Steinmeier auf Kuba-Reise

Annäherung im Express

30 Stunden sollen zehn Jahre Funkstille aufwiegen: Außenminister Frank-Walter Steinmeier will die Annährung an Kuba vorantreiben. Das ist nötig, denn deutsche Firmen stehen in den Startlöchern. Einige reisen sogar mit.
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Historisches Treffen: Steinmeier zu Gast bei Raul Castro

HavannaEs ist nicht nur eine historische Reise, sondern auch eine Aufgabe gleichen Ausmaßes, die sich der Bundesaußenminister auf seinem Kurztrip nach Kuba vorgenommen hat. Mehr als zehn Jahre Schweigen und Schmollen sollen in 30 Stunden Besuchen, Bekenntnissen und Bekräftigungen ausgeglichen werden. Es ist ein bisschen „Cuba exprés“, das Frank-Walter Steinmeier an diesem Donnerstag und Freitag auf der sozialistischen Karibikinsel absolviert hat. Kuba im Schnelldurchlauf.

Es gilt ja auch einiges zu begradigen, das in den Jahren der „Entfremdung“ und „Sprachlosigkeit“, wie der Minister sagt, in Schieflage geraten ist. Der politische Austausch stockte, die deutschen Investitionen blieben auf einem Minimalniveau stehen, und der hoffnungsfrohe Kulturaustausch schmolz in der karibischen Hitze dahin.

Es sei höchste Zeit gewesen, dass sich mal ein Außenminister in Kuba habe blicken lassen, sagte ein deutscher Unternehmer am Rande des Steinmeier-Besuchs. Soll heißen: Wenn Deutschland in Kuba einen Fuß in die Tür bekommen will, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Denn Havanna öffnet sich, sendet auf vielen Ebenen Signale der Annäherung aus und sucht auch Partner, die mit Wohlwollen die Reformen begleiten, die Präsident Raúl Castro seit fünf Jahren bedächtig auf die Schiene bringt.

Steinmeier, gerade knapp 14 Tage am Verhandlungstisch bei den Iran-Verhandlungen in Wien gefesselt, hatte sich auf seiner Reise nach Kuba viel Bewegung verordnet. Kaum im Morgengauen in Havanna gelandet, durchmaß er das historische Zentrum der kubanischen Kapitale, ließ sich die historischen Orte erklären und bestaunte Designer-Länden, Restaurants und schicke Bars, die im Rahmen der Wirtschaftsreformen entstehen: „Wie hoch ist die Steuerlast für die Unternehmen?“, fragte der Außenminister interessiert und ließ sich wenig später die „Casa Humboldt“ zeigen, das Haus in dem der deutsche Naturforscher 1801 drei Monate lang lebte.

Steinmeier ist auf dieser Reise wichtig, Anknüpfungspunkte zu suchen, Vergangenes mit der Gegenwart zu verbinden. Er erinnert daran, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Kuba mal eng waren, und das lange bevor die DDR ein Verbündeter des sozialistischen Bruderstaates in der Karibik wurde.

Wer von der wirtschaftlichen Annäherung profitiert
Historisches Treffen in Panama
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Kuba und die USA nähern sich nach jahrzehntelanger Eiszeit wieder an: Mit einer Aufnahme der diplomatischen Beziehungen und Erleichterungen für Handel, Finanzbranche und Tourismus. Einige Experten sind zuversichtlich, dass Amerika sogar noch dieses Jahr das Embargo gegen Kuba aufheben könnten. Wer könnte alles profitieren?

Warten auf die amerikanischen Produkte: Eine Frau auf Kuba
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Seit gut 53 Jahren unterhielten die amerikanische und kubanische Regierung keine wirtschaftlichen Beziehungen. Das Kuba-Embargo gilt als die älteste noch existierende Wirtschaftsblockade der Neuzeit. Wie kam es dazu? Als Fidel Castro 1959 nach einen zweijährigen Guerillakampf den vormals regierenden Diktator Batiste zur Flucht zwang, verstaatlichte die neue Regierung das Eigentum von US-Bürgern und US-Unternehmen. Grund genug für den damaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower, die Handelsbeziehungen mit Kuba im Oktober 1960 auf Eis zulegen. Bis heute...

Imperial Tobacco
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Profitieren könnten vor allem Exporteure kubanischer Produkte wie die britische Imperial Tobacco, die über das weltweite Exportmonopol der berühmten kubanischen Zigarren verfügt. Cohibas und Montecristos verkaufen die Briten nur noch nicht in den USA, dem weltgrößten Zigarrenmarkt. Eine Importliberalisierung würde die Umsätze natürlich in die Höhe schiessen lassen.

Pernod Ricard
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Ähnlich vertreibt der französische Schnapshersteller Pernod Ricard weltweit die kubanische Rummarke Havana Club. Nur in den USA wird die Marke - nach einem jahrelangen Streit - vom Rivalen Bacardi vertrieben, der den Markenamen vor 20 Jahren der von kubanischen Revolutionären enteigneten Eigentümerfamilie Arechabala abgekauft hat. Sollten kubanische Erzeugnisse bald in die USA exportiert werden dürfen, ist mit neuen Streitigkeiten zu rechnen.

Coca-Cola, ExxonMobil & Co.
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Neuen Streit könnte es nicht nur um Rum geben. Auch Unternehmen wie Coca-Cola, ExxonMobil und Colgate-Palmolive könnten versuchen, nachträglich für die Verstaatlichung durch die Revolutionäre entschädigt zu werden, schreibt das Magazin Wirtschaftswoche. Einige Unternehmen sollen sich schon länger darauf vorbereiten, Klagen gegen Kuba zu erheben.

Office Depot
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Exotisch ist auch der Fall des Büroartikelherstellers Office Depot, dem nach mehreren Fusionen der staatliche kubanische Stromproduzent gehört - zumindest auf dem Papier. Im Revolutionsjahr versorgte das Unternehmen 90 Prozent Kubas mit Strom.

Freeport McMoRan
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Entschädigungen für eine enteignete Nickel-Kobald-Mine verlangt auch der US-Bergbaukonzern Freeport McMoRan Copper & Gold.

Man wisse nicht mehr sehr viel voneinander, seit sich vor zwölf Jahren die EU und in deren Folge auch Deutschland die Beziehungen zu Kuba auf ein Mindestmaß zurückgefahren haben. Es hatte damals mit dem zu tun, was als „Schwarzer Frühling“ 2003 erinnert wird. Seinerzeit ließ die kubanische Führung 75 Oppositionelle inhaftieren und zum Teil zu langen Haftstrafen verurteilen.

Die Dissidenten sind alle längst wieder auf freiem Fuß, aber die Distanz blieb. Den privilegierten Platz, den Europa einmal als Investor, Dialogpartner und kultureller Mittler hatte, ging verloren. Das Vakuum füllten Staaten wie Venezuela, China, Vietnam, aber auch Iran und Brasilien.

Diese fragten weniger nach Menschenrechten und Pressefreiheit, sondern brauchten kubanische Ärzte, wollten kubanisches Nickel, suchten Absatzmärkte für Dosenfleisch und Kochtöpfe oder wollten schlicht an dem Nachholbedarf bei der Erneuerung der Infrastruktur partizipieren. All das aber konnte die EU nicht zum Umdenken bewegen.

„Die deutsche Wirtschaft ist bereit für Kuba“
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