Steigt der IWF aus?
Euro-Retter in der Griechenland-Falle

Die Griechenland-Retter treten auf der Stelle. Obwohl die Lage für das Land immer brenzliger wird, ist eine Langfristlösung nicht in Sicht. Ökonomen halten es für denkbar, dass der IWF die Reißleine zieht.
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BerlinDass die Finanzminister der Euro-Zone nach einer kurzfristigen Lösung für Griechenland suchen und bei ihrem Treffen am Dienstag kommende Woche lediglich die Finanzierungslücke bis 2014 stopfen  und eine Lösung bis 2020 erst später suchen wollen, illustriert sehr anschaulich die verzwickte Lage, in der sich die internationalen Geldgeber befinden. Denn sie haben sich in der Griechenland-Frage festgelegt und erklärt, dass Land in jedem Fall in der Euro-Zone zu belassen. Die Crux dabei: Die Euro-Retter wissen offenbar nicht, wie sie das bewerkstelligt bekommen sollen, ohne zu riskieren, dass einzelne Geldgeber, wie etwa der Internationale Währungsfonds (IWF), aus den Hilfsprogrammen aussteigen.

Für den IWF geht es um sehr viel. Für ihn steht sein guter Ruf als Schuldenmanager auf dem Spiel. Den will er nicht gefährden, daher rührt auch der Zwist zwischen dem Fonds und der Eurogruppe über den langfristigen Sanierungsplan für das immer tiefer in eine Wirtschaftsmisere rutschende Griechenland.

IWF-Chefin Christine Lagarde beharrte am Mittwoch in Kuala Lumpur darauf, den Schuldenberg bis 2020 auf 120 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) abzubauen. Die Euro-Finanzminister wollen dem pleitebedrohten Land zwei Jahre mehr Zeit geben. Der Konflikt muss bis Dienstag beigelegt werden, denn dann soll die Vorentscheidung fallen, ob Griechenland weitere Gelder erhält. Die Bundesregierung zeigte sich bemüht, die Wogen zu glätten. Sie will den IWF an Bord behalten: Denn steigt er aus der Troika aus, würde eine Koalitionsmehrheit im Bundestag höchst unsicher.

Doch inzwischen halten es auch führende Ökonomen in Deutschland für denkbar, dass der IWF die Reißleine zieht – wenn auch nicht sofort. „Der Internationale Währungsfonds darf einem Land nur helfen, wenn er erwarten darf, dass das Land die Hilfen später zurückzahlt“, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, Handelsblatt Online. Diese Frage der Schuldentragfähigkeit sei für Griechenland jedoch offen. „Insofern besteht das Risiko, dass sich der Währungsfonds aus der Griechenland-Hilfe verabschiedet.“ Krämer sagte allerdings auch, dass es „bis auf weiteres“ für wahrscheinlicher halte, dass sich der Währungsfonds weiter in Griechenland engagiert. „Schließlich möchte auch der IWF die Situation in Griechenland stabilisieren.“

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  • Auch der IWF kann nicht zuverlässig berechnen, wie Griechenland im Jahre 2020 auf 120 Prozent Schuldenquote kommt und ob Griechenland dann auf 120 Prozent Schuldenquote kommt. Das kann niemand, weil niemand die Einhaltung der Zukunftserwartung garantieren kann, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Das Einzige, was mit substantieller Mithilfe der Griechen berechnet werden kann, ist, ob Griechenland im Vergleich zum Vormonat, Vorquartal, Vorjahr mehr eingenommen oder weniger ausgegeben hat. Aus diesem Grunde ist es auch wichtig, einen Teil der Finanzhilfen oder Wirtschaftsförderung von dieser substantiellen Mithilfe abhängig zu machen, damit diese Mithilfe attraktiv ist. Ein solcher Mehrperiodenvergleich ist auch die einzige Methode festzustellen, ob sich die Finanzlage verbessert, stabil bleibt oder schlechter wird.
    Aus diesen Erkenntnissen ergäbe sich die Berechnung der Schuldentragfähigkeit und der Finanzierungsbedarf dann von selbst. Außerdem ergäbe sich durch die Aufschlüsselung der Daten der bessere Lösungsansatz für die Frage, wo weitere Ausgaben (vielleicht schadlos) vermieden oder
    höhere Einnahmen ( vielleicht förderungswürdig ) zu gewinnen sind. Die Losung dieser Tage lautet also raus aus den langfristigen 2020-Hoffnungsprognosen und rein in die detailgenaue Analyse Vergangenheit und daraus abgeleitet direktes Änderungshandeln für die nahe Zukunft mit anschließender Erfolgskontrolle der Änderungsmaßnahmen.

  • @ Ulrich62
    Ne, ne - ich bin nicht Horst Köhler, sonst hätte ich als erste Amtshandlung als BuPrä Merkel gefeuert und alle anderen Aushilfskommunisten in der Regierung gleich mit. Mir ist sowieso schleierhaft, wie eine gestandene Partei wie die CDU, mit zum Teil wirklich fähigen Leuten, sich von dieser roten Labertasche so entmannen lassen konnte. Hatten die Merkels Streichelzoo wirklich so nötig oder konnten sie vor lauter Testosteron nicht “Nein” sagen?
    Was den IWF betrifft vermute ich, dass Lagarde nicht auf die Griechen sauer ist, sondern auf die EU. Von den Griechen konnte sie keinen vorauseilenden Gehorsam erwarten. Ihr steht bestimmt bis Oberkante Unterlippe, dass die Griechen von den EU-Weicheiern immer schon Streicheleinheiten bekommen, bevor sie zu heulen angefangen haben. Aber viel wahrscheinlicher ist, dass die EU den IWF nach Strich und Faden verscheißert hat und Lagarde erst jetzt dahinter gekommen ist, wo sichtbar wird, dass die EU Griechenland gar nicht sanieren will.

  • Wird Zeit, dass wir aus dem Euro austreten, oder?

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