Steinmeier fordert Öffnung des Gazastreifens
„Wir sitzen hier auf einem Pulverpass“

Als einer von wenigen ausländischen Politikern fährt Außenminister Steinmeier in den Gazastreifen. Dort ist die Lage trotz Kriegsendes katastrophal. Die Hoffnung ruht auf einem Abkommen mit Israel – groß ist sie nicht.
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GazaAußenminister Frank-Walter Steinmeier hat dringend neue internationale Anstrengungen für ein Ende der Blockade des Gazastreifens verlangt. Bei einem Besuch in Gaza bezeichnete er die Situation der 1,8 Millionen Palästinenser am Montag als „unerträglich“ und „katastrophal“. Zugleich warnte er vor einem neuen Krieg zwischen Palästinensern und Israel. „Wir sitzen hier auf einem Pulverpass. Wir müssen aufpassen, das es sich nicht entzündet.“

Seit 2008 gab es bereits drei Gazakriege. Allein beim jüngsten Konflikt im vergangenen Sommer kamen in dem dicht besiedelten Küstengebiet am Mittelmeer mehr als 2200 Menschen ums Leben. Der Wiederaufbau kommt trotz internationaler Milliardenzusagen überhaupt nicht voran. Auf ein Treffen mit Vertretern der radikal-islamischen Hamas, die im Gazastreifen das Sagen hat, verzichtete Steinmeier. Israel macht das zur Bedingung dafür, dass ausländische Politiker überhaupt einreisen dürfen.

Steinmeier sagte, die Lebensbedingungen im Gazastreifen könnten nur mit einer Öffnung der Grenzen verbessert werden, wenn Waren und Menschen wieder hinein und heraus kämen. Im Gegenzug müsse Israel Sicherheitsgarantien bekommen. „Das wird nur gelingen, wenn sicher ist, dass hier keine Startrampen für Raketen mehr stehen.“ Der Gazastreifen ist seit der Machtübernahme der Hamas im Sommer 2007 durch Israel nahezu vollständig abgeriegelt.

Der SPD-Politiker appellierte an alle Seiten, noch vor der Wiederaufnahme von grundsätzlichen Friedensverhandlungen eine Lösung für den Gazastreifen zu finden. „Wir können nicht warten, bis die Gespräche über eine Zwei-Staaten-Lösung wieder in Gang gekommen sind.“ Die Chancen werden allerdings als nicht besonders gut eingeschätzt. Steinmeier sagte dazu: „Hier im Nahen Osten ist nichts einfach. Aber gleichwohl müssen wir es versuchen. Und wir müssen es tun.“

In Gaza eröffnete Steinmeier eine Mädchenschule der Vereinten Nationen, die mit deutscher Unterstützung errichtet wurde. Nach dem Sommer sollten dort 1400 Kinder unterrichtet werden. Deutschland unterstützt auch zwei Dutzend andere solche Projekte. Insgesamt lernen 250 000 Kinder und Jugendliche im Gazastreifen in Uno-Schulen. Ihre Perspektiven sind allerdings schlecht: Mehr als jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos. Von den Mädchen haben sogar fast 90 Prozent keinen Job.

Ein Hamas-Repräsentant dementierte nach Angaben des israelischen Rundfunks Berichte, denen zufolge Steinmeiers Besuch mit einem angeblichen neuen Gefangenenaustausch mit Israel in Verbindung stand. Am Abend reist Steinmeier nach Paris weiter. Dort will er am Dienstag an einer Konferenz der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) teilnehmen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Steinmeier fordert Öffnung des Gazastreifens: „Wir sitzen hier auf einem Pulverpass“"

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  • Herr Steinmeier sollte sich da raushalten. Außer Spesen ( Waffengeschenke für die Einen und Aufbauhilfe für die Anderen) gibt es für deutsche Politiker dort nicht zu holen.

  • Mit vielen und guten Worten ist es nicht getan. Doch solange Steinmeier Strafmeilen fliegen muss, weil er nicht pflichtgemäß nach jedem Besuch im Nahost bei Israel zum Rapport antritt oder aber sich vorschreiben lässt, wenn er in Gaza sprechen möchte, ist nicht damit zu rechnen. Deutschland sollte zumindest die übrigen EU-Staaten nicht daran hindern, neben deutlichen Worten auch Taten sprechen zu lassen.

    Im übrigen sieht es auch im WJL zum Teil so aus, wie im Gaza. Und selbst innerhalb Israels ist es zum Teil ähnlich schlimm. So etwa im Negev im Süden Israels. Doch dahin war ihm ein Besuch vermutlich nicht erlaubt. So bleiben nur Spesen.

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