0 Bewertungen
24.06.2008 
Nahost-Konferenz

Starthilfe für Palästinenser-Staat

Mit erheblicher Finanzhilfe will die internationale Gemeinschaft die Grundlagen für einen funktionierenden Palästinenserstaat schaffen. Auf einer hochrangig besetzten internationalen Konferenz in Berlin sagten Vertreter von mehr als 40 Ländern der palästinensischen Autonomiebehörde 156 Millionen Euro für den Aufbau von Polizei, Justiz und Strafvollzug zu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, hier mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fajad, sagte über das bisherige deutsche Engagement hinaus 15 Millionen Euro zu. Foto: dpaLupe

Bundeskanzlerin Angela Merkel, hier mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fajad, sagte über das bisherige deutsche Engagement hinaus 15 Millionen Euro zu. Foto: dpa

BERLIN. 15 Millionen Euro davon kommen aus Deutschland. Von einem „klaren Unterstützungssignal für einen Palästinenserstaat“ sprach Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.

Mit den konkreten Zusagen sollen auch die laufenden Gespräche zwischen Israel und Palästinensern für eine Zwei-Staaten-Lösung unterstützt werden. Hierfür soll noch 2008 eine Lösung gefunden werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem „Mosaiksteinchen“ für die Zweistaatenlösung. Im kommenden Jahr wollen die Niederlande und Großbritannien eine Konferenz organisieren, die die Umsetzung der Beschlüsse kontrollieren soll.

Israels Außenministerin Zipi Livni betonte, eine Friedenslösung mit den Palästinensern sei nur möglich, wenn Israel nicht mit einem „failing state“ an seiner Grenze rechnen müsse. Deshalb unterstütze Israel den Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen in den Palästinensergebieten.

Die EU will nun ihre bereits existierende Polizei-Mission Eupol verstärken und insgesamt 6000 bis 7000 Zivilpolizisten ausbilden. Bei der in Berlin vereinbarten Hilfe geht es aber auch um den Aufbau neuer Polizei- und Justizgebäude sowie die Ausrüstung mit Fahrzeugen und Computern. Erstmals wurde in der Abschlusserklärung festgelegt, dass sich Amerikaner und Europäer die Arbeit beim Aufbau palästinensischer Sicherheitskräfte teilen. Die USA konzentrieren ihre Hilfe dabei auf den Aufbau von bewaffneten Streitkräften eines Palästinenserstaates.

Trotz aller Harmoniebeteuerungen wurde aber auch deutlich, wie heikel die Lage in Palästina ist. Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fayyad und der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, betonten, dass Israel unbedingt seine Militäraktionen und den Siedlungsbaus in den besetzten Gebieten stoppen müsse. Israels Außenminister Livni betonte dagegen, es gebe Probleme bei der Bekämpfung radikaler Kräfte in den Palästinensergebieten. Weder sie noch US-Außenministerin Condoleezza Rice nahmen an der Abschlusspressekonferenz teil.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück vor
  • Müntefering ist wieder ga...

    Müntefering ist wieder ganz oben

    Franz Müntefering soll Kurt Beck als SPD-Vorsitzenden ablösen. Damit übernimmt der Sauerländer einen Posten, den er schon einmal hatte – und zwar von März 2004 bis November 2005. Er legte damals das Amt nieder, weil er seinen Wunschkandidaten im Parteivorstand nicht al...Bildergalerie 

  • Steinmeiers Freunde und F...

    Steinmeiers Freunde und Feinde

    Alles läuft auf ihn zu: Frank-Walter Steinmeier könnte die SPD bei der Wahl 2009 anführen. Doch nicht alle führenden Genossen sind ihm wohl gesonnen. Wie jeder Politiker hat auch Steinmeier parteiinterne Gegner und Unterstützer. Seine Freunde und Feinde im Überblick. Bildergalerie 

  • „Datendieben den Garaus m...

    „Datendieben den Garaus machen“

    Auf einem Gipfeltreffen, das heute in Berlin stattfindet, suchen die Bundesregierung und Verbraucherverbände Wege, den illegalen Handel mit Kundendaten einzudämmen. Unternehmen fürchten das Verbot und warnen vor zu viel Regulierung. Einen Kompromiss zu finden könnte sc...Bildergalerie 

  • McCain begeistert die Rep...

    McCain begeistert die Republikaner

    Hurrikan Gustav und eine Schwangerschaft wirbelten den Parteitag der Republikaner durcheinander. Doch Vizekandidatin Palin begeisterte trotz des Familien-Skandals. Das Parteitreffen rundete dann John McCain mit einer umjubelten Rede ab.Bildergalerie 

 

weiterGlobal Reporting

Ein-Parteien-Parlament in Ankara? 

07.09.2008, 12:18 UhrGlobal Reporting

Wie schnell sich die Zeiten ändern: noch vor sechs Wochen balancierten der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan und seine islamisch-konservative AKP im Verbotsverfahren vor dem türkischen Verfassungsgericht am Rand eines politischen Abgrunds. Nun steht die Partei stärker da als je zuvor. Blog


weiterMadagaskar

Back to the USSR 

20.08.2008Madagaskar

Krieg als Mittel der Politik ist auch im 21. Jahrhundert keine Ausnahme und nicht den Despoten vorbehalten. Blog