: Er musste sich nicht vorwerfen lassen, die nationale Ehre der EU geopfert zu haben. „Wir haben bekommen, was für uns wichtig war“, sagte er stolz den heimischen Journalisten.

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