Steigende Lohnkosten erwartet
Polen lockt vor allem als Absatzmarkt

Polen muss aufholen, wenn es im Wettbewerb um Investoren nicht von kleineren Ländern abgehängt werden will. Vor allem die Lohnkosten werden steigen, bestätigt der stellvertretende Wirtschaftsminister Miroslaw Zielinski dem Handelsblatt.

rev WARSCHAU. Zwar liegt der Durchschnittslohn noch bei rund 600 Euro, aber Zielinski geht davon aus, „dass wir in etwa zehn Jahren das Durchschnittsniveau der Europäischen Union erreicht haben werden“.

Minister Zielinski räumt darüber hinaus ein, dass Polen gegenüber Ländern wie Tschechien und Ungarn schlechter dastehe, wenn es um die Qualität der Infrastruktur gehe, etwa das Autobahn- und Straßennetz. „Aber wir holen auf“, verspricht er. Er fügt aber hinzu, dass auf jeden Fall Polen mehr tun müsse für die Innovationsförderung sowie für das Zusammenwirken von Staat, Wissenschaft und Privatwirtschaft.

Der Ökonom Jan Szomburg vom renommierten Danziger Institut für marktwirtschaftliche Untersuchungen führt dieses Problem auf die traditionelle Schwäche des Staates in Polen zurück. „Die Regierung und das Parlament haben oft Probleme, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die entsprechenden Finanzmittel dafür zur Verfügung zu stellen“, sagt Szomburg.

Doch unabhängig von strukturellen Problemen kann Polen vor allem mit seiner Größe punkten. Mit fast 40 Millionen Einwohnern bietet das Land Investoren den größten Absatzmarkt der neuen EU-Mitglieder. Und so rechnet die polnische Regierung weiter mit Investoren aus dem Westen. Das Interesse internationaler Konzerne habe seit Ende des vergangenen Jahres sogar zugenommen, sagt der stellvertretende polnische Wirtschaftsminister Zielinski. „Zurzeit verhandeln wir über etwa 140 Projekte für Investitionen auf der grünen Wiese.“

Die deutsch-polnische Industrie- und Handelskammer registrierte außerdem wachsende Anfragen kleiner und mittelständischer Unternehmen wegen eines möglichen Engagements in Polen. Auch westliche Experten sind der Ansicht, dass ausländische Direktinvestitionen in den Reformstaaten Mittel- und Osteuropas nach dem letztjährigen Rückgang in diesem Jahr wieder anziehen werden. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) erwartet für das Jahr 2004 eine Zunahme von rund 30 Prozent. Davon werde natürlich auch Polen profitieren, heißt es. Zielinski denkt noch einen Schritt weiter: Er sieht Polen auch als Ausgangspunkt westlicher Investoren für deren Expansion in weiter östlich gelegene Staaten.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%