Steinmeier

Afghanische Präsidenten-Kandidaten sollen sich schnell einigen

Die beiden Streithähne in Afghanistan sollen sich schnell einigen, fordert Außenminister Steinmeier. Nach der Präsidentenwahl haben sich die Kandidaten der Stichwahl, Abdullah und Ghani, immer noch nicht verständigt.
Update: 06.09.2014 - 16:15 Uhr Kommentieren
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte in Masar-e-Scharif in Afghanistan die Präsidentschaftskandidaten zu einer schnellen Einigung auf. Quelle: dpa

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte in Masar-e-Scharif in Afghanistan die Präsidentschaftskandidaten zu einer schnellen Einigung auf.

(Foto: dpa)

Kabul Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier drängt im Streit um den Ausgang der Präsidentenwahl in Afghanistan auf eine baldige Lösung. Bei einem Besuch in Kabul forderte Steinmeier am Samstag die beiden Kandidaten der Stichwahl, Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani, in getrennten Gesprächen zu einer „schnellen Einigung“ auf. Die internationale Gemeinschaft brauche eine handlungsfähige Regierung und zügige Entscheidungen, um nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen mit einer Ausbildungsmission im Land bleiben zu können. Es sei „nicht mehr viel Zeit“.

Die erste Runde der Präsidentenwahl hatte der ehemalige Außenminister Abdullah gewonnen. In der Stichwahl im Juni setzte sich dem vorläufigen Ergebnis zufolge jedoch der frühere Finanzminister Ghani durch. Wegen Vorwürfen des Wahlbetrugs einigte man sich auf eine Neuauszählung der mehr als acht Millionen Stimmen. Diese ist inzwischen abgeschlossen. Einen konkreten Termin für die Veröffentlichung des Endergebnisses gibt es aber noch nicht.

Die Erben Karsais
Hamid Karsai
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Präsident Hamid Karsai

Karsai, der seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 regiert, darf bei der Wahl an diesem Samstag nicht erneut antreten. Die Verfassung erlaubt nur zwei Amtszeiten. Acht Kandidaten wollen Präsident werden, der in Afghanistan wie in den USA zugleich Regierungs- und Staatschef ist.

Afghan Presidential elections last day of campaigning
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Abdullah Abdullah

Abdullahs Vater war ein Paschtune aus Kandahar, seine Mutter stammte aus dem Pandschir-Tal. Damit ist der 60-Jährige, der in der Hauptstadt Kabul geboren wurde, der einzige Halb-Tadschike im Rennen um den Präsidentenposten. Der Augenarzt war ein Vertrauter des legendären Nordallianz-Führers Ahmad Schah Massud, der gegen die sowjetischen Besatzungstruppen und später gegen die radikalislamischen Taliban kämpfte, bevor er 2001 ermordet wurde.

huGO-BildID: 36228273 Afghan presidential candidate Abudullah Abdullah (C) is escorted by his security detail on the last day of campaigning by presi
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Bis 2006 war Abdullah Außenminister unter Karsai. Bei der Präsidentenwahl vor fünf Jahren trat er gegen den Amtsinhaber an. Die Abstimmung wurde von massivem Betrug überschattet, der insbesondere dem Karsai-Lager angerechnet wurde. Karsai gewann die Wahl, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Abdullah wurde zweiter. Vor einer geplanten Stichwahl zog sich Abdullah überraschend aus dem Rennen zurück, obwohl er ein ausgesprochener Karsai-Kritiker ist

Ghani
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Aschraf Ghani

Ghani wurde 1949 ebenfalls in Kabul geboren und studierte in den USA. Bis 2004 war er Finanzminister in Karsais Übergangsregierung. Auch Ghani trat 2009 gegen den Amtsinhaber an, landete aber mit nur drei Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem vierten Platz. In den vergangenen Wochen gelang es Ghani, zahlreiche Anhänger aus unterschiedlichsten Schichten zu mobilisieren.

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Ghani-Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung: Der ehemalige Weltbank-Mitarbeiter liegt bei allen Auszählungen vorn.

Rassoul
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Salmai Rassoul

Der 72-Jährige ist mit der Familie des früheren Königs verwandt und war dessen Leibarzt. Bis 2010 war er Nationaler Sicherheitsberater in Karsais Kabinett, dann ernannte der Präsident ihn zum Außenminister. Im vergangenen Jahr trat er zurück, um als Präsident zu kandidieren. Rassoul besuchte die französische Schule in Kabul und studierte in Frankreich. Anders als Abdullah und Ghani setzt Rassoul auf Kontinuität, er will Karsais Politik fortführen. Unter den Favoriten war er bei Wahlkampfauftritten am wenigsten charismatisch.

Afghanische Präsidentschaftskandidaten
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Salmai Rassoul, Abdulla Abdullah und Aschraf Ghani (v.l.): Zwar hat Karsai öffentlich keinem der Bewerber seine Unterstützung zugesagt, Rassoul wird aber als bevorzugter Kandidat des Präsidenten gehandelt. Befürchtet wird, dass Karsai im Falle von Rassouls Wahlsieg im Hintergrund weiter die Strippen ziehen könnte. Rassoul ist der einzige unter den drei Favoriten, der eine Frau im Team hat: Sollte er siegen, würde die bisherige Provinzgouverneurin Habiba Surabi zweite Vizepräsidentin.

  • dpa
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