Stefan Winter
„Globale Abstimmung statt Alleingänge“

Stefan Winter spricht im Handelsblatt-Interview über die Basel-III-Regeln und über die Gefahr eines Währungskrieges. Der Vorsitzender des Bundesverbandes der Auslandsbanken und Chef des Investment-Bankings der UBS in Deutschland über die Reformen, die er sich wünscht - und die Reformen, mit denen er tatsächlich rechnet.
  • 0

Herr Winter, blicken die Banken mit großen Erwartungen auf die IWF-Herbsttagung?

Stefan Winter: Wir benötigen mehr globale, internationale Abstimmung und weniger nationale Alleingänge. Das ist wichtig für die Finanzdienstleister, aber auch für die Märkte und die Wirtschaft. Die Herbsttagung bietet beste Chancen, hier etwas voranzubringen.

Wäre nicht eine globale Bankenaufsicht der erste Schritt aus internationaler Sicht?

Winter: Richtig. Doch leider ist das vorläufig unrealistisch. Zunächst ist eine Harmonisierung der Bankenaufsicht für Europa wichtig. Die nationalen europäischen Behörden arbeiten im Hinblick auf die kürzlich vereinbarten neuen europäischen Aufsichtsstrukturen darauf hin, tun sich aber noch schwer damit.

Schwer - warum?

Bankenrettung ist am Ende immer noch national, weil der eigene Haushalt betroffen ist. Deswegen wollen die einzelnen Staaten sie nicht aus der Hand geben. Denn im Fall des Falles kommen die Probleme wie ein Bumerang zurück.

Das heißt ...?

Wir benötigen ein einheitliches Regelwerk für Europa. Danach kann man die gesamte Aufsicht auf eine europäische Behörde übertragen. Wenn wir das in zehn Jahren schaffen, wäre das gut.

Die geplanten internationalen Regeln für die Banken nach Basel III sehen lange Übergangsfristen vor, die bis 2018 gehen. Da müssen sie doch jubeln.

Die Übergangsfristen helfen in der Theorie den Banken sehr. Das gibt Luft, um unnötige Engagements etwa in Wertpapieren abzubauen und Bilanzen zu bereinigen. Es wird sich allerdings zeigen, dass auch Institute mit längeren Übergangsfristen einem Gruppenzwang unterliegen werden, der die Vorgaben setzen wird. Ob die Zeit dann ausreichend ist, Gewinne zu thesaurieren, muss man abwarten. Aber hier hilft die Niedrigzinspolitik der Notenbanken.

Läuft diese gute Welt bald aus?

Jein, viele Institute haben sich bereits neu aufgestellt und müssen künftig weniger tun. Für die stark vom privaten Kunden abhängigen Banken ist die Lage allerdings nicht einfach, wegen der niedrigen Zinsen und rückläufigen Kommissionserlöse. Eine Zinserhöhung wäre jedoch andererseits problematisch. Das können sich die Notenbanken nicht erlauben, ohne dass sie die wirtschaftliche Erholung infrage stellen.

Ist der stärkere Euro ein Problem? Geraten wir in einen Währungskrieg?

Das sehe ich nicht. Mit dem jetzigen Wechselkursniveau können alle gut leben - auch die deutsche Wirtschaft. Aber zugegeben, die Balance ist fragil und darf nicht durch Zinserhöhungen gefährdet werden.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Stefan Winter: „Globale Abstimmung statt Alleingänge“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%